Der Auftritt von Pierre Gasly zählte nach dem Formel-1-Rennen in Silverstone nicht zu den großen Schlagzeilen. Vielmehr dominierte das erste F1-Podium von Nico Hülkenberg die Gazetten, genauso wie die umstrittene Strafe gegen Oscar Piastri und daraus folgend der erste Heimsieg von Lando Norris. Der sechste Platz von Gasly war da nur eine Randnotiz.

Dabei hatte der Franzose zuvor das beste Alpine-Ergebnis der laufenden F1-Saison eingefahren und möglicherweise sogar eine bessere Wochenende-Leistung abgeliefert als der viel umjubelte 'Hülk'. In einem Auto, in dem seiner eigenen Ansicht nach ein knapper Q2-Einzug das höchste der Gefühle hätte sein sollen, kämpfte Gasly mit Fahrern wie Lewis Hamilton oder Max Verstappen. Die Grundlage dafür schaffte er mit einem unerwarteten Q3-Einzug am Samstag.

Pierre Gasly: Hätte sich vor Silverstone niemand vorgestellt

"Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Denn zu Beginn des Wochenendes hätte sich niemand vorgestellt, dass wir uns in so einer Position befinden würden", staunte Gasly nach dem Rennen. Und das nicht nur, nachdem zahlreiche Fahrer die Einführungsrunde für einen letztendlich ertraglosen Reifenwechsel auf Slicks genutzt hatten. In der ersten Runde ging es durch ein erfolgreiches Manöver gegen Alonso noch weiter nach vorne, sodass Gasly zwischenzeitlich auf der fünften Position lag.

Dass er nach einem schnelleren Boxenstopp und einem Fehler von Max Verstappen auch die zwei erfolgreichsten Fahrer des Sportes hinter sich hatte, machte Gasly sprachlos: "An einem Punkt fragte ich mich, was zum Teufel in meinem Rennen los war." Von Dauer war das natürlich nicht. Je trockener die Strecke wurde, desto mehr zeigten sich die Probleme des Alpine in Silverstone wieder. Schnelle Kurven liegen dem Boliden aus Enstone überhaupt nicht – ein schlechtes Rezept für den Highspeed-lastigen Traditionskurs.

P6 in Silverstone genauso gut wie Brasilien-Podium 2024

"Wir wussten, dass es im Trockenen schwierig werden würde", war Gasly wenig überrascht. "Aber ich denke wir haben das Beste aus den Bedingungen gemacht und es war nicht einfach. Es gab viele Fallen, die wir alle vermeiden konnten. Am Ende ist es ein so ziemlich perfekter Tag für uns." Der einzige kleine Strategie-Fehlgriff bestand wohl darin, dass der einmalige Grand-Prix-Sieger den ersten Stopp erst mit den anderen Führungspiloten in Runde 11 durchzog und nicht ein bis zwei Umläufe früher. Das erlaubte nämlich Nico Hülkenberg und Lance Stroll einen Undercut.

Gaslys gute Laune verdarb das nicht. Erst recht nicht, nachdem er Stroll auf der letzten Runde noch überholen konnte und somit P6 klarmachte. Er stellte das Ergebnis sogar auf eine Stufe mit dem Doppelpodium von ihm und seinem damaligen Formel-1-Teamkollegen Esteban Ocon in Brasilien 2024. "Ich habe das Gefühl, dass wir uns in diesem Jahr in einer schlechteren Position befinden. Die anderen haben ein besseres Paket. Deshalb ist P6 wahrscheinlich genauso gut", so Gasly.

Alpine: Horror-Wochenende für Franco Colapinto

Während der 165-fache Grand-Prix-Starter in Silverstone jubeln konnte, wurde das Großbritannien-Wochenende für seinen Rookie-Teamkollegen Franco Colapinto zur Katastrophe. Im Qualifying erlitt er schon in Q1 einen selbst verschuldeten Unfall. Am Rennen konnte er erst gar nicht teilnehmen.

Nachdem Colapinto die Einführungsrunde erfolgreich absolviert hatte, und an die Box zurückgekehrt war, ließ sich sein Auto nicht mehr in Gang setzen. Ein Problem mit dem Antrieb, wie nach einer Untersuchung festgestellt wurde. Colapinto betrauerte das sehr: "Wenn man sich ansieht, dass auch Hülkenberg vorne dabei war, der von ganz hinten gestartet ist, dann denke ich, dass wir eine gute Chance gehabt hätten."

Hülkenberg-Sensation! Wurde Piastri der F1-Sieg gestohlen? (09:52 Min.)