Lando Norris kennt den Weg zur DTM bereits. Der heutige Formel-1-Weltmeister fuhr 2015 einige Rennen in der ADAC Formel 4, die damals unter anderem im Rahmenprogramm der deutschen Traditionsserie gastierte. 2027 kehrt der McLaren-Star zurück, diesmal in anderer Form: Sein eigenes Nachwuchsteam namens 'LN4 Fusion' zählt zum Starterfeld der neugegründeten F4 Germany, die nächstes Jahr ihr Debüt geben wird.
Norris' Team ist eines von 13, die sich einen Platz in der deutschen Formel-Nachwuchsserie gesichert haben. Ob der Brite bei den vier Auftritten seines neuen Rennstalls im DTM-Rahmen höchstpersönlich vorbeischaut? "Ich erwarte natürlich, dass er irgendwann kommt", sagte F4-Sportdirektor und Ex-DTM-Fahrer Kris Nissen mit einem Schmunzeln. "Er hat jetzt ein großes Engagement im Formelsport, dann muss er sich auch ein bisschen darum kümmern."
Deutsche Formel 4 mit 36 Autos von sieben Teams im Starterfeld
Die Zeit wird zeigen, ob Mitgründer Norris das Treiben seines Formel-4-Teams auch in Deutschland verfolgen wird. Mit zahlreichen weiteren Programmen bis hoch zur FIA Formel 2 ist sein Team unter der Leitung des früheren Prema-Racing-Chefs Rene Rosin schwer beschäftigt.
Wichtiger aus Sicht des deutschen Formel-4-Veranstalters Gedlich Racing ist das offensichtlich große Interesse der Bewerber. Mit 36 Autos ist die maximale Auslastung des Starterfeldes bereits erreicht. Sogar mehr als 70 Bewerbungen sollen eingegangen sein, doch ein noch größeres Teilnehmerfeld ist mit Auflagen der FIA verbunden, die den Nachwuchssport überwacht.
"Die FIA hat eine Regelung, die besagt, dass maximal 36 Fahrzeuge auf der Strecke sein dürfen", erklärte der frühere VW-Motorsportdirektor Nissen, der von Gedlich für das F4-Projekt verpflichtet worden ist. "In Italien haben sie manchmal auch bis zu 50 Fahrzeuge, aber dann teilen sie die in Gruppen mit A- und B-Finals. Dazu sind wir nicht in der Lage, und wir haben den ADAC auch nicht um mehr Streckenzeit gebeten."
F4 Germany 2027: Rennkalender
| Strecke | Datum | Rahmenprogramm |
|---|---|---|
| Oschersleben | 07.-09. Mai 2027 | DTM |
| Lausitzring | 18.-20. Juni 2027 | DTM |
| Nürburgring | 16.-18. Juli 2026 | ADAC Racing Weekend |
| Red Bull Ring | 30. Juli-01. August 2027 | ADAC Racing Weekend |
| Nürburgring | 20.-22. August 2027 | DTM |
| Sachsenring | 24.-26. September 2027 | DTM |
| Hockenheimring | 01.-03. Oktober 2027 | ADAC Racing Weekend |
F4 Germany 2027 viermal im DTM-Rahmenprogramm
Der Saisonstart erfolgt vom 07.-09. Mai 2027 in Oschersleben gemeinsam mit der DTM. Auch am Lausitzring, auf dem Nürburgring sowie am Sachsenring gesellt sich die F4 Germany dazu. Ein geplantes Gastspiel auf dem Norisring ließ sich nicht realisieren, weil der Nürnberger Stadtkurs derzeit nicht die FIA-Vorgaben für Austragungen von Formel-Rennen erfüllt. Die weiteren der insgesamt sieben Rennwochenenden steigen im Rahmen des ADAC Racing Weekend (Nürburgring, Red Bull Ring, Hockenheim).
Für Prominenz ist nicht nur durch Lando Norris' Rennstall gesorgt: Der frühere Formel-1- und DTM-Teamchef Colin Kolles spannt mit Nachwuchs-Veteran Trevor Carlin zusammen und führt sein Vanwall-Team ins Feld. FS Motorsport um den ehemaligen DTM-Vizemeister Augusto Farfus gesellt sich ebenso hinzu wie das aus der DTM bekannte Team Comtoyou Racing von Francois Verbist. Neben der Kolles-Truppe gehen mit Mathilda Racing, Dutt Motorsport unter der Leitung von Langstreckenpilot Laurents Hörr sowie drive.solutions insgesamt vier Teams aus Deutschland an den Start.


Aus der Schweiz ist das erfahrene Nachwuchsteam Jenzer Motorsport dabei. Van Amersfoort Racing, AS Motorsport, CRAM, PK Carsport und Step Motorsport komplettieren ein buntes Starterfeld aus sieben Nationen. "Ich habe von Anfang an gemerkt, dass sehr viele Teams gerne in Deutschland und auch mal auf der DTM-Bühne fahren würden", erinnerte sich Nissen. "Wir wurden mit dem Projekt mega-positiv empfangen."
Deutsche Traditionsteams wie Mücke Motorsport, US Racing oder Motopark tauchen nicht in der Teilnehmerliste auf, obwohl sie zu Beginn der Einschreibung ihr Interesse bekundet hatten. "Wir hatten viele Anfragen von deutschen Teams, wollten es aber von Anfang an recht international halten", argumentierte Nissen.
F4 Germany: Starterfeld 2027
| Team | Land | Anzahl Autos |
|---|---|---|
| Van Amersfoort Racing | Niederlande | 4 |
| Vanwall F4 Racing | Deutschland | 4 |
| Mathilda Racing | Deutschland | 4 |
| Comtoyou Racing | Belgien | 3 |
| Step Motorsport | Dänemark | 3 |
| LN4 Fusion | Italien | 3 |
| Jenzer Motorsport | Schweiz | 3 |
| CRAM | Italien | 3 |
| PK Carsport | Belgien | 2 |
| Dutt Motorsport | Deutschland | 2 |
| FS Motorsports | Schweiz | 2 |
| AS Motorsport | Tschechien | 2 |
| drive.solutions | Deutschland | 1 |
Nissen: Jetzt ist Formelsport in Deutschland auf hohem Niveau möglich
Auch die Anzahl der heimischen Nachwuchspiloten dürfte im ersten Jahr der F4 Germany überschaubar bleiben, vermuten Motorsport-Insider. Die Hoffnungen beruhen darauf, eine attraktive Bühne zu schaffen, damit aufstrebende Kartfahrer künftig in Deutschland Formelsport betreiben statt nach Italien abzuwandern. "Jetzt ist die Möglichkeit geschaffen, Formelsport in Deutschland auf einem hohen Niveau zu betreiben", sagte Nissen, der mit Blick auf die Nachwuchsförderung die Partner DMSB und den ADAC in die Pflicht nahm.
Die Gründe sind bekannt: Der Formel-Nachwuchssport lag hierzulande in den vergangenen Jahren am Boden und bot keine Möglichkeiten, die meisten Talente entschieden sich für den deutlich kostengünstigeren GT-Sport, obendrein fehlte die Hersteller-Unterstützung aus früheren VW- oder Mercedes-Benz-Zeiten. Die ADAC Formel 4 wurde nach 2022 eingestellt, mit einem gewissen Kimi Antonelli als letztem Meister.

Kosten-Explosion im Formel-Nachwuchssport
Die Kosten im internationalen Formelsport sind längst explodiert, Minderjährige müssen bei einem Großprogramm bestehend aus ein oder zwei Rennserien sowie zig Testtagen ein Millionenbudget mitbringen. Nissen: "Wenn man nur die Rennen und ein paar Testtage fährt, ist es teuer, aber nicht enorm teuer. Leute haben die Teams aber gezwungen, zusätzlich im Winter zu fahren und 30, 40 oder 50 Testtage pro Jahr zu machen. Am Ende landen einige Teams bei bis zu 1,2 Millionen Euro."
Gedlich Racing versucht die Kosten durch Test-Beschränkungen halbwegs im Zaum zu halten. Maximal 20 Tage auf Strecken im Rennkalender sind erlaubt, außerdem sollen Kollektiv-Testfahrten das Budget schonen. Fakt ist aber auch: Das wird einige Piloten nicht davon abhalten, zusätzlich im Ausland zu testen oder weitere Formel-Serien in Europa zu bestreiten, um sich durch die größere Streckenzeit einen Vorteil zu verschaffen.
Davon ging auch Nissen - 1986 Meister in der Formel 3 Deutschland - aus, wenngleich er aus Wettbewerbsgründen vor zu starken Einschränkungen warnte: "Wenn wir in Deutschland sagen würden, dass man nur zehn Testtage hat und nicht außerhalb fahren dürfte, dann hätten wir nicht 36 Autos im Grid. Viele Leute würden sagen, dass sie dann lieber in Italien fahren, weil sie dort mehr Streckenzeit bekommen."
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