Vor einer Woche munkelte das Formel-1-Fahrerlager noch, jetzt ist es hochoffiziell: Gwen Lagrue, der Direktor der Mercedes-Fahrerentwicklung, verlässt die Silberpfeile und wechselt zu Red Bull. Das bestätigten die Bullen am Montagmittag nach dem Ungarn GP. Der Franzose wird als Nachfolger von Dr. Helmut Marko ab 2027 die Leitung der Nachwuchsakademie übernehmen.
"Als einer der angesehensten Talentscouts der Formel 1 wird Gwen das Juniorprogramm von Red Bull leiten und für das Identifizieren, Ausbilden und Weiterentwickeln der nächsten Generation von F1-Talenten verantwortlich sein. Seine Verpflichtung spiegelt Red Bulls Engagement wider, in eine seiner größten Stärken zu investieren: zukünftige F1-Fahrer und Weltmeister zu fördern", ließ das Team wissen.
Lagrue hatte seit 2016 die gleiche Position bei Mercedes inne. So brachte er Fahrer wie George Russell, Esteban Ocon und Reserve-Pilot Fred Vesti hervor. Auch WM-Leader Kimi Antonelli wurde unter seiner Leitung ins Nachwuchsprogramm aufgenommen und bis in die Formel 1 gecoacht. Da er noch einen laufenden Vertrag mit den Silberpfeilen hat, der allmögliche Geheimhaltungsklauseln mit sich bringt, kommt er erst nächstes Jahr nach Milton Keynes. Lagrue ist der erste große Personalgewinn für die Bullen unter Laurent Mekies' Leitung, nachdem die Chefetage in den letzten Monaten immer dünner wurde.
Red Bull will in zukünftige Talente investieren
"Ich kenne seine Expertise, Führungsqualitäten und Leidenschaft, die er für die Entwicklung junger Fahrer mitbringt, aus eigener Erfahrung", so Mekies, dem Lagrue ab nächstem Jahr direkt unterstehen wird. Sie hätten eine etablierte Beziehung und eine gemeinsame Vision, die das nächste Kapitel des Nachwuchsprogramms formen soll. Dass die beiden Franzosen jemals gemeinsam bei einem Team gearbeitet hätten, ist nicht bekannt. Es klingt jedenfalls danach, als wolle Red Bull die Schleudersitz-Kultur, die sich in den letzten Jahren im Nachwuchskader etabliert hat, hinter sich lassen.
"Red Bulls Juniorprogramm ist ein Eckstein unseres Erfolgs. Führungskräfte mit Gwens Kaliber zu verpflichten, ist fundamental, um unsere Ziele zu erreichen. Zusammen werden wir auf einem unglaublich starken Fundament aufbauen, während wir das Programm für die Zukunft weiterentwickeln wollen", führt der Red-Bull-Teamchef weiter und bedankt sich bei Marko für seinen "außergewöhnlichen Beitrag" zur Nachwuchs-Akademie.
Lagrue bezeichnet seine Neuverpflichtung als den Beginn eines "spannenden Kapitels" für ihn. "Nach elf Jahren bei Mercedes fühlt es sich richtig an, eine neue Herausforderung anzunehmen und persönlich sowie professionell zu wachsen. Es ist eine Ehre, so eine talentierte Gruppe von Menschen zu leiten. Zusammen haben wir den einen fantastischen Rahmen, um auf dem herausragenden Vermächtnis des Programms aufzubauen und die nächste Generation von Rennsiegern und Weltmeistern zu fördern, so wie es Red Bull in den letzten 20 Jahren gemacht hat."
Die erfolgreichsten Nachwuchstalente aus der Bullen-Akademie sind der vierfache Weltmeister Sebastian Vettel und der achtfache GP-Sieger Daniel Ricciardo. Max Verstappen wurde erst wenige Tage vor der Bekanntgabe seines Vertrags mit Toro Rosso ins Programm aufgenommen und ist damit nur dem Namen nach Red-Bull-Junior. Aus dem aktiven Formel-1-Feld waren insgesamt sieben Fahrer zu einem Zeitpunkt Teil des Juniorteams. Neben den Piloten der Racing Bulls und des Hauptteams fuhren auch Carlos Sainz, Alex Albon und Pierre Gasly in Dunkelblau.
Mercedes kommt klar: Wolff verabschiedet sich
Mercedes-Teamchef Toto Wolff kommentierte den Abgang seines langjährigen Erfolgs-Scouts mit einem Post in den sozialen Medien. "Danke Gwen. Wir hatten eine großartige Zeit gemeinsam", schrieb er unter einem Bild der beiden. "Zusammen haben wir viele junge Fahrer hervorgebracht, darunter unsere derzeitigen Piloten George und Kimi, und du hast einen fantastischen Beitrag geleistet."
Schon vor einer Woche in Spa bestätigte Wolff, dass es Gespräche über Lagrues Zukunft gebe. Damals sei aber noch nichts entschieden gewesen. Er verriet aber, dass es acht oder neun Leute geben werde, die das Juniorteam leiten würden. "Wir haben eine richtig gute Nachfolge des originalen Nachwuchsteams von Mercedes-Benz geschaffen und du lässt eine talentierte Gruppe zurück. Professionelle Beziehungen gehen vielleicht zu Ende, aber wir werden immer Freude mit einem gemeinsamen Mindset bleiben. Wir wünschen dir alles Gute für deine nächste Challenge", lauteten Wolffs Abschiedsworte.



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