In einem teils chaotischen und wilden Rennverlauf beim zweiten DTM-Rennwochenende in Zandvoort nutzte Pole-Mann Kelvin van der Linde einen Reifenvorteil zum überlegenen Sieg am Sonntag. Unterdessen eroberte Maro Engel mit Platz vier die Tabellenführung von Markenkollege Lucas Auer (P13) zurück.
Die vielen tausend Fans (insgesamt 39.500 am Wochenende), die trotz sommerlicher Temperaturen auf einen Sprung in die noch kühle Nordsee verzichteten, brauchten ihre Entscheidung nicht zu bereuen.
Denn das vierte Saisonrennen auf dem 4,259 km langen Circuit Zandvoort, der seit 2020 wieder im Kalender der Formel-1-WM steht, war bis zum Fallen der Zielflagge kurzweilig und ließ - im Gegensatz zum ersten und eher langweiligen Rennen am Samstag - wohl keine Wünsche offen.
Dabei spielten heute auch die taktischen Möglichkeiten eine größere Rolle, weil die Teams zwei statt wie im gestrigen Rennen nur einen Pflichtstopp absolvieren mussten.
Kelvin van der Linde gewinnt DTM-Sonntagsrennen in Zandvoort
Von Beginn an nutzte Kelvin van der Linde mit dem Schubert-BMW M4 GT3 wie erwartet den besten Startplatz, um seine hervorragende Ausgangsposition zu verteidigen. Mit Verfolger Thierry Vermeulen hatte der Südafrikaner allerdings einen hartnäckigen Konkurrenten, der das klare Ziel vor Augen hatte, von Startplatz zwei aus sein "Heimspiel" mit dem Ferrari 296 GT3 Evo des Schweizer Teams Emil Frey Racing zu gewinnen.
Nach einem Fehler des BMW-Werksfahrers jubelten die holländischen Fans bereits, als hätte Vermeulen das Rennen gewonnen. Mitnichten, denn der Niederländer hatte lediglich die Führung übernommen, was zu diesem frühen Zeitpunkt keine Rolle spielte, aber für Stimmung auf den Tribünen und in den Dünen sorgte.
Für "KvdL" war der Führungswechsel überhaupt kein Problem, denn er hatte einen entscheidenden Joker in der Hinterhand, wie er später bei seiner Analyse am ProSieben-Mikrofon auch betonte: "Ich wusste ja, dass wir den neuen Reifen zum Schluss haben", freute sich der Schubert-Pilot über den großen Vorteil, der seinem vorzeitigen Aus im ersten Qualifying geschuldet war, als er wegen Ölverlust keine einzige gezeitete Runde fahren konnte.
Am Funk löste sich nach dem Rennen die Verkrampfung, als van der Linde noch im Auto sitzend schrie: "Endlich ist es so gelaufen, wie ich es mir gewünscht habe. Wow, es war völlig verrückt." Denn durch sein Pech im Qualifying konnte er sich praktisch einen Reifensatz aufsparen, der nun im zweiten Rennen zum Einsatz kam und der auch für die gewünschte Performance, aber keine Sicherheit sorgte, wie van der Linde ehrlich zugab: "Mein Herz ist fast stehen geblieben nach einem Rutscher da draußen. Ich hatte einen kurzen Moment vor der letzten Kurve, da dachte ich, das Rennen ist vorbei."
DTM Punktestand: DTM Gesamtwertung 2026 als Tabelle
Erstes DTM-Podest für McLaren-Youngster Dörr
War es aber nicht, aber seine Sinne wohl geschärft, denn bis ins Ziel ließ der gestrige Pechvogel nichts mehr anbrennen und setzte sich souverän mit deutlichem Vorsprung von 6,377 Sekunden gegenüber Ben Dörr im McLaren von Teambesitzer Rainer Dörr durch. Sein Sohn bescherte dem Team Dörr Motorsport das erste DTM-Podium überhaupt, denn ebenfalls P2 wurde der Mannschaft aus Frankfurt im vergangenen Jahr am Sachsenring nachträglich aberkannt.
Nicht nur für van der Linde war es "ein mega Teamergebnis", denn Schubert-Kollege Marco Wittmann setzte sich in einem harten Zweikampf mit Maro Engel (Winward-Mercedes) um den vierten Platz mit 0,464 Sekunden Vorsprung durch und sorgte damit für ein Doppelpodium des Teams aus Oschersleben.
Wie gestern Cairoli, gelang auch van der Linde heute als erst zweitem Fahrer in den ersten vier Rennen das Kunststück, die Maximalpunktzahl 28 für die Pole (drei Zähler) und den Sieg (25) einzufahren. Für Kelvin van der Linde war es der insgesamt neunte und für Schubert Motorsport bereits der zwölfte DTM-Erfolg in der Historie der Traditionsrennserie. Damit verbesserte sich "KvdL" auf Rang sieben der aktuellen Gesamtwertung.
Gebrauchter Tag für Lucas Auer
Für Tabellenführer Lucas Auer war es nach eigenem Bekunden ein "gebrauchter Tag", denn er drehte sich mit seinem Winward-Mercedes-AMG nach einer von Nicki Thiim verursachten Kollision und fiel bis ans Ende des Feldes zurück. Von dort aus sicherte sich der Österreicher immerhin noch drei Punkte für Rang 13, trotzdem ist Auer jetzt wieder Jäger von Engel, der mit insgesamt 67 Punkten sechs Zähler von seinem Markenkollegen (61) liegt. Der 24h-Nürburgring-Gewinner beklagte einen streikenden Schlagschrauber beim Pflichtboxenstopp, der ein mögliches Podium verhinderte.
Dagegen konnte sich der zweifache DTM-Champion Wittmann auf Gesamtrang drei (52), sechs Zähler vor Thomas Preining (46), verbessern. Der Österreicher dürfte mit den Rängen sieben und acht ebenso wenig zufrieden gewesen sein, wie Samstagsieger Matteo Cairoli, der sich auch für den Sonntag viel vorgenommen hatte, aber mit den 20 kg Zusatzgewicht für seinen ersten DTM-Sieg reglementbedingt "bestraft" wurde, in der Tabelle auf Platz fünf (43) zurückfiel und nur noch einen Punkt vor Dörr (42) liegt.
Trotz Kaiserwetter herrschte nicht bei allen Teams eitel Sonnenschein. Vor allem die Zugestände für die beiden Lamborghini-Teams Abt und GRT, die nun außerhalb der Homologation mit einer veränderten Flügeleinstellung fahren dürfen und an deren Entscheidung die anderen Hersteller nicht beteiligt waren, sowie die Überlegenheit von Ferrari am Samstag und BMW am Sonntag trübte insgesamt das Geschehen am Pfingstwochenende.
Die Aufarbeitung der getroffenen und umstrittenen Maßnahmen dürfte für weiteren Gesprächsstoff bis zum dritten Event am 20./21.06. auf dem Lausitzring sorgen.



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