Charles Leclerc hat in seiner achtjährigen Formel-1-Karriere schon einige schwierige Rennen hinter sich. Bahrain 2019, als ihm wegen eines Motorproblems nur zehn Runden vor Schluss sein erster Sieg in Rot durch die Finger glitt. Frankreich 2022, als er sich selbst aus der Führung und dem Rennen drehte. Jedes Monaco-Rennen abgesehen von 2024. Trotzdem bezeichnete er den Großen Preis von Großbritannien 2025 als "eines der schwierigsten, wenn nicht sogar das schwierigste Rennen" seiner Karriere.
"Wir waren das ganze Rennen über im Nirgendwo. Ich war eine Sekunde langsamer als die Spitze. Ich hatte von der ersten bis zur letzten Runde Probleme, das Auto auf der Strecke zu halten. Es war ein sehr schwieriger Tag", klagte der Ferrari-Pilot, der den Großbritannien GP auf dem vorletzten Platz beendete. Schon letztes Jahr hatte er in Silverstone in ähnlichen Wetterbedingungen kein Glück und erlebte ein desaströses Rennen.
Bereits nach dem Qualifying war der Monegasse unzufrieden mit seiner Leistung und ließ seinem Frust am Funk freien Lauf. Auch nach dem Rennen nahm er sich kein Blatt vor den Mund: "Ich muss analysieren, was passiert ist, warum wir keine Pace hatten. Was habe ich in Bezug auf Setup und Fahren getan, das alles schlimmer gemacht hat? Ich muss mir die Daten ansehen."
Früher Reifenwechsel war Anfang vom Ende
Am Sonntag begann das Trauerspiel für Leclerc schon, bevor die Startampel auf Grün sprang. Leclerc war einer der fünf Piloten, die nach der Formationsrunde für Slick-Reifen an die Box fuhren. Die Entscheidung traf er selbst. Für Ferrari-Teamchef Fred Vasseur war das der Anfang vom Ende, trotzdem verteidigte er seinen Fahrer: "Ich hätte Nein sagen können, aber er ist derjenige auf der Rennstrecke. Wenn alle sehr langsam hinter dem Safety Car herfahren, ist es nicht so leicht, den Grip zu fühlen. Am Ende ist man immer klüger."
Auch Leclerc bereute seine Entscheidung im Nachhinein: "Der erste und zweite Streckenabschnitt waren trocken genug für Slick-Reifen, der dritte Sektor nicht. Ich dachte, der Asphalt würde schneller trocknen. Das hat er aber nicht." Schon in der dritten Kurve rutschte Leclerc das erste Mal von der Strecke, mehrmals musste er seinen SF-25 abfangen.
In den folgenden Virtual-Safety-Car-Phasen konnte Leclerc seine Pirellis zwar gut aufwärmen und war danach sogar zeitweise der Schnellste im Feld. Doch weil er aus der Boxengasse startete, hatte er viele Autos vor sich und das Überholen kostete Zeit. "Wir hatten Probleme in der Dirty Air. Wir haben bis zu zehn Runden gebraucht, um den Gegner zu überholen, obwohl wir viel schneller waren", beschrieb Vasseur den größten Knackpunkt.
Überholen nur mit Brechstange möglich: Es ging nicht anders
Das führte dazu, dass Leclerc seine Kontrahenten mit der Brechstange überholen musste. Der Ferrari-Pilot drückte sich auf der Innenseite von Kurve vier an Alex Albon vorbei. Der musste seine Lenkung aufmachen, um nicht mit Leclerc zu kollidieren. Mit dem gleichen Manöver setzte er sich auch vor den zweiten Williams-Pilot Carlos Sainz. "Es war aggressiv, aber ich musste so überholen. Anders ging es nicht", gab sich der Monegasse wenig reumütig.
Das Desaster spitzte sich zu, als Leclerc nicht nur ein-, sondern gleich zweimal die Kontrolle über seinen Ferrari verlor. Das erste Mal rutschte er in Becketts von der Strecke und musste durch das Kiesbett. Erst nach der Chapel-Kurve konnte er wieder auf den Silverstone Circuit zurückfinden.
Der zweite Patzer passierte in der trocknenden Schlussphase des Rennens. In Stowe verlor Leclerc auf frischen Soft-Reifen sein Heck und musste wieder durch den Kies. Dabei beschädigte er auch den Williams von Sainz, der gerade zum Überholmanöver ansetzte. Der Unterboden und Frontflügel des FW47 wurden in Mitleidenschaft gezogen, Sainz und Leclerc fielen beide aus den Punkterängen.
Der Frust beim Spanier war groß, doch er machte seinem Ex-Teamkollegen keine Vorwürfe: "Das kann jedem passieren." Leclerc nahm die Schuld für den Vorfall auf sich: "Ich habe bereits mit ihm gesprochen. Er hat wegen mir Punkte verloren und das tut mir leid." Seine Strafe war ein 14. Platz, über eine Minute hinter den McLarens.

Extremes Setup: Erklärung für Ferrari-Problem?
Was Ferrari am Sonntag in Silverstone am meisten fehlte, war Performance. Der SF-25 war nicht konkurrenzfähig, wie Leclerc meinte: "Normalerweise kann ich sagen, dass wir das Maximum aus unserem Paket geholt haben. Aber das war [in Silverstone] nicht so, zumindest nicht am Sonntag. Ich habe Punkte liegen lassen", ging der 27-Jährige hart mit sich ins Gericht.
Woran die Probleme genau lagen, konnte Leclerc nicht sagen, aber er hat zumindest eine Idee: "Mein derzeitiges Setup ist sehr extrem, vielleicht ist es das. Aber ich glaube nicht, dass das so einen großen Unterschied macht. Da gibt es noch etwas, das wir uns anschauen müssen." Details wollte er keine nennen. Nur, dass bald ein Update kommt, das mit der Performance in gewissen Kurvenabschnitten helfen soll.
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