Die 10-Sekunden-Strafe, die dem WM-Führenden Oscar Piastri wohl den Sieg in Silverstone gekostet hat, bewegt auch noch Tage nach dem Großbritannien-GP die Gemüter. Der McLaren-Pilot sah sich nach dem Rennen um den Sieg betrogen - zurecht wie F1-Experte Christian Danner findet.

Im AvD Motorsport-Magazin sieht er Piastri zu Unrecht bestraft und lässt kein gutes Haar an den Regelhütern der Königsklasse. "Die Strafe war ganz klar nicht gerechtfertigt", stellte der ehemalige Formel-1-Pilot klar. Danner stießen vor allem zwei Sachen bitter auf. "Erstens hat die Rennleitung ein bisschen hopplahopp und schnell entschieden und zweitens haben auch die Stewards für meinen Geschmack viel zu schnell entschieden."

Nur acht Minuten dauerte es, bis die Entscheidung der Stewards feststand und Piastri zehn Strafsekunden und zwei Strafpunkte aufgebrummt bekam. " Der 24-Jährige konnte sich in der Folge nicht mehr weit genug von McLaren-Teamkollege Lando Norris lösen und verlor beim Boxenstopp die Führung an ihn. "Hinter dem Safety-Car zu fahren ist grundsätzlich nicht leicht, denn man versucht immer die Reifen und Bremsen auf Temperatur zu halten. Bei schlechten Witterungsbedingungen ist das umso schwieriger", verteidigte Danner das Verhalten von Piastri.

Piastri-Bremsmanöver für Danner nichts Ungewöhnliches

Oscar Piastri (McLaren) führt vor Max Verstappen (Red Bull) hinter dem Safety Car das Rennen an
Insbesondere bei Regen ist das Aufwärmen der Reifen eine Herausforderung, so Danner, Foto: IMAGO / NurPhoto

Anders als bei den Sessions am Freitag und Samstag sahen sich die Piloten am Rennsonntag erstmals mit starkem Regen konfrontiert. "Die Reifen bekommen einen Großteil ihrer Temperatur nicht durch das Zickzackfahren, sondern durch die Bremsscheiben", erklärte der F1-Experte. Deshalb seien harte Bremsmanöver notwendig, um Temperatur in die Bremsen zu bekommen, die zuerst die Felgen und darüber die Reifen anwärmen. "Das ist genau das, was alle bei den Bedingungen machen mussten."

So weit, so gut. In Runde 21 kam in der Chapel-Kurve, zum fast letztmöglichen Zeitpunkt, kam die Information für das Ende der Safety-Car-Phase. Beim vorherigen SC-Ende in Runde 17 wusste Piastri mehrere Kurven früher Bescheid. Danner sieht die späte Reaktion der Rennleitung hauptverantwortlich für das harte Bremsmanöver von Piastri. "Er hat, und das kann man auf seiner Onboard ganz gut erkennen, eigentlich das gemacht, was er immer gemacht hat. Und während er das gemacht hat, gingen am Safety Car die Lichter aus.“

Danner: Verstappen begeht "Unsitte" der Formel 1

Polesetter Max Verstappen im Red Bull vor Oscar Piastri im McLaren
Danner zufolge wusste Max Verstappen, genau was er macht, Foto: Getty Images / Red Bull Content Pool

Das Bremsmanöver von Oscar Piastri ist nur ein Teil der Geschichte. Nicht zu vernachlässigen ist das Ausweichen von Max Verstappen, der kurzzeitig sogar den McLaren überholt hatte und sich am Funk beschwerte. Für Danner war das ein rein taktisches Verhalten: "Jetzt kommt natürlich unser Freund Verstappen wieder dazu, der ganz genau wusste, was der Piastri macht."

Danner zufolge hat der Red-Bull-Pilot mit dem Anschwärzen am Funk sein Übriges zur Bestrafung beigetragen. "Das ist in der Formel 1 eine Unsitte, dass man versucht, durch eigene Aktion den Gegner schlecht ausschauen zu lassen", kritisierte Danner das Verhalten von Verstappen und schlägt sich ganz klar auf die Seite von Piastri.

"Wie will ich denn Temperatur in die Bremsanlage kriegen? Indem ich sie streichle oder indem ich wirklich bremse? Dass ihm dann [der Sieg; d. Red.] durch einen völlig normalen Vorgang, fast einen Automatismus, genommen wird - da verstehe ich schon, dass er sauer ist."

Sauer sind auch manche Formel-1-Fans über den erst veröffentlichten F1-Film. Schadet der Film der Königsklasse? Wir haben diskutiert:

Die Kunst des Crashens! Schadet der F1-Film dem Sport? (27:29 Min.)