Die DTM wird immer schneller! Die Fahrer haben in der abgelaufenen Saison 2026 auf vier Rennstrecken GT3-Qualifying-Rekorde aufgestellt und dreimal neue Rundenbestzeiten in den Rennen erzielt. Auf dem Red Bull Ring, am Lausitzring, auf dem Norisring sowie beim Rennwochenende am Nürburgring unterboten die Piloten die bisherigen Bestwerte in den Qualifyings.
Das ist durchaus bemerkenswert, denn: Bereits in der Saison 2025 wurden auf fünf Rennstrecken die vorherigen Qualifying-Rekordzeiten geknackt. Jetzt ging es noch einmal schneller zu in der deutschen Traditionsserie, die seit 2021 unter dem GT3-Reglement startet.
So viel schneller sind die neuen DTM-Reifen von Pirelli
Der größte Anteil an der Performance-Steigerung wird den neuen Pirelli-Reifen zugeschrieben. Seit 2026 kommt in der DTM eine exklusive Mischung zum Einsatz, die der Reifenhersteller aus Italien in keiner anderen GT3-Rennserie auf der Welt nutzt. Im Fokus der Entwicklung standen eine bessere Spitzen-Performance, ein schnellerer Aufwärmprozess (Heizdecken bleiben verboten) sowie ein stärkerer Verschleiß über die Renndistanz.
Mit diesen Zutaten sollten die GT3-Autos in der DTM performanter werden und gleichzeitig die Überholmöglichkeiten in den Rennen durch größere Reifenunterschiede gefördert werden. Ein direkter Vergleich zwischen den Reifen von 2025 und 2026 sei wegen der äußeren Bedingungen schwierig aufzustellen, erklärte Matteo Braga, Circuit Activity Manager bei Pirelli, im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com, bezifferte den Unterschied im Querschnitt der besten Qualifying-Zeiten aber auf 0,5 bis 0,6 Sekunden.

Weitere Faktoren hätten einen Einfluss, führte der Italiener aus: "Eine kürzere Aufwärmphase hilft allen Fahrern und Teams, das richtige Fenster besser zu treffen, um die maximale Performance herauszuholen. Früher hat man bei einer längeren Aufwärmphase ständig versucht, Temperatur in die Reifen zu bekommen. Und wenn man die Temperatur erreicht hatte, war vielleicht der Reifendruck nicht mehr im richtigen Bereich oder die Bedingungen hatten sich verändert."
DTM-Vergleich: Qualifyings 2026 zu vorherigen GT3-Rekorden
| Rennstrecke | Qualifying-Bestzeit 2026 | Bisheriger Qualifying-Rekord | Delta |
|---|---|---|---|
| Red Bull Ring | 1:27.403 (Engel, Mercedes) | 1:27.671 (Rast, BMW, 2023) | 0,268 Sekunden schneller |
| Zandvoort | 1:32.831 (Van der Linde, BMW) | 1:31.762 (Aitken, Ferrari, 2024) | 1,069 Sekunden langsamer |
| Lausitzring | 1:19.463 (Thiim, Aston) | 1:19.827 (Auer, Mercedes, 2025) | 0,364 Sekunden schneller |
| Norisring | 48.449 (Thiim, Aston) | 48.467 (Pepper, Lambo, 2025) | 0,018 Sekunden schneller |
| Oschersleben | 1:21.862 (Preining, Porsche) | 1:21.004 (Auer, Mercedes, 2025) | 0,858 Sekunden langsamer |
| Nürburgring | 1:25.062 (Gounon, Mercedes) | 1:25.118 (Bortolotti, Lambo, 2023) | 0,056 Sekunden schneller |
| Sachsenring | 1:17.627 (Wittmann, BMW) | 1:16.826 (Pepper, Lambo, 2025) | 0,801 Sekunden langsamer |
| Hockenheimring | 1:36.923 (Buus, Porsche) | 1:36.259 (Magnus, Aston, 2025) | 0,664 Sekunden langsamer |
Qualifying-Rekorde: Autos 2026 über drei Zehntel schneller
Ein gutes Vertrauen in die Performance der Reifen bleibt besonders wichtig in der DTM, denn an den Abläufen im Qualifying hat sich seit Pirellis Einstieg im Jahr 2023 nichts geändert: Den Fahrern stehen meist nur zwei bis drei schnelle Runden zur Verfügung, weil die Autos zu mehr als der Hälfte der 20-minütigen Sessions in der Boxengasse stehen, um die Reifen mittels 'Heat Soak' (Reifen über Bremstemperatur aufwärmen) ins optimale Arbeitsfenster zu bringen.
In diesem Jahr machten sich die neuen Pirellis am meisten auf dem Lausitzring bemerkbar: Aston-Martin-Pilot Nicki Thiim unterbot die vorherige Qualifying-Bestzeit (Lucas Auer, 2025) um ganze 0,364 Sekunden. Beim Saisonauftakt am Red Bull Ring war Pole-Setter Maro Engel immerhin 0,268 Sekunden schneller als Rene Rast, der zuvor in der Saison 2023 die Bestmarke aufgestellt hatte. Auf dem kurzen Norisring sowie am Nürburgring waren die Qualifying-Zeiten im Hundertstelbereich schneller.
Dabei spielte nicht allein die Performance der Reifen eine Rolle, sondern auch die äußeren Umstände. "Der neue Reifen ist schneller, weil die Peak-Performance wegen des schnelleren Aufheizens besser ist", sagte Mercedes-AMG-DTM-Projektleiter Thomas Jäger, der anmerkte: "Wir hatten dieses Jahr einige Qualifyings am Morgen, wo die Sonne früh draußen war. Das heißt: Asphalt warm, aber Luft kalt. Das sind natürlich die besten Bedingungen."
Neuer Pirelli-Reifen nicht auf allen Strecken schneller
Auffällig: Bei den Qualifyings in Zandvoort, Oschersleben, am Sachsenring sowie auf dem Hockenheimring waren die Rundenzeiten nicht nur langsamer als 2025, sondern zum Teil deutlich dahinter. Auf dem niederländischen Dünenkurs verfehlte Pole-Setter Kelvin van der Linde den im Jahr 2024 aufgestellten Rekord um 1,069 Sekunden, während die Zeiten in Oschersleben und am Sachsenring rund acht Zehntelsekunden langsamer waren.
Äußere Einflüsse wie Temperaturen und Streckenverhältnisse könnten einen Einfluss gehabt haben, offenbar aber auch das Layout der Strecken. Der neue Pirelli-Reifen reagiert unterschiedlich auf bestimmte Charakteristiken, wie DTM-Champion Thomas Preining feststellte: "Auf Strecken mit harten Bremszonen und viel Längsbeschleunigung ist der neue Reifen um einiges besser. Auf Strecken wie dem Sachsenring, wo es mehr um Querbeschleunigung und lateralen Grip geht, war der alte Reifen besser, glaube ich."

Keine Klagen über Pirelli-Reifen 'Made in Germany'
Im Fahrerlager haben wir keine Klagen über den Pirelli-DTM-Reifen vernommen, der in unveränderter Form höchstwahrscheinlich auch 2027 zum Einsatz kommen wird. Angesichts der ohnehin starken Test-Beschränkungen dürften sich die Teams über eine gewisse Kontinuität sicherlich nicht beschweren. "Momentan sind keine Änderungen für das nächste Jahr geplant", bestätigte Pirelli-Mann Braga. "Ich würde sagen, dass die Teams zufrieden sind, weil sie immer Spielräume finden, um mit der Performance zu arbeiten. Sei es bei der maximalen Performance, der Konstanz oder beim Umgang mit der Laufleistung und dem Reifenverschleiß."
Auch der DTM-Promoter ADAC zeigte sich zufrieden mit dem neuen Pirelli-Produkt, das im hessischen Breuberg produziert wird. "Wichtig ist, dass es spannende Rennen gibt und der Reifen für alle konstant und gleichmäßig ist", sagte ADAC-Motorsportchef Thomas Voss. "Und das hat man sicherlich nicht zuletzt durch 'Made in Germany' geschafft. Deswegen sind wir absolut zufrieden."
Zudem sei laut Voss das Ziel, in der DTM schnellere Rundenzeiten zu fahren als in der eigenen GT3-Rahmenserie ADAC GT Masters, erreicht worden. Hier kommen weiterhin die 2025 eingeführten Pirelli P Zero DHG zum Einsatz, praktisch der weltweit genutzte Standard-GT3-Reifen aus Italien. Wir haben bei den vier gemeinsamen Rennwochenenden 2026 nachgeschaut: Im Schnitt waren die besten Qualifying-Zeiten der DTM rund eine Sekunde schneller als im GT Masters, wo keine Profi-Fahrer zugelassen sind - ein deutlicher Unterschied bei baugleichen Fahrzeugen.
Qualifyings 2026: DTM und ADAC GT Masters im Vergleich
| Rennstrecke | Qualifying-Bestzeit DTM | Qualifying-Bestzeit ADAC GT Masters | Delta |
|---|---|---|---|
| Red Bull Ring | 1:27.403 (Engel, Mercedes) | 1:28.563 (Lambo) | DTM 1,16 Sekunden schneller |
| Zandvoort | 1:32.831 (Van der Linde, BMW) | 1:34.352 (BMW) | DTM 1,521 Sekunden schneller |
| Lausitzring | 1:19.463 (Thiim, Aston) | 1:20.441 (BMW) | DTM 0,978 Sekunden schneller |
| Hockenheimring | 1:36.923 (Buus, Porsche) | 1:37.456 (Lambo) | DTM 0,533 Sekunden schneller |
Dank BoP: DTM-Autos werden immer performanter
Ein weiterer Faktor für die jüngste Rekordjagd der DTM: die Balance of Performance. Die unterschiedlichen Fahrzeugfabrikate wurden zuletzt immer stärker in Richtung der Obergrenze eingestuft. Das sorgt für eine potenziell höhere Motorleistung bei geringerem Gewicht.
Mercedes-AMG-Leiter Jäger dazu: "In der Vergangenheit hat man bei der BoP immer danach geschaut, die Vorderen einzufangen. Jetzt schaut man eher, dass man die anderen heranzieht und die Fahrzeuge ein bisschen mehr als Limit bringt." Das sei laut dem früheren DTM-Piloten der richtige Ansatz, "weil man plötzlich sieht, dass der eine oder andere Hersteller nicht mehr so gut managen kann".
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