Fünf Jahre lang jagte Lewis Hamilton im Mercedes dem lange ersehnten achten WM-Titel in der Formel 1 nach. Ohne Erfolg! Doch erst jetzt bei Ferrari könnte die Chance für den Rekord-Champion tatsächlich da sein. Zumindest wenn es nach Mercedes geht, denn dort sieht man in dem Ex-Fahrer nach seinem Sieg in Barcelona einen veritablen Titelkonkurrenten.

"Auf jeden Fall [besteht die Möglichkeit]", gab sich Teamchef Toto Wolff überzeugt. "Wir sind noch so früh in der Saison und der Unterschied beträgt 41 Punkte. Wenn dich ein DNF 25 Punkte kostet, dann ist alles wieder offen", rechnete der Österreicher nach dem Rennsonntag in Barcelona vor. Nach zwei Mercedes-Defekten innerhalb von drei Rennen eine nachvollziehbare Sorge.

Diese teilt nicht nur Wolff. Auch WM-Leader Andrea Kimi Antonelli sieht den Ferrari-Fahrer als Gefahr. Seiner Ansicht nach war die Scuderia auch schon vor dem Rennen Teil des Titelrennens. "Sie waren immer mit dabei und sie waren immer sehr stark. Eine ihrer Stärken ist die Zuverlässigkeit und dann sind sie natürlich eine Gefahr, wenn sie Vorstellungen wie heute abliefern", sagte er in Barcelona.

Tatsächlich ist Ferrari vor allem mit einer sehr gut aussortierten Power Unit in die neue Regelgeneration gestartet. Dieser fehlt es zwar an Leistung, aber sie hatte bislang so gut wie keine Defekte zu verzeichnen. Die einzigen Ausfälle in diesem Jahr kamen bei Charles Leclerc in Spanien in Form eines Hydraulik-Problems und eine Woche zuvor in Monaco, entweder aufgrund der Bremse oder aufgrund des kaputten Asphalts – ein Streitfall zwischen Leclerc und Brembo.

Der Mercedes-Motor hingegen wird seit Monaten regelmäßig zum Problemfall und das sowohl im Werksteam als auch bei den Kunden. Vor allem die Batterie erwies sich als anfällig. Diese war für den Ausfall von Russell in Kanada verantwortlich und steht im Verdacht, auch das DNF von Antonelli am vergangenen Wochenende verursacht zu haben.

Toto Wolff fürchtet WM-Kampf: "Schwierig, den Hamilton-Zug zu stoppen"

So sehr Toto Wolff am Sonntag Lewis Hamilton für dessen ersten Sieg in Rot gratulierte, umso mehr fürchtet er aber auch einen WM-Kampf gegen seinen Ex-Piloten. Denn Wolff hat Erfahrung damit, wie beflügelnd sich dieser Anreiz auf den sechsfachen Mercedes-Champion auswirken kann: "Ich würde lieber nicht mit ihm kämpfen, denn ich weiß, wozu er in der Lage ist. Wenn er einmal Blut geleckt hat, dann legt er los."

"Ich habe das schon viele Jahre gesehen, in denen dieser Lewis-Hamilton-Zug plötzlich losgerollt ist und dann ist es sehr schwierig, ihn zu stoppen", sagte Wolff weiter. Und Blut geleckt hat Hamilton auf jeden Fall, denn in der Pressekonferenz nach seinem ersten Ferrari-Sieg zeigte er sich sehr hoffnungsvoll, dass Ferrari weiter zu Mercedes aufholen kann.

Paradoxerweise war es allerdings George Russell, der Skepsis an den Titelchancen von Lewis Hamilton anmeldete. Also jener Fahrer, der aktuell hinter Hamilton in der WM liegt. Er machte in Ferrari zwar auch eine Gefahr aus, verwies aber auf die weitreichenden Upgrades, welche die Scuderia auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya an die Strecke gebracht hatte. Diese umfassten alles von der Nase über diverse Unterboden-Elemente bis hin zur Motorabdeckung und dem Diffuser.

Russell erklärte: "Die Entwicklungskurve ist im Moment bei allen Teams sehr steil. Derjenige, der die Upgrades als Erstes bringt, wird einen Schritt nach vorne machen. Das haben wir schon mit McLaren in Miami gesehen, als sie ein sehr starkes Wochenende hatten." In der Folge fielen die amtierenden Formel-1-Weltmeister aber wieder zurück, nachdem Mercedes seine ersten größeren Updates ans Auto schraubte. Ob sich bei Ferrari dieses Szenario wiederholt, sei abzuwarten: "Wir müssen sehen, wie sich das im Laufe der nächsten Rennen entwickelt."

Wohnwagen-Trick beflügelt Hamilton! Pannenserie plagt Mercedes (01:08:53)