Die Formel 1 kehrt zurück in die Türkei! Dieses etwas überraschende Comeback bestätigte die Königsklasse am 24. April. Beginnend mit der Saison 2027 wird der Istanbul Park Circuit wieder einen Grand Prix austragen. Der mehrjährige Deal sticht andere, lautere Kandidaten aus und setzt andere unter Druck.

Die Türkei stand zwar sicherlich auf einer immer länger werdenden Liste an Ländern, welche sich in der jüngeren Vergangenheit um einen Platz im dicht gedrängten Kalender bemühten. Während diverse andere Orte, wie etwa Südafrika oder Thailand, damit regelmäßig medialen Wind versuchten zu erzeugen, flogen die Türkei-Bemühungen unter dem Radar, ehe sie zu Jahresbeginn plötzlich wieder aufpoppten.

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Türkei-Sieg im Rennen um die letzten freien Formel-1-Plätze

Anders als ihre Rivalen hatte die Türkei Erfolg. Sicherlich auch dadurch bedingt, dass sie mit dem Istanbul Park Circuit eine die Formel-1-Vorgaben mit einer Grade-1-Einstufung erfüllende und einsatzbereite Rennstrecke hat. Seit 2005 wurden hier neun Grands Prix ausgetragen. Zuletzt 2020 und 2021.

Diese zwei Rennen waren damals allerdings nicht mehr als Ersatzprogramme in der Coronavirus-Pandemie gewesen. 2021 kam schon nur mehr kurzfristig als Ersatz für den damals abgesagten Singapur-GP in den Kalender. Der neue Deal ist anders: Die Türkei hat einen neuen Vertrag mit fünf Jahren Laufzeit mit der Formel 1 unterschrieben und wird bis mindestens 2031 am Start stehen.

Die Formel 1 2007 in der Türkei
Die Formel 1 hat schon 9 Türkei-GPs gefahren, Foto: IMAGO / Crash Media Group

Für alle anderen, die sich aktuell um einen Grand Prix bemühen, wird der Platz im Kalender nun wieder eng. 2027 und 2028 sind tatsächlich nun schon effektiv voll. 24 Strecken haben gültige Verträge, die Türkei übernimmt den durch das schon lange fixe Aus des Niederlande-GP in Zandvoort freigewordenen 24. Platz. Mehr als 24 Rennen wolle man eigentlich nicht, hieß es in den letzten Jahren vonseiten des kommerziellen Rechteinhabers Liberty Media.

Neulinge müssen sich damit wohl gedulden. Nach 2028 laufen die Verträge von Portugal, Mexiko und Singapur aus. Besonders Portugal und Mexiko sind dann unter Druck, denn sie haben zuletzt schon nur mehr sehr kurze Verträge bekommen. Die Interessenten lassen indessen nicht locker. Südafrika bekräftigte erst gestern sein mittelfristiges Interesse, Sportminister Gayton McKenzie will sich bald zusammen mit Präsident Cyril Ramaphosa mit F1-Vertretern treffen.

Mit der Türkei sind jetzt 19 Plätze bis in die 2030er gebucht. Barcelona und Spa halten einen dieser Slots schon zu zweit im Rotationsprinzip. Dass es bald mehr Rotationen geben wird, ist nicht auszuschließen.

Istanbul ist zurück: Eine echte Rennstrecke im Formel-1-Kalender

Das Comeback der Türkei dürfte dafür im Fahrerlager durchaus positiv wahrgenommen werden. Der Istanbul Park Circuit wurde einst vom berühmten deutschen Streckenarchitekten Hermann Tilke für die Formel 1 designt und ist eine reinrassige Rennstrecke. Beliebt ist Kurve 8, eine ewig lange Vierfach-Links, am Limit in einem Formel-1-Auto durchaus eine Herausforderung.

Die letzten zwei Rennen in der Pandemie wurden von Regen bestimmt. Besonders 2020 blieb in Erinnerung: Vorab hatte man die Strecke neu asphaltiert, was dazu geführt hatte, dass sie im Nassen praktisch null Grip bot. An einem deshalb turbulenten Wochenende holte Lance Stroll die erste Pole seiner Karriere, ehe Lewis Hamilton am Sonntag mit einem Sieg seinen siebten WM-Titel fixierte. 2021, beim bisher letzten Türkei-GP, holte Valtteri Bottas seinen letzten F1-Sieg.

2000er-Callback? Dafür sorgt nicht nur der Türkei-GP. Jean Todt lässt mit ein paar Enthüllungen aus seiner langen Karriere aufhorchen. Unter anderem hat er verraten, dass Red Bull ihn damals noch während der Aufbauphase ins F1-Team holen wollte: