Nun also doch! Hatte die MotoGP bis vor wenigen Wochen noch hitzig über die sofortige Einführung privater Testfahrten für verletzte Stammfahrer diskutiert, scheiterte ein entsprechender Antrag Aprilias am Donnerstag vor dem Amerika-GP in Austin am Veto von Honda. Damit schien das Vorhaben vorerst ad acta gelegt, sollte erst zur nächsten Saison 2026 nochmal angegangen werden. Am Montag vor dem Frankreich-Grand-Prix nun aber die Kehrtwende.

In den Vormittagsstunden verschickte die MotoGP nämlich ein geupdatetes Regelwerk, welches schon ab dem Rennwochenende in Le Mans gelten wird. Darin eingeführt: Private Testfahrten für verletzte Stammfahrer wie Weltmeister Jorge Martin, der die gesamte Debatte vor rund zwei Monaten ausgelöst hatte. Nach seinem schweren Sturz am ersten Tag des Sepang-Tests hatte er im Grunde die komplette Saisonvorbereitung verpasste, musste sein Comeback in Katar daraufhin mit lediglich 13 Runden auf der Aprilia RS-GP im Kalenderjahr 2025 in Angriff nehmen. Mehr dazu in unserem Video:

MotoGP-Zoff: Ducati blockiert Jorge-Martin-Test nach Verletzung (06:46 Min.)

So funktioniert die neue MotoGP-Regel für private Tests:

Wie die neue Testregel genau funktioniert? Ganz einfach: Private Testfahrten sind einem Stammfahrer der MotoGP künftig dann erlaubt, wenn er drei oder mehr Events in Folge verpasst hat oder mehr als 45 Tage in Serie nicht an einem MotoGP-Event teilnehmen konnte. An einem Event teilgenommen hat ein Fahrer dann, wenn er "einmal aus der Boxengasse herausgefahren ist". Als Events werden Grand-Prix-Veranstaltungen wie der bevorstehende Frankreich-GP oder offizielle Testfahrten, die länger als nur einen Tag andauern, deklariert - also etwa der Sepang- oder Buriram-Test zu Beginn des Jahres.

Sollte ein solcher Fall eintreten, darf der betroffene Stammfahrer einen eintätigen Privattest auf einem MotoGP-Bike bestreiten, ehe er sein Comeback in der Motorrad-WM gibt. Dabei ist ausdrücklich zu erwähnen, dass dies künftig keine Pflicht sein wird, sondern lediglich eine freiwillige Option für jeden Piloten darstellt. Auch ein Comeback ohne Privattest bleibt also möglich. Sollte sich ein Fahrer jedoch zum privaten Test entscheiden, steht ihm an diesem Tag ein Maximum von drei Reifensätzen zur Verfügung, die vom Gesamtkontingent der Testreifen abgezogen werden. Hersteller in Concession-Rang A bekommen während einer Saison 170 Stück, Rang B 190 Stück, Rang C 220 Stück und Rang D 260 Stück.

Abgehalten werden darf der Privattest nur auf Strecken, auf denen der betroffene Hersteller entsprechend des Concession-Rangs ohnehin erlaubt wäre zu testen oder auf Strecken, auf denen nach dem privaten Test kein MotoGP-Rennen in der laufenden Saison mehr geplant ist. Konstrukteure im Concession-Rang A bis C müssen sich vor Saisonbeginn auf drei Teststrecken festlegen, Concession-Rang D darf auf jeder GP-Strecke testen. Um einen unfairen Vorteil für Letztere zu verhindern, darf ein Privattest auch in ihrem Fall aber nicht innerhalb eines Zeitraums von acht Wochen vor einem Grand Prix auf der entsprechenden Strecke abgehalten werden.

Private Tests für Jorge Martin schon 2025 möglich

Erstmals zur Anwendung könnte die neue MotoGP-Regel schon bald kommen, denn mit Jorge Martin und Miguel Oliveira sind derzeit gleich zwei Stammfahrer verletzt. Ersterer verletzte sich beim Comeback in Katar gleich nochmal schwer, zog sich unter anderem eine Pneumothorax und elf Rippenbrüche zu. Verpasst er nach dem Spanien-GP auch die Events in Le Mans (9. - 11. Mai) und Silverstone (23. - 25. Mai), wäre er laut dem neuen Reglement berechtigt, vor seinem Comeback auf einer der drei ausgewählten Aprilia-Teststrecken zu testen: Jerez, Barcelona oder Misano. Ein Test auf letzteren zwei Strecken müsste jedoch vor Anfang/Mitte Juli abgehalten werden, da dort Anfang/Mitte September noch Grands Prix stattfinden werden.

Für Oliveira könnte die neue Regel dagegen schon etwas zu spät kommen. Der Portugiese verletzte sich im Argentinien-Sprint an der Schulter und verpasste seither die Events in Austin, Katar und Jerez, wäre also bereits berechtigt, einen Privattest abzuhalten. Um 10:30 Uhr kündigte Pramac am Montag jedoch den Comeback-Versuch Oliveiras in Le Mans an und an Dienstag oder Mittwoch noch einen Privattest abzuhalten, ist natürlich ein Ding der Unmöglichkeit. Somit wird Oliveira ohne privaten Test zurückkehren, sollte er am Donnerstag nach dem Medical-Check für 'rennfit' erklärt werden.

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