Mit dem Wechsel zu Ferrari ging für Lewis Hamilton ein Traum in Erfüllung. Auch bei den Tifosi, die seit 2007 auf einen roten WM-Titel warten, löste die Kombination aus dem erfolgreichsten Formel 1-Fahrer seiner Generation und dem ikonischen Rennstall Freudentaumel aus. Nach den Wintertests in Bahrain schwärmte Hamilton noch: "Das ist das positivste Gefühl, das ich seit langer Zeit hatte." Zwölf Rennen später ist die Ernüchterung eingetreten.
Ferrari 2025: WM-Traum ist erneut zerplatzt
Nicht nur, dass Ferrari 2025 wieder kein Wörtchen um den Titel mitreden kann, auch Hamilton hat mehr zu kämpfen als ihm lieb ist, und zwar mit dem gesamten Paket – Team, Auto, Fahrverhalten und Kommunikation. Beim Chaos-Auftakt in Australien zeigte sich der Brite mit dem SF-25 völlig überfordert und gab kleinlaut zu: "Ehrlicherweise dachte ich, dass ich in diesem Prozess [das Auto zu verstehen] schon weiter wäre."
Ernüchternd fiel auch sein Fazit nach dem Japan GP, dem ersten Rennen des ersten Saison-Triple-Headers, aus. Auf die Frage, wo er auf dem Suzuka International Racing Circuit die meiste Zeit liegen gelassen habe, antwortete er: "Überall!" Der 40-Jährige bekommt vom Auto nicht das, was er braucht. Die Folge: In Saudi-Arabien überquerte Hamilton als Siebter die Ziellinie, sein Rückstand auf Charles Leclerc betrug 30,969 Sekunden. "Null, absolut nichts war heute positiv", bilanzierte Hamilton nach dem Rennen.
Spielberg & Silverstone mehr als ein Strohfeuer?
Es sollte jedoch nicht das letzte Interview eines niedergeschmetterten Hamiltons bleiben. Nach dem Spanien GP funkte er an seinen Renningenieur Riccardo Adami: "Irgendetwas ist falsch mit diesem Auto. So schlecht war es noch nie." Die Tatsache, dass er im Rennen sogar Sauber-Pilot Nico Hülkenberg nicht halten konnte, verbesserte seine Laune in der Medienrunde nicht. "Es war ein schwieriger Tag, was soll ich sagen? Es gibt nichts hinzuzufügen. Es war schrecklich."
Die erste Saisonhälfte war aber nicht nur schrecklich, sondern bot auch einige Highlights wie den Sprintsieg in China oder das Sprint-Podium in Miami. Auch beim Heimrennen der Scuderia in Imola kämpfte sich Hamilton von P12 durchs Feld und schlitterte als Vierter nur knapp am Podium vorbei. In Österreich und Großbritannien war er mit P4 wieder knapp an seinem ersten Ferrari-Podest dran.
Hamiltons erste Saisonhälfte als eine Achterbahnfahrt zu bezeichnen, ist sicherlich keine Übertreibung. Allerdings kann man diese Performance-Schwankungen schon seit längerer Zeit beim siebenfachen F1-Weltmeister erkennen. Hier dürften mehrere Faktoren eine Rolle spielen. Wie schon im Vorjahr gegen seinen Mercedes-Teamkollegen George Russell fehlt Hamilton auch dieses Jahr gegen Charles Leclerc die Pace. Das zeigt die Qualifying-Bilanz 2025 ganz deutlich. Die Frage, ob es daran liegt, dass im Alter das letzte Tausendstel verloren geht, muss hier erlaubt sein.
F1-Qualifying 2025: Teaminterner Vergleich Hamilton vs. Leclerc
| Grand Prix | Lewis Hamilton | Charles Leclerc |
| Australien GP | 8 (+0,218 / Q3) | 7 |
| China GP | 5 | 6 (+0,094 / Q3) |
| China GP - Sprint | 1 | 4 (+0,208 / SQ3) |
| Japan GP | 8 (+0,311 / Q3) | 4 |
| Bahrain GP | 9 (+0,597 / Q3) | 3 |
| Saudi-Arabien GP | 7 (+0,531 / Q3) | 4 |
| Miami GP | 12 (+0,058 / Q2) | 8 |
| Miami GP - Sprint | 7 (+0,222 / SQ3) | 6 |
| Emilia-Romagna GP | 12 (+0,161 / Q2) | 11 |
| Monaco GP | 4 (+0,319 / Q3) | 2 |
| Spanien GP | 5 | 7 (+0,086 / Q3) |
| Kanada GP | 5 | 8 (+0,156 / Q3) |
| Österreich GP | 4 (+0,090 / Q3) | 2 |
| Großbritannien GP | 5 | 6 (+0,026 / Q3) |
Natürlich sind auch das neue Team, die neuen Strukturen und ein Ferrari, der alles andere als einfach zu fahren ist, wesentliche Faktoren. Das Problem mit dem SF-25 nahm bereits über den Winter seinen Lauf, als Ferrari die Vorderachse auf Pullrod umstellte. Die Ingenieure erhofften sich dadurch mehr Abtrieb und mehr aerodynamische Freiheiten. Um den gewünschten Abtrieb zu erzielen, wurde die Aerodynamik auf der Grundlage einer niedrigeren Bodenfreiheit entwickelt. Die Folge: Auf schnellen Strecken nutzt der SF-25 die Skids an der Bodenplatte zu stark ab.
In China führte das zum Super-GAU: Hamilton wurde nach dem Rennen disqualifiziert, weil sein Unterboden um 1,5 Millimeter abgenutzt war. Das Reglement erlaubt maximal 1,0 Millimeter Abnutzung an den Messstellen. Infolgedessen ist Ferrari gezwungen, das Auto höher einzustellen, was sich negativ auf die Performance auswirkt. Doch es gibt Hoffnung: Am Mittwoch testeten Hamilton und Leclerc eine neue Hinterradaufhängung, die nächste Woche beim Belgien GP zum Einsatz kommen soll.
Gibt es Hoffnung für die zweite Saisonhälfte?
Die neue Hinterradaufhängung des SF-25 soll beim Beschleunigen nicht zu tief einsinken, beim Bremsen nicht stark aus den Federn kommen und damit den Ingenieuren mehr Freiheit bei den Setup-Einstellungen geben. Ein stabilerer und vorhersehbarer SF-25 würde definitiv auch Hamilton helfen, der selbst zugab, jedes Wochenende sich neu an das neue Auto anpassen zu müssen. "Es ist so ganz anders als das, was ich in den vergangenen Jahren gefahren bin", klagte Hamilton immer wieder.
Aber auch die Struktur und Prozesse bei Ferrari sowie die Kommunikation mit seinem Renningenieur sind ganz anders, als er es aus seiner Mercedes-Zeit kennt. Bis sich das einspielt, braucht es mehr als 12 Rennen. Angesichts all dieser Faktoren ist die aktuelle Situation von Hamilton bei Ferrari weniger dramatisch, als es die Ergebnisse oder seine Interviews nach den Rennen vermuten lassen.
Die enttäuschende Ferrari-Performance lässt auch die Kritik an Teamchef Fred Vasseur wachsen.



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