Am Montag nach dem Österreich-GP absolvierte die MotoGP am Red Bull Ring ihren erst zweiten gemeinschaftlich organisierten Test mit der neuen Motorrad-Generation, die ab 2027 zum Einsatz kommen wird. Der Testtag in Spielberg fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, es waren weder Zuschauer noch Journalisten zugelassen. Einige Infos sickerten am Montag aber trotzdem durch. Motorsport-Magazin.com präsentiert euch in diesem Artikel alles, was wir zum Spielberg-Test mit den 850er-Bikes in Erfahrung bringen konnten.
Welche Fahrer waren im MotoGP-Test in Spielberg im Einsatz?
Weil viele Piloten im kommenden Jahr den Hersteller wechseln, war am Montag nicht jeder MotoGP-Star am Start. Honda, KTM und Aprilia schickten drei Fahrer in den Spielberg-Test, Yamaha vier und KTM sogar gleich fünf. Für Ducati fuhren Marc Marquez, Fermin Aldeguer und Franco Morbidelli. Letzterer ersetzte Nicolo Bulega, der vergangene Woche bei privaten Testfahrten mit dem 850er-Bike in Mugello heftig gestürzt war und mit Blick auf das anstehende Superbike-Event in Cremona freiwillig verzichtete. Aprilia schickte Marco Bezzecchi, Raul Fernandez und Lorenzo Savadori auf die Strecke. Bei Yamaha fuhren Toprak Razgatlioglu, Jack Miller, Augusto Fernandez und der nächstjährige Neuzugang Izan Guevara. Honda setzte auf Johann Zarco, Diogo Moreira und Takaaki Nakagami und KTM war mit Pedro Acosta, Brad Binder, Pol Espargaro und Tech3-Neuling Senna Agius am Start. Fahrer wie Francesco Bagnaia, Fabio Quartararo, Fabio Di Giannantonio oder Jorge Martin durften nicht mitmischen. Mehr Infos dazu in unserem Video:
Etwas überraschend tauchte am Montag auch der Name von Maverick Vinales in der Starterliste auf. Der Spanier verpasste die letzten vier Grands Prix in Silverstone, Aragon, Misano und Spielberg bekanntlich verletzt, war wegen einer neu entdeckten Schulterverletzung zum Zuschauen verdammt. Nun also das Comeback. Vinales testete allem Anschein nach aber nicht mit der neuen 850er-KTM, sondern mit dem aktuellen 1.000er-Bike. Die 2025 eingeführte Testregel für längerfristig verletzte Stammfahrer würde das möglich machen. Durchaus nachvollziehbar, dass Vinales davon Gebrauch gemacht zu haben scheint. Denn so könnte er erstmals seit dem Sachsenring wieder auf einer MotoGP-Maschine Platz genommen und ausgetestet haben, ob seine Schulter für das angestrebte Comeback in Motegi in zwei Wochen (2. bis 4. Oktober) bereit ist.
Wie lange wurde in Spielberg getestet?
Insgesamt acht Stunden wurde am Montag am Red Bull Ring gefahren, aufgeteilt in zwei jeweils vierstündige Sessions. Zunächst wurde Vormittags von 9 bis 13 Uhr getestet und nach einer einstündigen Mittagspause dann nochmal von 14 bis 18 Uhr.
Wie waren die Bedingungen beim Spielberg-Test?
Ähnlich wie am Sonntag zu Ende gegangenen Rennwochenende. Es blieb den gesamten Tag über trocken, die Sonne musste sich morgens aber erst ihren Weg durch die Wolkendecke bahnen. Zum Mittag hin strahlte sie dann recht kräftig, sonderlich warm wurde es aber nie. Gegen 15 Uhr Ortszeit erreichten die Temperaturen mit 17 Grad in der Luft und knapp 20 Grad am Asphalt ihren Höhepunkt. Wahrlich keine idealen Testbedingungen also, aber es hätte so kurz vor dem Herbstbeginn in der Steiermark auch deutlich schlimmer kommen können.

Was wurde in Spielberg getestet?
Im Blickpunkt standen am Montag natürlich die Motorräder der neuen Generation mit 850cc-Motor und beschnittener Aero. Diese konnten von den wenigen Stammfahrern in Spielberg erst zum zweiten Mal ausprobiert werden, nachdem es zuvor nur in Brünn schon einen eintägigen Geheimtest gegeben hatte. Welche Programme Teams und Fahrer abspulten, ist uns nicht bekannt. Klar ist aber, dass sicherlich so viele Runden wie möglich gedreht wurden. Einerseits, um die neuen Motorräder auszutesten. Andererseits aber gewiss auch, um ein Gefühl für die neuen Pirelli-Reifen zu entwickeln, die ab 2027 zum neuen Standard werden. "Der heutige Test stellt einen weiteren wichtigen Schritt bei der Entwicklung unserer Produktreihe für 2027 dar. Die Fahrer konnten Slick-Reifen mit weicher, mittlerer und harter Mischung sowohl vorne als auch hinten testen. Das Feedback fiel insgesamt positiv aus, insbesondere hinsichtlich des Grips und der Stabilität, die unsere Reifen bieten", berichtet Motorradrenndirektor Giorgio Barbier.
Weitere Infos zum Pirelli-Einstieg in die MotoGP gibt es in folgendem Artikel. Barbier hat mit uns exklusiv über Tests, Fahrerfeedback, Reifendruck-Regel und mehr gesprochen:
Welche Rundenzeiten wurden gefahren?
Ein offizielles Test-Ergebnis oder eine offizielle Zeitnehmung gab es am Montag nicht. Beim letzten Geheimtest in Brünn konnten wir dennoch ein inoffizielles Klassement erstellen, weil einige kolportierte Rundenzeiten durchsickerten. Dieses Mal hielten die MotoGP-Teams aber weitestgehend dicht, es drangen zum aktuellen Zeitpunkt kaum Rundenzeiten an die Öffentlichkeit. Laut 'Motorsport.com' soll Diogo Moreira in 1:28.4 Minuten jedoch die schnellste Zeit des Tages gefahren sein, womit er nur eine halbe Sekunde langsamer als Polesitter Martin am Samstagvormittag gewesen wäre.

Gab es irgendwelche Zwischenfälle, Stürze oder Ähnliches?
Nein, uns ist nichts bekannt. Über das tatsächliche Geschehen auf der Strecke wurde am Montag aber ebenfalls dicht gehalten. Durchaus möglich, dass es kleinere Zwischenfälle wie Stürze oder technische Probleme gab, allem Anschein nach scheint aber nichts Größeres passiert zu sein, denn das wäre garantiert an die Öffentlichkeit gedrungen.
Wie geht es nach dem MotoGP-Geheimtest in Spielberg weiter?
Die MotoGP fokussiert sich nun erstmal wieder auf den Endspurt der Saison 2026, tritt in den kommenden Tagen die Reise nach Fernost an. Im Hintergrund werden die Testteams der fünf Hersteller aber aktiv bleiben und weiter an den Motorrädern für 2027 feilen. Zum ersten Mal öffentlich im Einsatz sind diese dann am Dienstag (01.12.) nach dem Saisonfinale in Valencia. Dort werden dann voraussichtlich alle 22 Stammfahrer der neuen Saison am Start sein, sofern kein Hersteller sein Veto einlegt. Dann folgt die Winterpause, ehe Ende Januar und Anfang Februar 2027 die Wintertestfahrten über die Bühne gehen. Vom 5. bis 7. März dann das erste Rennwochenende der neuen Saison in Buriram.
Trotz völlig neuer Motorradgeneration wird es vor Saisonbeginn 2027 in Summe übrigens weniger Testtage als in den vergangenen Jahren geben. Warum dem so ist und warum dies dramatische Folgen haben könnte, verrät euch Markus in diesem Video:



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