Während Red Bull aktuell den Abgang von Gianpiero Lambiase (Ende 2027) verdauen muss, kommt ein pikantes Detail aus der Vergangenheit ans Licht: Jean Todt hätte beinahe den Formel 1-Rennstall von Dietrich Mateschitz geleitet. Das Angebot liegt zwar viele Jahre zurück, illustriert aber die Ambitionen der Bullen von der ersten Stunde an.

Als der Baumeister der erfolgreichsten Ferrari-Ära 2008 endgültig Arrivederci in Maranello sagte, klopfte kein Geringerer als Dietrich Mateschitz an seine Tür. Seine Offerte: Jean Todt sollte die Gesamtleitung des Formel-1-Teams sowie sämtlicher Motorsport-Aktivitäten von Red Bull übernehmen. "Als ich Ferrari verlassen habe, wollte Mateschitz, dass ich zu Red Bull komme. Er kam sogar zweimal zu mir nach Paris zum Mittagessen", verrät der heute 80-Jährige im High Performance Podcast.

Seine Antwort dürfte Mateschitz nicht gefallen haben. "Ich habe Nein gesagt, weil dieses Kapitel für mich abgeschlossen war", so Todt. "Ich kam von einer ikonischen Marke, mit der ich erfolgreich war. In gewisser Weise hätte ich es nicht besser machen können." Als Todt 1993 bei Ferrari anheuerte, lag der Rennstall in Trümmern. Er erkannte sofort, dass es für die Wende die besten Köpfe der Branche brauchte. Gemeinsam mit Luca di Montezemolo, Ross Brawn und Rory Byrne bildete er jenes legendäre Gespann, das Michael Schumacher zu fünf Fahrertiteln in Serie (2000–2004) gebracht hat.

Marko trauert F1-Meilenstein nach

Ein Meilenstein, der bis heute unerreicht ist - und ein Stachel, der bei Red Bull tief sitzt. "Wir haben uns fünf Titel in Folge als Ziel gesetzt", gesteht Dr. Helmut Marko im Exklusiv-Interview mit Motorsport-Magazin . "Mit Sebastian Vettel hat es nach dem vierten Jahr nicht funktioniert, bei Max Verstappen dachte ich, wir schaffen es. Dass wir es nicht geschafft haben, hat sehr weh getan."

Nach langen Gesprächen einigen sich Formel 1 und FIA auf geänderte Regeln für Energie-Management schon ab Miami, und testen ein Start-System. Das ist neu:

Nach seinem Abschied aus der Teamchef-Rolle suchte Todt 2009 eine neue Herausforderung als FIA-Präsident. Er regierte den Weltverband über drei Amtszeiten hinweg, bevor er das Zepter 2021 an Mohammed bin Sulayem übergab. Heute widmet sich der Franzose Aufgaben fernab des operativen Motorsport-Geschäfts.

"Für mich war es an der Zeit, etwas zurückzugeben", so Todt, der seit 2015 als UN-Sondergesandter für Straßenverkehrssicherheit fungiert. "In einer Welt voller Wettbewerb und Geld vergessen viele Menschen das. Man sollte reisen, Armut sehen, Menschen sehen, die keinen Zugang zu medizinischer Versorgung oder öffentlichem Verkehr haben – und versuchen, ein wenig zu helfen."