Am Montag vor dem Frankreich-Grand-Prix überraschte die MotoGP mit einem Update des gültigen Regelwerks der Saison 2025. Unter anderem wurden private Testfahrten für verletzte Stammfahrer wie Jorge Martin mit sofortiger Wirkung erlaubt, um Langzeitverletzten die Rückkehr ins Tagesgeschäft künftig zu erleichtern. Darüber hinaus führte die Königsklasse aber auch noch eine zweite neue Regel ein und reagierte damit auf die Vorkommnisse aus der chaotischen Startphase des Amerika-GPs vor rund fünf Wochen.

MotoGP reagiert auf Austin-Chaos um Marc Marquez

Damals hatte es rund 30 Minuten vor dem Rennstart zu regnen begonnen und fast das gesamte MotoGP-Feld auf Regenreifen gewechselt. Lediglich Brad Binder, Enea Bastianini und Ai Ogura setzten auf Slicks. Da der Regen vor dem Start jedoch stoppte, die Sonne durchblitzte und die Strecke schnell wieder auftrocknete, hatten sie richtig gepokert. Marc Marquez erkannte seine Fehlentscheidung für Regenreifen als Erster und eilte kurz vor Beginn der Aufwärmrunde aus der Startaufstellung in die Boxengasse, um auf das Ersatzbike mit Slicks zu wechseln. Zahlreiche Fahrer wie Francesco Bagnaia und Fabio Di Giannantonio folgten, Maverick Vinales irrte plötzlich sogar ohne Bike in der Startaufstellung umher. Die Rennleitung brach den Start daraufhin ab.

MotoGP-Farce erklärt: Was wollte Marquez? Was sagen die Regeln? (10:13 Min.)

Skurille Minuten, die im Anschluss für hitzige Diskussionen sorgten. Denn Marc Marquez hatte den Startabbruch von Anfang an geplant, um seinen Nachteil der falschen Reifenwahl zu eliminieren. Der Startabbruch erfolgte zwar aus anderen Gründen als von Marquez antizipiert, gerechtfertigt war er aber durchaus. Das Problem: Die Rennleitung verpasste es im Anschluss, Marquez und Co. die gerechtfertigte Strafe in Form einer Durchfahrtsstrafe für den Reifenwechsel in der Boxengasse aufzuerlegen.

Harte Strafen für Fahrer, die Startablauf negativ beeinträchtigen

Nach den Ereignissen des Argentinien-GPs 2018 hatte die MotoGP eigentlich damit schon chaotische Startprozedere unterbinden wollen, offenbar aber ohne Erfolg. Aus diesem Grund wurde vor dem bevorstehenden Frankreich-Grand-Prix (9. - 11. Mai) nun nochmal im Regelwerk nachgebessert. Dort wird ein Fahrer, der den Ablauf des Startprozederes künftig in irgendeiner Form negativ beeinflusst, fortan mit einer doppelten Longlap-Penalty bestraft. Egal ob freiwilliger Start aus der Boxengasse, Abwürgen des Motors in der Startaufstellung oder andere technische Probleme: Ein betroffener Fahrer soll dem MotoGP-Feld künftig aus der Boxengasse in die Aufwärmrunde folgen, dann seine zugeteilte Startposition einnehmen und im Rennen nach Benachrichtigung durch die Rennleitung eine doppelte Longlap-Penalty absolvieren. Zuvor hatte dafür keine Strafe gegeben.

Sollten mehr als zehn Fahrer am Ende der Aufwärmrunde in die Boxengasse kommen und das Rennen von dort starten, wird der Start aus Sicherheitsgründen abgebrochen und per 'Quick-Start-Procedure' neu initiiert. Starten weniger als elf Fahrer aus der Boxengasse, geht es für diese Fahrer mit dem 'Pit-Lane-Race-Start-Protocol' weiter. Sie stellen sich in der Reihenfolge, in der sie ankommen, am Ausgang der Boxengasse auf und werden nach Erlaubnis der Rennleitung ins Rennen geschickt. Die Verwendung von Ride-Height-Devices oder Launch-Control-Elektronik ist hierbei künftig ausdrücklich verboten, eine doppelte Longlap-Penalty bleibt in diesem Fall jedoch aus. Diese gilt nur für Startbeeinträchtigungen vor dem Beginn der Aufwärmrunde. In Falle eines Reifenwechsels nach der Aufwärmrunde gilt weiterhin die Durchfahrtsstrafe, die Marquez und Co. in Austin eigentlich hätten absolvieren müssen.