Bei der Erstaustragung des MotoGP-Rennens am Balaton Park gab es viel Kritik an der sehr engen und langsamen Strecke. Sicherheitsbedenken wurden laut. Die zweite Ausgabe 2026 wird aller Voraussicht nach wohl die letzte sein. Dies ist jedoch nicht mit dem Ende des Ungarn GP gleichzusetzen. Obwohl die neue Regierung im Lande die Finanzierung kürzen könnte, steht wohl der Wechsel auf eine viel bekanntere Strecke an.
Francesco Bagnaia verrät es bereits: 2026 letztes MotoGP-Rennen am Balaton Park
"Sie haben nichts geändert, weil es sich um eine provisorische Rennstrecke handelt. Nächstes Jahr werden wir eine andere nutzen. Daher war es schwierig, die Strecke zu verändern", verriet Francesco Bagnaia bereits am Donnerstag den Abschied vom Balaton Park, welcher noch nicht offiziell ist, als er auf seine Sicherheitsbedenken des letzten Jahres angesprochen wurde. Der Italiener akzeptiert nun, dass er einfach noch eine Austragung hinter sich bringen muss.
Der Hintergrund zum Abschied besteht aus zwei Faktoren. Zuerst einmal ist das die Insolvenz des ursprünglichen Veranstalters HUMDA. Im Parlament äußerte sich der neue Innenminister Gábor Pósfai, der in seiner Funktion auch für Sportveranstaltungen zuständig ist, zum Sachverhalt: "Ich könnte sagen, dass wir, wie bei vielen anderen Themen auch, während der Amtsübergabe auf eine Menge unerhörter Dinge gestoßen sind."
Die HUMDA Hungarian Mobility Development Agency, die sich im Besitz der Stiftung der Széchenyi-István-Universität befindet, hatte zuvor im Jahr 2023 einen 10-Jahres-Vertrag mit dem Rechteinhaber zur Ausrichtung der Rennen unterzeichnet. "HUMDA schreibt seit Jahren enorme Verluste, hat im Wesentlichen ihr eigenes Kapital aufgebraucht und befindet sich seit dem 20. April in Liquidation. Das hat also bereits unter der vorherigen Regierung begonnen", so Pósfai.
Bei der HUMDA handelte es sich vor allem um ein Prestige-Projekt der Regierung Viktor Orbáns, welches durch dessen Abwahl nun nicht mehr staatlich finanziert werden wird. Da stellt sich natürlich die Frage, warum dann das Rennen von 2026 überhaupt noch stattfinden kann? Die Antwort ist mit der Zukunft des Ungarn Grand Prix eng verbunden. Der neue Veranstalter ist die Firma hinter dem Hungaroring, auf dem seit 1986 das Formel-1-Rennen des Landes stattfindet.
Bereits 2026 als Veranstalter eingesprungen: MotoGP will zum Hungaroring
"Es gab einen Zehnjahresvertrag mit einem Unternehmen, das sich derzeit in Liquidation befindet, deshalb sind wir eingesprungen und haben es geschafft, für dieses Jahr einen Vertrag über die Durchführung des Rennwochenendes abzuschließen", erklärte Zsolt Gyulay, Vorstandsvorsitzender des Hungarorings, in einem Radiointerview des Senders M4.
Jetzt kommt das spannende: Die MotoGP selbst ging auf die Organisatoren vom Hungaroring zu. "Nach der Insolvenz von HUMDA wurden wir auf Wunsch der Dorna zu den Veranstaltern der diesjährigen Veranstaltung. Dies liegt zum Teil daran, dass Liberty Media, der Rechteinhaber der Formel 1, Mehrheitsgesellschafter der Dorna ist", erklärte Gyulay. Der Grund dafür ist klar: "Die MotoGP möchte auf jeden Fall zum Hungaroring kommen."

Haas-Fahrer Esteban Ocon vor Alexander Albon im Williams und Nico Hülkenberg im Sauber beim Ungarn Grand Prix auf dem Hungaroring
Die Traditionsrennstrecke ist für die Vorstellungen der MotoGP und Liberty Media viel geeigneter. Es gibt wesentlich größere Kapazitäten, eine erst kürzlich rundum modernisierte Infrastruktur und natürlich die Nähe zur Hauptstadt Budapest. Es bleibt nur ein Problem: MotoGP-tauglich ist die Strecke (noch) nicht. Es müsste wichtige Sicherheitsmodifikationen durchgeführt werden, denn an vielen Stellen des Kurses sind die Streckenbegrenzungen viel zu nahe für Motorradsport.
Finanzierung des MotoGP-Rennens unklar: Neue Regierung in Ungarn kritisiert Verlustgeschäft
Dennoch scheint die Absicht der Königklasse festzustehen. Die Finanzierung der Veranstaltung könnte sich aber noch als Schwierigkeit erweisen. Innenminister Posfai kritisierte das Verlustgeschäft der Vorregierung: "Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Staatshaushalt mehr als zehn Milliarden dafür aufgewendet hat, während die Einnahmen im letzten Jahr bei etwa zwei Milliarden Forint lagen." Umgerechnet lagen die Ausgaben also bei mehr als 28 Millionen Euro, während weniger als sechs Millionen Euro mit dem Rennen eingenommen wurden.
Ob die neue Regierung angesichts dieser Verluste zu weiteren Finanzierungen dieser Höhe bereit ist, darf bezweifelt werden. Zumindest zeigt sich der Innenminister aber gesprächsbereit: "Was die Zukunft angeht, werden wir, wie bei anderen Sportveranstaltungen auch, die bisherigen Erfahrungen und die Verträge prüfen, uns mit den relevanten Akteuren zusammensetzen, vergangene Veranstaltungen besprechen und dann über die zukünftige Organisation entscheiden." Es scheint aber so, als müsste der Hungaroring die Finanzierung seines ersten MotoGP-Rennens zu einem größeren Teil selbst aufbringen, als dies noch unter der alten Regierung der Fall gewesen wäre.
Wir ihr das wahrscheinlich letzte MotoGP-Rennen am Balaton Park verfolgen könnt, erfahrt ihr hier:



diese MotoGP Nachricht