Thailand, Argentinien, USA und Katar - Die MotoGP begann ihre Saison 2025 auf vier Rennstrecken, die allesamt in den letzten knapp 20 Jahren Teil der Motorrad-Weltmeisterschaft wurden. Erst mit der Rückkehr nach Europa werden seit dem vergangenen Wochenende in Jerez wieder klassischere Rennstrecken befahren. Während der Spanien-Grand-Prix auch gleich einen Zuschauerbestwert verzeichnete und durch tolle Stimmung auf den Tribünen bestach, tauchte allerdings auch ein leidiges Thema der letzten Jahre wieder auf: Die Sicherheit.
Um Sicherheit zu gewähren: Jerez arbeitet an Sturzzonen
Der Circuito de Jerez zählt nämlich zu den kleinsten und engsten Kurven im MotoGP-Rennkalender, kommt ohnehin mit verhältnismäßig kleinen Auslaufzonen und Kiesbetten daher. Und da die Königsklasse in den vergangenen Jahren immer schneller und schneller wurde - zuletzt wurde der Rundenrekord in Jerez mehrere Saisonen in Folge gebrochen - wurden die Sturzzonen inzwischen noch kleiner, womöglich auch zu klein.
Um die Motorrad-WM weiterhin beheimaten zu können, arbeiteten die Streckenbetreiber daher schon längere Zeit an einer Vergrößerung der Auslaufzonen und Kiesbetten. Vor dem Grand-Prix im Jahr 2024 konnte etwa schon der Sturzraum in Kurve eins durch eine veränderte Zuschauersektion vergrößert werden und zum diesjährigen Spanien-GP wurden durch Verschiebung von Tribünen oder Abtragungen von Naturwalls in den Kurven zwei und zehn zusätzlicher Sturzraum geschaffen. Doch gelöst sind damit wahrlich noch nicht alle Probleme.
Alex Rins und Franco Morbidelli stürzen in Jerez schwer
Daran erinnert wurden MotoGP-Fans speziell am Samstagmorgen im 2. Freien Training, als Alex Rins in der schnellen Rechtskurve T4 abflog und nicht nur im Airfence einschlug, sondern sogar kurzzeitig darin verschwand. "Das war wirklich ein unschöner Sturz. Ich habe die Front bei Highspeed verloren und bin durch den Airfence bis an die Wand geschlagen", kommentierte der Yamaha-Pilot später. Im Anschluss sofort zum Check-Up ins Medical Center gebracht, kam er glücklicherweise ohne größere Verletzungen davon.
Weniger Glück hatte Franco Morbidelli, der bereits rund 25 Minuten zuvor an gleicher Stelle zu Sturz gekommen war und ebenfalls im Airfence einschlug, der daraufhin sogar ausgetauscht werden musste. Der Italiener klagte anschließend über starke Schmerzen, musste den Grand Prix am Sonntag mit Schmerzmitteln bestreiten. "Mein Nacken tut weh, meine Arme, meine Hände. Das war ein heftiger Einschlag. Ich bin mit kalten Reifen in Kurve vier eingebogen und habe die Front sofort verloren. Danach bin ich gegen den Zaun geschlagen", berichtete er.
Zwei heftige Stürze, die mit etwas Pech wohl auch deutlich schwerwiegender hätten enden können. "Jerez ist etwas eng geworden bei den Geschwindigkeiten, die wir mit der MotoGP mittlerweile erreicht haben", stellte Morbidelli erneut die Frage nach der Sicherheit der Piloten und auch Rins stimmte zu: "Letztlich werden wir Jahr für Jahr schneller und das macht diese Strecke jedes Mal ein bisschen gefährlicher. Ich habe nach meinem Sturz auch Loris Capirossi [Sicherheitsbeauftragter der MotoGP, Anm.] geschrieben, weil ich wirklich ein bisschen Angst hatte, nachdem ich in den Zaun geraten war. Das war sicher nicht ideal."
Dass Jerez zeitnah aus dem Rennkalender fliegt, will dennoch keiner von beiden. "Ich kenne den Plan, dass sich Jerez Jahr für Jahr verbessern will. Dieses Jahr haben sie schon wirklich gute Arbeit dabei geleistet, den Sturzraum in Kurve eins und zwei zu vergrößern. Nächstes Jahr wollen sie das auch in Kurve vier machen", begründet Rins. "Es wird Jahr für Jahr besser. Natürlich müssen noch einige Stellen angepasst werden, speziell Kurve vier und sieben, aber sie arbeiten daran", stimmt auch Morbidelli zu.
Rätselhafter Morbidelli-Crash im Spanien-GP
Und doch bleiben gewisse Zweifel, ob die MotoGP mit einem Verbleib in Jerez nicht auf das nächste große Unglück wartet. Selbst wenn der Sturzbereich in Kurve vier bis zur nächsten Saison verbessert werden kann, bleiben noch zahlreiche weitere gefährliche Stellen - etwa Kurve elf. Dort erwischte es Morbidelli im Rennen am Sonntag ein zweites Mal schwer. Der Crash wurde von den TV-Kameras nicht eingefangen, weshalb der genaue Unfallhergang nicht rekonstruiert werden kann. Videos aus den Sozialen Netzwerken zeigen den VR46-Piloten jedoch mindestens mal schwer angenockt im Kiesbett liegend, womöglich sogar bewusstlos. Offenkundig musste er per Trage aus der Gefahrenzone gebracht werden, die übliche "Rider OK"-Meldung im Livetiming blieb aus.
Morbidelli selbst konnte sich noch nicht zu diesem Sturz äußern, seine Medienrunde wurde am letzten Sonntag abgesagt. Das Team vermeldete zunächst eine "erhebliche Gehirnerschütterung" beim dreimaligen MotoGP-Sieger, stufte später auf eine "Halswirbelprellung" zurück. Um für das nächste MotoGP-Event in Le Mans (9. - 11. Mai) wieder rechtzeitig fit zu werden, verzichtete Morbidelli dann auch auf eine Teilnahme am Jerez-Test am vergangenen Montag.
Da Promoter Dorna Sports während des Spanien-GPs die Vertragsverlängerung mit Jerez bis einschließlich 2031 verkündete, wird die Rennstrecke zumindest mittelfristig noch Teil der Motorrad-WM bleiben. Was meint ihr: Eine gute Sache oder ist Jerez inzwischen nicht doch zu gefährlich geworden, speziell für MotoGP-Fahrer? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!



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