Sprint-König Max Verstappen machte seinem Spitznamen im Kurzrennen am Samstag wieder einmal alle Ehre und bezwang die eigentlich schnelleren McLarens mit weniger Flügel auf der langen Geraden. Doch eine Wiederholung für das Rennen ist nicht geplant, stattdessen nutzte Red Bull nach dem Qualifying die Öffnung von Parc-Ferme, um noch einmal komplett umzubauen.
Der kleine Heckflügel, der maßgeblich für den Sprint-Sieg verantwortlich war, war im Qualifying schon wieder Geschichte. Für das Rennen haben die Bullen einen größeren Flügel aufgesattelt. Damit reagiert man nicht nur auf den potenziell höheren Reifenverschleiß, der im Grand Prix eine wesentlich größere Rolle spielt als im boxenstopp-befreiten Sprint, sondern wohl vor allem auf die Wetter-Prognose für Sonntag.
Red Bull setzt auf mehr Downforce: Ohne Regen chancenlos gegen McLaren?
Diese sagt nämlich für den Renntag Regen voraus. Stand jetzt sollte dieser am Nachmittag, also während dem Rennen, die Strecke treffen. Bei Red Bull erweckte diese Prognose wohl Erinnerungen an Silverstone. Dort waren eigentlich nur für den Vormittag bis zum Start des Rennens feuchte Bedingungen angesagt. Stattdessen war dann der Grand Prix selbst von Niederschlägen geprägt. Mit einem kleinen Flügel, der im Qualifying Verstappen noch die Pole beschert hatte, tappten die Bullen dem Schlecht-Wetter damals in die Falle.
In Spa stellt sich die Situation genau andersherum dar. Red Bull hofft auf Regen und stimmte sein Auto nach dem Sprint-Erfolg voll darauf ab. Die Topspeed-Daten zeigen, dass man mit dem neuen Flügel etwa sechs Km/h auf der Kemmel-Geraden gegen die gestrige Konfiguration verlor. Hier die gesamte Runde im Detail:
Zum direkten Zeitvergleich muss aber noch dazugesagt werden: Am Ausgang von La Source hatte Verstappen in seinem zweiten Q3-Versuch einen Quersteher zu verzeichnen. Deshalb verlor er an dieser Stelle so viel Zeit.
"Wenn es trocken ist, haben wir mit der Abstimmung gegen McLaren keine Chance", ist Red-Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko überzeugt. "Bei Regen rechnen wir mit mehr." Der Setup-Wandel bezieht sich nicht ausschließlich auf den Heckflügel, sondern auch noch eine Reihe weiterer Details wurde angepasst. Was das genau ist, wurde nicht mitgeteilt.
Für ein Regen-Setup wäre es normalerweise üblich, die Aufhängung weicher abzustimmen. Es ist aber auch eine regelmäßig rezitierte Weisheit in der modernen Formel 1, dass ganz große Setup-Umbauten für Regen nicht mehr notwendig sind. Dieser Philosophie folgt etwa McLaren, aber dazu später mehr.
Am Freitag dominierte nicht Red Bull sondern Haas die Topspeed-Messungen, indem sie einen noch kleineren Flügel in Verwendung hatten. Bei dem US-Team gingen die Philosophien für das Qualifying und Rennen auseinander. Während Esteban Ocon noch immer extrem auf Höchtsgeschwindigkeit und damit auf ein trockenes Rennen getrimmt ist, wurde bei Oliver Bearman ein größerer Flügel aufgepackt. Auf der Kemmel-Gerade ist er jetzt einer der langsamsten, während Ocon die höchste Geschwindigkeit auf den Tacho brachte.
Eine ähnliche Marschroute wie Red Bull legte auch Aston Martin hin. Lance Stroll und Fernando Alonso verloren im Vergleich zum Freitag viel Geschwindigkeit auf der Geraden, zeigten sich dafür aber nur minimal konkurrenzfähiger im abtriebslastigen mittleren Sektor. Die letzte Hoffnung liegt wohl darin, die Früchte dieses Setup-Wandels im Regen zu ernten. Wenn wir schon im Mittelfeld sind: Auch Sauber packte im Vergleich zum Sprint-Setup etwas mehr Flügel drauf.
| Topspeeds Kemmel | Sprint-Qualifying | Qualifying |
|---|---|---|
| Albon | 338,7 | 341,0 |
| Alonso | 3450 | 340,5 |
| Antonelli | 341,9 | 340,9 |
| Bearman | 346,4 | 338,4 |
| Bortoleto | 344,7 | 341,0 |
| Colapinto | 337,9 | 341,6 |
| Gasly | 339,9 | 339,6 |
| Hadjar | 339,4 | 337,3 |
| Hamilton | 343,0 | 343,7 |
| Hülkenberg | 348,2 | 341,0 |
| Lawson | 345,2 | 340,9 |
| Leclerc | 343,1 | 344,0 |
| Norris | 340,2 | 341,1 |
| Ocon | 346,4 | 345,2 |
| Piastri | 341,4 | 337,6 |
| Russell | 342,0 | 343,9 |
| Sainz | 342,2 | 339,1 |
| Stroll | 344,3 | 340,8 |
| Tsunoda | 346,4 | 342,8 |
| Verstappen | 345,3 | 336,2 |
Mercedes schlug nach dem Nuller im Sprint die Gegenrichtung ein und reduzierte die Downforce merklich. Dadurch zählte George Russell zu den schnellsten Fahrern im ersten Sektor. An der Geschwindigkeits-Messstelle in Campus gab er gestern noch den Ton an, heute dominieren andere diese Stelle.
McLaren vertraut auf sein Setup und zittert nun vor Charles Leclerc
Bei McLaren gibt es in Bezug auf die Flügel-Konfiguration nur minimale Änderungen zum Freitag. Wie Teamchef Andrea Stella mitteilte, hat man lediglich einen etwas größeren Gurney-Flap angebracht, um mehr Downforce zu generieren. Aber abgesehen davon veränderte man am Setup nichts.
Lando Norris legte sogar im direkten Vergleich seiner beiden schnellsten Runden etwas Geschwindigkeit zu, was wohl in erster Linie am Windschatten liegt. Im Sprint-Qualifying war er als Erster auf die Strecke gegangen, während er im heutigen Qualifying hinter Piastri rausgelassen wurde und somit etwas Windschatten abbekam. Dieser hat in der Formel 1 selbst bei einem Abstand von vier bis zu fünf Sekunden zum Vordermann noch einen merklichen Effekt.
Charles Leclerc behauptete in der Presskonferenz nach dem Zeitentraining, dass Ferrari keine Setup-Änderungen vorgenommen hat. Der Ferrari ist auf der Geraden und damit im ersten Sektor nach wie vor eines der schnellsten Autos. Damit ist er vor allem in der ersten Runde auf dem Weg zu Les Combes eine akute Gefahr für Piastri und Norris. "Ich wäre nicht überrascht, wenn Leclerc nach der ersten Runde in Führung liegt", fürchtet Stella den Monegassen. In diesem Fall kann sich McLaren aber immer noch auf das Reifenmanagement und die Longrun-Pace konzentrieren. Im Gegensatz zum Sprint bietet das Rennen verschiedene strategische Variationen, um die Führung zurückzuerobern.



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