Eine strittige Situation zwischen Max Verstappen und Lewis Hamilton und die anschließende Positionsrückgabe sorgten im Nachgang des Formel-1-Rennens in Madrid für Diskussionen: Hat Verstappen dadurch möglicherweise seinen ersten Saisonsieg 2026 verloren? Formel-1-Experte Christian Danner hat dazu eine klare Meinung, sieht das große Problem aber nicht primär in der eigentlichen Entscheidung zur Positionsrückgabe.
"Das Hauptproblem war, dass Red Bull zu lange mit dem Platztausch gewartet hat", meint Danner in der neuesten Bonusfolge des AvD-Motorsport-Magazins. "Verstappen hat dadurch schon ordentlich Zeit verloren, so fünf bis sieben Sekunden schätze ich. Das hätte man schneller regeln müssen, dann hätte das Rennen in der Tat anders ausgesehen."
Zu spät reagiert: Danner kritisiert Red Bulls Timing
Auslöser der Diskussion war das Duell zwischen den alten Rivalen in der ersten Kurve des neuen Madrings: Hamilton erwischte den besseren Start und setzte auf der Innenbahn zum Angriff auf das Führungsduo an. Dabei positionierte er sich weit innen. Verstappen sah die Lücke auf der Außenbahn und stach hinein, musste anschließend jedoch in die Auslaufzone ausweichen, um einen Zusammenstoß zu verhindern. Hamilton bewertete die Situation anders und forderte die Rückgabe der Position.
"Es ist natürlich immer dasselbe. In solchen Situationen gibt es immer einen, der den anderen in diese Situation bringt. Verstappen meint ja höchstpersönlich, er hat nur die Kollision vermieden", erklärt Danner und zeigt durchaus Verständnis für den Niederländer. "Ich bin schon der Meinung, dass Verstappen da ein bisschen Recht hat, denn das war schon ein Krawall von Hamilton. Verstappen hat in der Tat dadurch einen Unfall vermieden."
Entscheidender als die Frage, ob Verstappen die Position überhaupt zurückgeben hätte müssen, war für Danner jedoch der Zeitpunkt der Rückgabe. Als Red Bull Verstappen anwies, Hamilton wieder vorbeizulassen, lag Kimi Antonelli bereits zwischen den beiden. Verstappen musste dadurch nicht nur Hamilton passieren lassen, sondern verlor auch die Position an Antonelli und fiel damit hinter den späteren Rennsieger zurück.
"Den Platz zurückzugeben ist zwar hart, aber wenn das Team keine Entscheidung getroffen hätte, dann wäre es zu den Stewards gekommen und dann ist das Problem natürlich meist ein größeres", ist sich Danner sicher. Statt des Platztauschs hätte Verstappen eine Fünf-Sekunden-Strafe drohen können, die seine Siegchancen ebenfalls erheblich beeinträchtigt hätte.
Damit stand Red Bull vor einer klassischen Risikoabwägung: die Position freiwillig zurückgeben oder darauf hoffen, dass die Stewards das Manöver anders bewerten. "Ob man es auf eine Strafe ankommen lässt, das muss das Team und vor allem die Strategieabteilung entscheiden, gemeinsam mit den Leuten, die sich im Reglement auskennen", erklärt Danner. "Das sind alles Arbeitsabläufe, die da in unglaublich kurzer Zeit passieren und das Team war in der Entscheidung am Ende einfach ein bisschen zu langsam."
Braucht die Formel 1 streckenspezifische Regeln? Danner warnt
Gerade auf dem Madring wog dieser Zeit- und Positionsverlust besonders schwer. Im Rennverlauf zeigte sich, wie entscheidend die Trackposition auf dem neuen Stadtkurs war. Überholen war selbst mit einem deutlich schnelleren Auto nur schwer möglich. "Das hat man ja bei Lando Norris gesehen. Max hat hinterher gelacht und gemeint, er musste nur ein bisschen in der Straßenmitte fahren, um vor Norris zu bleiben", analysiert Danner.
Aufgrund dieser überholfeindlichen Streckencharakteristik stand im AvD-Motorsport-Magazin eine weitere Grundsatzfrage im Raum: Muss das Regelwerk streckenspezifisch angepasst werden? Danner hält davon wenig und warnt sogar vor unterschiedlichen Auslegungen.
"Man kann vom Reglement her keine Extrawürste braten", stellt Danner klar. "Denn dann haben wir auf jeder Strecke einen anderen Fall und dann kommt die Frage: Wer entscheidet das? Was wir haben, ist ein System, dass meiner Ansicht nach natürlich nicht jedem schmeckt, aber insgesamt schon so rund und gut durchdacht ist, dass man es auf jeder Strecke so stehen lassen kann."



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