Wer dachte, dass die Yamaha-Krise nicht noch schlimmer werden kann, der wurde an diesem Wochenende bei der MotoGP in Spielberg eines Besseren belehrt. Alex Rins, Toprak Razgatlioglu und Jack Miller landeten mit Abstand auf den letzten Rängen im Grand Prix von Österreich. Fabio Quartararo wurde nach starkem Beginn zurückgereicht und kam auf Platz 17 ins Ziel. Einzig VR46-Ducati-Pilot Franco Morbidelli, welcher ohnehin unter ferner liefen unterwegs ist, schob sich als einziger Fahrer eines anderen Herstellers noch zwischen Quartararo und die restlichen Yamaha-Piloten. Solche Ergebnisse sind mittlerweile zum Dauerzustand geworden. Gibt es noch Hoffnung oder ist der Zug endgültig abgefahren?

Analyse schockiert: Fabio Quartararo langsamer als die Moto2

Fabio Quartararo erwischte eigentlich einen guten Start in das MotoGP-Rennen am Sonntag auf dem Red Bull Ring. Nach Kurve eins nahm er auf Position acht die Münzer-Schikane in Angriff und konnte sich auch bis zur Rennhälfte in den Top-Ten halten. Doch dann folgte der große Absturz und Quartararo wurde bis auf Position 17 zurückgereicht, auf welcher er auch ins Ziel kam. Mögliche Gründe für den Einbruch verriet der MotoGP-Star nach dem Rennen: "Ich wusste, dass es ein hartes Wochenende werden würde und versuchte einfach die ersten zehn Runden alles zu geben und Spaß zu haben. Danach bekam ich immer mehr Probleme mit den Reifen und fiel zurück, weil sie bei mir ständig durchdrehten und ich viel Spinning hatte. Meine Runden am Ende waren so schnell wie die von Izan Guevara."

Mit dieser Einschätzung hatte er tragischerweise sogar Recht. Fabio Quarataros letzte Rennrunde lag bei 1:33.386 Minuten. Moto2-Rennsieger Izan Guevara fuhr im Vergleich seine beste Rennrunde mit 1:32.879 Minuten. Dies war zudem nicht die einzige Runde, in der der Pilot aus der mittleren Klasse deutlich schneller war. Fabio Quartararo war dennoch bester Yamaha-Fahrer und konnte das Feld aus der Ferne beobachten. Für seine Markenkollegen war dieses schon lange außer Sichtweite.

Grip-Probleme und durchdrehende Reifen: Rins, Razgatlioglu und Miller nur Statisten im MotoGP-Rennen

Quartararos Teamkollege Alex Rins sowie die beiden Pramac-Piloten Toprak Razgatlioglu und Jack Miller waren von Beginn an hoffnungslos abgeschlagen. Letztgenannter fuhr in den vergangenen Rennen regelmäßige Top-Ten-Resultate ein und war einer der wenigen Lichtblicke im scheiternden Yamaha-Projekt. Jack Miller wurde in den vergangenen Wochen von den Yamaha-Bossen in den höchsten Tönen gelobt. Zu Fabio Quartararo meinten sie sogar, er solle sich an Miller "ein Beispiel nehmen". In Spielberg wäre das wohl ein schlechter Rat gewesen, denn der Pramac-Pilot fuhr dem Feld chancenlos hinterher. Der Australier wurde Stockletzter mit Rundenzeiten zu Rennende, welche nicht annähernd dem Niveau eines erfahrenen MotoGP-Fahrers entsprachen. Seine letzte Rennrunde absolvierte er in 1:40.225 Minuten. Damit war er nicht nur bedeutend langsamer als Moto2 und Moto3, sondern auch als die Qualifying-Zeiten einiger Fahrer aus dem neu eingeführten Harley Davidson Bagger World Cup. Eine schallende Ohrfeige für Fahrer und Team.

Jack Miller fuhr bei der MotoGP in Spielberg chancenlos hinterher.
Jack Miller fuhr in Spielberg chancenlos hinterher, Foto: IMAGO / IBEX.agency

Die von Quartararo angesprochenen Grip-Probleme traten bei Miller noch viel stärker auf. Die Yamaha M1 hatte große Schwierigkeiten mit den hohen Reifenbelastungen in Spielberg zurecht zu kommen und konnte die Motorleistung nicht sauber auf den Asphalt übertragen. "Ab Runde 13 fing der Reifen immer stärker an durchzudrehen", beschreibt Miller. Der Reifengummi war schon nach Rennhälfte komplett abgenutzt, womit der Australier gerade beim Kurveneingang vorsichtig sein musste, damit ihm das Hinterrad nicht ausbricht. Den Zeitenvergleich zum Bagger World Cup sieht der Australier sehr kritisch: "Es ist peinlich 1:38er Zeiten zu fahren. Das sind Bagger-Zeiten, aber ich bin schließlich hier, um meinen Job zu erledigen. Dieser war heute auf Platz 21 ins Ziel zu kommen." Ab der Rennmitte gab es für ihn nur noch ein Ziel: Unbeschadet über die Ziellinie zu kommen.

Yamaha Werksfahrer Alex Rins sah zudem überhaupt keinen Unterschied am MotoGP-Motorrad im Vergleich zum letzten Jahr in Österreich. Ist das überhaupt möglich, wenn man mit einem völlig neu konstruierten Bike und Motor an den Start geht? Nach dem Rennen meinte Rins: "Zum Vorjahr habe ich keinen Unterschied gemerkt. Ich habe das Team gefragt, warum wir mit einem komplett neuen Motorrad genauso große Probleme haben." Ob er eine Antwort darauf erhalten hat, wollte er nicht verraten. Die Vermutung liegt nahe, dass die Ingenieure ihm schlicht keine Rückmeldung dazu geben können.

In der kommenden Saison 2027 stellt sich Yamaha komplett neu auf. Nicht nur das Motorrad wird ein komplett anderes, sondern auch neue Fahrer kommen an Bord. Toprak Razgatlioglu ist der einzige Pilot, welcher Yamaha erhalten bleibt. Mit Jorge Martin bekommt man den womöglich dann amtierenden MotoGP-Weltmeister ins Team. Yamaha hat große Hoffnungen mit den 850ccm-Bikes wieder Anschluss zu finden. Nach dem Rennwochenende in Spielberg fand am Montag noch ein Geheimtest statt, in dem die neuen Prototypen für 2027 getestet wurden. Alle Infos dazu lest ihr im folgenden Artikel:

Jetzt seid ihr gefragt: Kann Yamaha die Entwicklungszeit effektiv nutzen und mit einem neuen Motorrad und Fahrern 2027 wieder den Anschluss finden? Oder scheitert auch dieses Unterfangen? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare!