Die einstige MotoGP-Traumehe zwischen Fabio Quartararo und Yamaha kriselt seit längerem, doch geht sie in ihren letzten Zügen scheinbar noch stärker in die Brüche. Nachdem der Franzose zuletzt deutlich von MotoGP-Experten für seine Motivationslosigkeit kritisiert wurde, hat sich nun sogar der Motorsport-Boss der Japaner zu Wort gemeldet. Seine Aussagen über den letzten Weltmeister des eigenen Werks sind bemerkenswert.

Yamahas MotoGP-Boss reagiert auf Fabio Quartararo: Beschwert sich nur!

'El Diablo' hatte sich beim letzten Platz in Aragon sogar noch darüber beschwert, dass er nicht am 850er-Test nach dem Rennen in Spielberg teilnehmen darf. Gegenüber der bekannten französischen Zeitung L’Equipe gab er dann auch zu: "Unsere Beziehung war schon vorher kompliziert geworden, besonders wegen unserer Diskussion, welches Motorrad wird für 2026 nutzen werden." Gemeint ist damit die Entscheidung, vom Reihenmotor auf den neu entwickelten V4 zu wechseln, mit dem Yamaha derzeit noch große Probleme hat. Quartararo hätte den Verbleib beim alten Motorenkonzept bevorzugt.

Quartararo (hier 2025) wäre lieber weiter den Reihenmotor gefahren, Foto: Monster Energy Yamaha MotoGP
Quartararo (hier 2025) wäre lieber weiter den Reihenmotor gefahren, Foto: Monster Energy Yamaha MotoGP

Im gleichen Medium gab es dann aber überraschend eine Antwort aus der Führungsetage an den Champion von 2021. "Fabio beschwert sich regelmäßig darüber, dass wir das Motorrad nicht weiterentwickeln, und wenn wir ihn bitten, neue Teile zu testen, kritisiert er uns dafür und sagt, er würde dabei den Faden verlieren. Es fehlt ihm ein wenig an Objektivität. Natürlich sind wir noch nicht auf dem Niveau, auf dem wir gerne wären. Aber genau wie unsere Konkurrenten versuchen wir, Fortschritte zu machen", äußerte Yamaha-Boss Paolo Pavesio gegenüber L’Equipe.

Paolo Pavesio mit Klartext: Fabio sollte sich Beispiel an Jack nehmen!

Dass Quartararo aufgrund seines bevorstehenden Wechsels zu Honda nicht mehr das 850er-Bike für 2027 testen darf, sieht der Italiener als völlig normalen Vorgang. "Alle Hersteller haben diese Entscheidung getroffen. (Jorge) Martin und (Ai) Ogura werden die Aprilia nicht testen, (Francecso) Bagnaia wird die Ducati nicht testen, (Pedro) Acosta wird die KTM nicht testen, und wir werden (Jack) Miller auch nicht unsere 850er testen lassen", nannte er Beispiele von anderen wechselnden Piloten. Nach dieser Logik fällt dann auch die Fahrerwahl bei Yamaha aus: "Wir werden (Toprak) Razgatlioglu und sicherlich auch (Izan) Guevara für den Test in Österreich einsetzen, da sie nächstes Jahr bei uns fahren werden."

Jack Miller zeigte zuletzt gute Leistungen, Foto: Pramac Racing / Fa. Ro.
Jack Miller zeigte zuletzt gute Leistungen, Foto: Pramac Racing / Fa. Ro.

Im Bezug auf den weiteren genannten Abgang im eigenen Lager nutze Pavesio dann noch die Gelegenheit, um Quartararos Einstellung zu kritisieren: "Fabio sollte sich ein Beispiel an Jack nehmen. Er gibt immer alles und sorgt dafür, dass alle gute Laune behalten, auch wenn es mal schwierig wird." Jack Millers Aus in der Königsklasse steht seit Monaten fest. Dennoch zeigte der Australier zuletzt ansprechende Leistungen und wirkt hochmotiviert. In Aragon war er auf Rang elf der beste Pilot einer M1. Beim Team von Pramac wird sein Abgang auch mit einem weinenden Auge betrachtet, wie Team-Manager Gino Borsoi offen zugab. Fabio Quartararo hingegen wird trotz seiner großen Verdienste im Werksteam wohl kaum mehr nachgetrauert werden.

Nicht nur Quartararo ist ein Ex-Weltmeister in der Krise. Unser Experte Tom Lüthi fand in der neuesten Ausgabe des Interwetten MotoGP-Magazins kaum noch Worte zum derzeitigen Zustand von Francesco Bagnaia. Die aktuelle Folge könnt ihr hier sehen:

Bagnaia am Tiefpunkt - Lüthi: Er braucht Schwung für Aprilia! (33:51 Min.)