Nach 687 sieglosen Tagen in der Formel 1 durfte Lewis Hamilton in Barcelona endlich wieder jubeln. Bei all den Schlagzeilen rund um den ersten Ferrari-Sieg des Rekordchampions rückte das interne Mercedes-Duell fast schon in den Hintergrund. Doch mit der Entscheidung, George Russell und Kimi Antonelli komplett frei fahren zu lassen, hat sich das Team keinen Gefallen getan.
Entsprechend frustriert fiel auch Toto Wolffs Zusammenfassung des Grand Prix aus: "Scheißrennen." Im Fahrerlager sind viele der Meinung, dass Mercedes Antonelli - der im letzten Stint der deutlich Schnellere von beiden war - per Teamorder an Russell hätte vorbeilotsen müssen, um zumindest eine Chance auf den Rennsieg zu wahren. "Das ist etwas, was sie intern besprechen werden", ist Christian Danner überzeugt.
Dabei geht es laut dem F1-Experten gar nicht darum, eine klare Nummer 1 zu benennen, sondern schlichtweg dafür Sorge zu tragen, dass sich ein Szenario wie in Barcelona-Catalunya nicht wiederholt. "Es geht einfach darum zu sagen - und das wird 100-prozentig kommen -, dass der Schnellere vorbeidarf, wenn er von hinten kommt. Und zwar völlig egal, in welcher Konstellation", erklärte Danner im AvD Motorsport-Magazin.
Falsche Mercedes-Strategie oder doch nicht?
Selbst die Überlegung, mit George Russell auf eine Drei-Stopp-Strategie zu wechseln und Kimi Antonelli auf einer Zwei-Stopp-Strategie zu belassen, hätte für Mercedes - je nach Ausgang - teaminternen Ärger bedeuten können. Letztlich blieb die Mercedes bei beiden Fahrern bei zwei Stopps, während Hamilton auf einem frischen Medium-Reifen sofort massiv Boden gutmachte. Danner macht jedoch auf einen entscheidenden Punkt aufmerksam: "Es macht nur Sinn, eine Strategie zu kopieren, wenn ich darauf vorbereitet bin. Irgendeinen ausgelutschten Gummi zu nehmen, bringt nichts."
Damit spielte der Ex-F1-Pilot auf die Pirelli-Reifensätze an, die den Fahrern für das Rennen noch zur Verfügung standen. Russell hatte zu diesem Zeitpunkt nur noch zwei neue Sätze der harten Mischung und einen neuen Satz Mediums übrig. Letzteren hatte er allerdings schon beim Start aufgezogen, während Lewis Hamilton auf dem Soft startete und sich so einen frischen Medium-Satz für das Rennen aufsparte.
| Fahrer | Hard (neu / gebraucht) | Medium (neu / gebraucht) | Soft (neu / gebraucht) |
| George Russell | 2 / 0 | 1 / 0 | 6 / 0 |
| Kimi Antonelli | 2 / 0 | 1 / 0 | 6 / 0 |
| Lewis Hamilton | 2 / 0 | 1 / 0 | 6 / 0 |
Hamilton als ernstzunehmender WM-Gegner
Vor dem Österreich GP, dem Heimrennen von Mercedes-Teamchef Toto Wolff, führt Antonelli die Fahrerwertung mit 41 Punkten Vorsprung an. Zu seinem härtesten Verfolger hat sich mittlerweile Lewis Hamilton gemausert. "Auf jeden Fall [besteht die Möglichkeit]. Wenn dich ein DNF 25 Punkte kostet, dann ist alles wieder offen", rechnete Wolff seinem Ex-Fahrer handfeste Titelchancen aus. Danner sieht in Wolffs Aussagen durchaus strategische Politik involviert.
Allerdings sei es nicht von der Hand zu weisen, dass sich Mercedes im Vergleich zum Saisonbeginn in einer völlig veränderten Ausgangslage befindet. "Man ist bei Mercedes im Moment nicht mehr in der Situation, einfach vorne wegzufahren und die Jungs machen zu lassen. Ferrari, im Speziellen Lewis, ist dran. Und zwar so nah dran, dass jeder kleine Konflikt, der die beiden Mercedes Zeit kostet, dazu führen kann, dass man den Sieg verschenkt. Das ist natürlich eine fundamentale Änderung in der motorsportlichen Großwetterlage", bilanziert Danner.



diese Formel 1 Nachricht