Wow, was war das für ein verrücktes MotoGP-Rennen in Austin? Wollte die Königsklasse wenige Minuten vor dem Rennstart um 21 Uhr mitteleuropäischer Zeit eigentlich gerade das Intro der Motorrad-WM einspielen, brach in der Startaufstellung zeitgleich das völlige Chaos aus. Hektisch wieder aus dem Intro herausgeschnitten, zeigten die TV-Bilder plötzlich mehrere Fahrer in der Boxengasse zu ihren Ersatzbikes rennend. Eine Dynamik, die völlig aus dem Nichts kam. Denn wenige Augenblicke zuvor hatte noch alles auf einen ganz normalen Rennstart hingedeutet. Wie konnte es dazu kommen?

Die Antwort ist eng mit dem Namen Marc Marquez verbunden. Doch beginnen wir zur Erklärung ganz vorne: Ging das Moto3-Rennen noch im Trockenen über die Bühne, sorgten leichte Regenschauer vor und nach dem Moto2-Rennen für eine nasse Strecke vor dem MotoGP-Rennen. Die Rennleitung deklarierte ein 'Wet-Race', die Mehrheit der Piloten positionierten sich nach der Sichtungsrunde mit Regenreifen im Grid. Einzig Brad Binder, Enea Bastianini und Ai Ogura auf den Plätzen 16 bis 18 ließen von ihren Crewmitgliedern Slicks aufziehen - und landeten damit vermeintlich einen Glücksgriff.

Marc Marquez löst MotoGP-Chaosstart in Austin aus

Denn kurz vor dem Start der Warm-Up-Runde um 21 Uhr MEZ wurde immer klarer, dass die Strecke während der Gridphase schon zu weiten Teilen aufgetrocknet war und die Regenreifen wohl die falsche Wahl darstellten. Daraufhin folgte das Chaos: Marquez reagierte als erster Fahrer auf seine Fehlentscheidung, stürmte vom Grid und rannte zur Ducati-Garage, um auf das Ersatzbike mit Slicks zu wechseln. Francesco Bagnaia und Fabio Di Giannantonio folgten sofort, wenig später noch etliche weitere Piloten. Die totale Hektik brach aus, Maverick Vinales rannte plötzlich sogar ohne Motorrad zurück in die Startaufstellung - woraufhin die Rennleitung die Notbremse zog und mit dem Startabbruch reagierte.

Ein Startabbruch, den Marc Marquez mit seinem Handeln bewusst provoziert hatte. Das gab der MotoGP-Superstar nach Rennende im Interview bei 'After the Flag' auf Nachfrage von MotoGP-Journalist Matt Bird offen und ehrlich zu. "Ich fragte [Marco] Rigamonti, meinen Crewchief, sieben Minuten vor dem Start, ob mein zweites Motorrad fertig wird. Er sagte mir: 'Ja'. Dann sagte ich ihm: 'Vielleicht werde ich die Startaufstellung gleich verlassen'", beschrieb der 32-Jährige die Augenblicke vor dem Start.

MotoGP-Farce erklärt: Was wollte Marquez? Was sagen die Regeln? (10:13 Min.)

Ausgefuchster Marquez verrät: Startabbruch bewusst provoziert

Wieso Marquez dies tun wollte? "Ich sah, dass die Regenreifen nicht die richtige Wahl waren." Wäre er im Grid geblieben, hätte er erst nach Ende der Aufwärmrunde auf Slicks wechseln können, hätte dem Feld dann aber aus der Box hinterherfahren müssen. Daher einen Nachteil gegenüber den Slick-Startern Binder, Bastianini und Ogura fürchtend, enthüllte er seinen Plan: "Ich habe vorhergesehen: Wenn ich gehe, dann werden mir mehr als zehn Fahrer folgen. Dann werden sie das Rennen abbrechen. Und genau das passierte. Wir haben alles gut hinbekommen, das war perfekt."

Eine taktische Meisterleistung also von Marquez, der durch den Startabbruch auf Slicks wechseln und seine Pole Position dennoch behalten konnte. "Ich kenne die Regeln gut und weiß, wie man da immer ans Limit gehen kann", unterstreicht der ausgefuchste MotoGP-Star, der bereits beim Saisonstart in Buriram mit seinen Rechenspielen bei 350 km/h beeindruckt hatte. Bitter nur, dass er sich später selbst um den Lohn seiner Früchte bringen sollte. Ein Sturz in der neunten Runde verhinderte Marquez' dritten Saisonsieg, die weiße Weste im Jahr 2025 war dahin.

Und doch hatte Marquez Glück, dass sein listiger Plan wie erhofft aufging. Wieso er und seine Fluchtkollegen eigentlich mit einer Durchfahrtsstrafe hätten belegt werden müssen, erklärt euch unser Markus hier: