Sechs Siege, sechs Pole Positions, sechs schnellste Runden in elf Rennen – Kimi Antonelli ist in der bisherigen Formel-1-Saison kaum einzuholen. Anders als einige seiner Konkurrenten, kommt der WM-Leader mit der neuen Autogeneration einfach hervorragend zurecht. Das liegt aber nicht nur an seinem puren Talent. Da steckt auch reichlich Arbeit dahinter.

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Antonelli: Mit Simulator-Arbeit zum F1-Dominator

"Ich habe hinter den Kulissen oft geübt, damit mir viele Dinge in Fleisch und Blut übergehen", verriet der Mercedes-Pilot im Rahmen des Ungarn GP. "Ich habe versucht, einige Elemente, die sich zuerst gezwungen angefühlt haben, etwas natürlicher zu machen." Dafür verbrachte Antonelli über den Winter viel Zeit im Simulator in Brackley: "Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele Stunden ich dort war. Die Vorsaison war sehr intensiv."

Denn so leicht er es in diesem Jahr auf der Strecke aussehen lässt: Die Umstellung von den am Asphalt klebenden Ground-Effekt-Autos auf die halbelektrischen Low-Downforce-Boliden war auch für den jungen F1-Fahrer eine Herausforderung: "Ich bin ehrlich. Als ich letztes Jahr die ersten Simulator-Fahrten mit dem diesjährigen Auto gefahren bin, waren da einige Aspekte, die sich unnatürlich angefühlt haben."

Das neue technische Reglement musste schon ordentlich Kritik einstecken. Dass nicht mehr bis zum Limit des Grips und des Autos gefahren wird, sondern für maximale Energie-Effizienz, stößt vielen Fahrern und Fans sauer auf und schlägt sich mit den Instinkten der Vollblut-Racer. Doch die Piloten müssen mit dem Material arbeiten, das sie haben – und die harte Vorbereitung machte sich für Antonelli bezahlt. "Ich muss jetzt nicht mehr darüber nachdenken, wenn ich fahre, denn die Techniken habe ich bereits im Hinterkopf", so der WM-Leader.

Antonellis problematischer Fahrstil: Zu aggressiv für 2025

Was Antonelli auch in die Karten spielt, ist sein Fahrstil. Der zeichnet sich beim jungen Italiener durch einen sehr aggressiven Kurveneingang mit viel Eingangsgeschwindigkeit, spätem Bremsen und einer schnellen, starken Rotation aus. "Ich versuche, den Kurvenradius sowie die Zeit zwischen Bremsen und Beschleunigen zu verkürzen. Ich falte die Kurve wie ein Taschentuch zusammen und lenke erst zum spätesten Zeitpunkt ein. Dadurch verlange ich dem Auto auch etwas mehr ab", beschrieb er gegenüber Motorsport.com. Mercedes-Teamchef Toto Wolff nannte das Ausmaß davon "monsterhaft".

Diese Technik bringt zwar Rundenzeit, weil er dadurch beim Kurvenausgang früh wieder ans Gas gehen kann. Es birgt aber auch ein hohes Risiko. Abgesehen von der höheren Reifenbelastung führte das bei den steifen Ground-Effekt-Boliden der Vorjahre oft zum Desaster. Das bewies Antonelli mit seinen Abflügen bei seinem FP1-Debüt in Monza 2024 oder 2025 in Spa-Francorchamps. Weil diese Autogeneration auf maximalen Abtrieb getrimmt war, wurden sie bei einem plötzlichen, oft unvorhersehbaren Verlust des Anpressdrucks unkontrollierbar und waren nur extrem schwer abzufangen.

"Das Limit ist sehr hoch, aber wenn du es überschreitest, hast du nichts. Dann ist das Auto so unberechenbar", beschrieb Antonelli letztes Jahr. Lewis Hamilton, der einen sehr ähnlichen Fahrstil hat, hatte damit ebenfalls Probleme. Max Verstappen bevorzugt auch einen aggressiven Kurveneingang, gilt aber als Meister darin, seine Boliden unter Kontrolle zu halten. Der unerfahrenere Mercedes-Junior probierte über große Teile seiner Rookie-Saison, seinen Fahrstil auf die Limitationen des Autos anzupassen, was oft zu keinen guten Ergebnissen führte. "Es fühlt sich noch nicht natürlich an, weil ich das Auto nicht so fahren kann, wie ich möchte", meinte er 2025 vor dem Singapur-Rennen.

Neues Formel-1-Reglement perfekt für Antonelli

Die neuen Low-Downforce-Autos kommen Antonelli hier einen großen Schritt entgegen. Da sie rund 30 Prozent weniger Anpressdruck als das Vorgängermodell generieren, sind sie agiler und flexibler. Verliert der Fahrer plötzlich den Abtrieb, ist der Unterschied nicht so drastisch und das Auto lässt sich leichter abfangen.

Mit den 2026er Boliden kann Antonelli diesen Stil in langsamen und mittelschnellen Kurven gut einsetzen. "Es ist ein bisschen meine Fahrweise – viel Speed in die Kurven mitnehmen, die minimale Geschwindigkeit hochzuhalten – die definitiv hilft", weiß er nach seinem Podium in Ungarn selbst, warum er aktuell so schnell ist.

"Die diesjährigen Autos verlangen vom Fahrer, dass er konstant attackiert", beschrieb McLaren-Teamchef Andrea Stella in Spa. "Man würde erwarten, dass du einen Kompromiss zwischen einem rollenden Kurveneingang und dadurch einem besseren Ausgang eingehst. Aber wenn du ständig versuchst, den Input sanft und sauber zu halten sowie das Auto über die Vorderräder zu bewegen, bringt das keine Rundenzeit."

Genau damit hadert Antonellis Teamkollegen George Russell seit Monaten. An fast allen Wochenenden hinkt der Brite seinem WM-Rivalen hinterher. Schon in Monaco vermutet er, dass sein Fahrstil nicht mit den neuen Boliden harmoniert. Russell fährt geschmeidiger, schmeißt das Auto nicht in die Kurven, sondern bewegt es sanft. Ganz wahrhaben wollte er es aber nicht und ging auf Fehlersuche: Zuerst waren es die Strecken, die ihm nicht lagen, dann machte er das Setup verantwortlich, am Ende soll es ein Problem in den Motordaten gewesen sein – zumindest zu 50 Prozent. Die andere Hälfte des Defizits soll laut Toto Wolff noch immer sein Fahrstil sein.

Doch Antonellis Stil hat nicht nur Vorteile: Mit seinem verkürzten Kurvenradius bringt er sich regelmäßig in die Bredouille. Wer konstant am Limit fährt, überschreitet es auch. Das macht sich an seinen zahlreichen Track-Limit-Verstößen bemerkbar. Wie er das ausbügeln möchte, erfahrt ihr im folgenden Artikel: