Die Formel 1 wird heute in Abu Dhabi ein äußerst ungewöhnliches 1. Freies Training erleben. Denn 9 der 20 Stammpiloten werden nicht in ihren Autos sitzen. Stattdessen müssen sie einer großen Auswahl an Piloten ohne F1-Erfahrung ihre Plätze abtreten, um eine Vorgabe des Sportlichen Reglements zu erfüllen. Motorsport-Magazin.com fasst die Gaststarter zusammen.

Zuerst aber schnell zum Grund für den Rookie-Aufmarsch: Den findet man in Paragraf 32.4 c) des Sportlichen Reglements der Formel 1. Jedes Team muss pro Jahr zweimal pro Auto - viermal insgesamt - Stammfahrer durch Rookies ersetzen. "Rookie" definiert das Reglement zum Zweck dieser Angelegenheit als einen Fahrer, der maximal zwei Formel-1-Rennen gestartet hat.

So sparen sich übrigens Teams mit Neueinsteigern zu Saisonbeginn diese Trainings. Sauber, die Racing Bulls und Mercedes konnten die ersten regulären Trainings ihrer diesjährigen Neueinsteiger Gabriel Bortoleto, Isack Hadjar und Kimi Antonelli geltend machen.

Formel 1 spart Rookie-Trainings bis zum Schluss, Abu Dhabi perfekt

Üblicherweise nutzen Teams nur eine Handvoll Strecken für diese Rookie-Trainings. Stadtkurse und Sprintrennen sind ungeliebt, dafür ist Abu Dhabi besonders populär. Vor dem Hintergrund, dass das Rennen hier bei Sonnenuntergang stattfindet, FP1 aber am Nachmittag. Die viel zu hohen Temperaturen bedeuten, dass der Mehrwert der gesammelten Daten recht gering ist. Also können es sich Stammfahrer leisten, die ersten 60 Minuten auszusitzen.

Das führt alles dazu, dass neun Stammfahrer in Abu Dhabi das 1. Freie Training auslassen müssen und erst im 2. Freien Training loslegen. Nur zwei Formel-1-Teams hatten die Rookie-Pflichten schon vor Abu Dhabi komplett abgeleistet. Aston Martin befindet sich sogar in der ungewöhnlichen Situation, dass man in beiden Autos noch Rookies einsetzen muss. Die komplette Liste für das 1. Freie Training lautet wie folgt:

TeamFahrerstatt
McLarenPato O'WardOscar Piastri
FerrariArthur LeclercLewis Hamilton
Red BullArvid LindbladYuki Tsunoda
Aston MartinCian ShieldsFernando Alonso
Aston MartinJak CrawfordLance Stroll
AlpinePaul AronPierre Gasly
HaasRyo HirakawaEsteban Ocon
Racing BullsAyumu IwasaLiam Lawson
WilliamsLuke BrowningAlex Albon

Ferrari setzt zum zweiten Mal nach 2024 Arthur Leclerc in Abu Dhabi ins Auto. Schon vor einem Jahr hatte die Scuderia so ein besonderes Doppel orchestriert, und auch 2025 wird Leclerc mit seinem großen Bruder Charles gleichzeitig auf die Strecke gehen. Arthurs Karriere beeindruckt allerdings weniger als die von Charles. Seine Formelsport-Träume begrub er nach einer schwachen F2-Saison 2023. Inzwischen fährt er GT-Rennen, bei Ferrari ist er aber noch Simulatorfahrer.

Oscar Piastri muss in Abu Dhabi Pato O'Ward ins Auto lassen. Den Begriff "Rookie" strapaziert man etwas, wenn man von O'Ward spricht. Der 26-jährige Mexikaner ist einer von McLarens IndyCar-Stammpiloten, amtierender IndyCar-Vizemeister, und hegt eigentlich keine F1-Ambitionen mehr, erfüllt aber die Vorgaben des Reglements. Seit 2022 erhält er immer wieder FP1- und Test-Chancen als Nebenjob.

Ein drittes Mal sitzt bei Red Bull Arvid Lindblad im diesjährigen Auto. Dass der 18-jährige Brite nächstes Jahr Stammpilot im Racing Bull werden wird, wurde vor wenigen Tagen bestätigt. Lindblad wurde von Red Bull im Eilverfahren durch die kleineren Klassen gepeitscht - seinen ersten FP1-Auftritt absolvierte er in Silverstone noch vor seinem 18. Geburtstag.

Aston Martin muss gleich beide Stammfahrer in Abu Dhabi für FP1 austauschen. Jak Crawford fährt zum zweiten Mal, er ist aktuell auf Kurs zum F2-Vizetitel. Etwas zweifelhafter sind die Motivationen hinter der Nennung von Cian Shields. Der 20-jährige Brite fährt ebenfalls Formel 2, aber im absoluten Nirgendwo, hat 2025 noch kein einziges Mal gepunktet. Tatsächlich blieb er auch in der Formel 3 2024 punktelos. Da er aber bei mehr als sechs F2-Events am Start stand, verfügt er dennoch über eine erforderliche FP-Superlizenz.

Mittlerweile FP1-Dauergast ist Paul Aron. Der Este und Alpine-Junior fährt in Abu Dhabi schon sein drittes FP1 mit Alpine. Zusätzlich verlieh ihn Alpine für zwei Trainings auch an Sauber, macht insgesamt also starke fünf Auftritte. Dennoch scheint der F2-Gesamt-Dritte der Saison 2024 aktuell keine Chance auf das Stamm-Cockpit des zeitweise strauchelnden Franco Colapinto zu haben.

Neben Aron hat auch Ryo Hirakawa fünf Trainings vorzuweisen. Eines bei Alpine, und jetzt in Abu Dhabi das vierte für Toyota-Partnerteam Haas. Wie bei O'Ward ist "Rookie" aber auch hier nur im Sinne des F1-Reglements das richtige Wort. Der 31-jährige Hirakawa ist Toyota-Werksfahrer, zweifacher Langstrecken-Weltmeister, Le-Mans-Sieger und Super-GT-Meister der Saison 2017.

Die Racing Bulls geben Ayumu Iwasa ein weiteres F1-Gastspiel. Iwasa ist Red-Bull-Junior, fuhr zwei Jahre Formel 2, kam nie ganz über die Hürde, aber 2025 war zumindest nach der Rückkehr in seine Heimat Japan für ihn ein Erfolg. Dort krönte er sich zum Super-Formula-Meister.

Und schließlich bleibt noch Williams übrig, mit Luke Browning. Auch der fuhr dieses Jahr schon zwei Trainings. Der 23-Jährige ist im Förderprogramm von Williams und aktuell Gesamt-Vierter in der Formel 2.

Alle FP1-Einsätze von Rookies in der Formel 1 2025

TeamFahrerFP1 (ersetzt)
McLarenAlex DunneÖsterreich (für Norris)
Alex DunneItalien (für Piastri)
Pato O'WardMexiko (für Norris)
Pato O'WardAbu Dhabi (für Piastri)
FerrariDino BeganovicBahrain (für Leclerc)
Dino BeganovicÖsterreich (für Leclerc)
Antonio FuocoMexiko (für Hamilton)
Arthur LeclercAbu Dhabi (für Hamilton)
Red BullAyumu IwasaBahrain (für Verstappen)
Arvid LindbladGroßbritannien (für Tsunoda)
Arvid LindbladMexiko (für Verstappen)
Arvid LindbladAbu Dhabi (für Tsunoda)
MercedesFred VestiBahrain (für Russell)
Fred VestiMexiko (für Russell)
Kimi AntonelliAustralien (selbst Rookie)
Kimi AntonelliChina (selbst Rookie)
Aston MartinFelipe Drugovich Bahrain (für Alonso)
Jak CrawfordMexiko (für Stroll)
Cian ShieldsAbu Dhabi (Für Alonso)
Jak CrawfordAbu Dhabi (für Stroll)
AlpineRyo HirakawaJapan (für Doohan)
Paul AronItalien (für Colapinto)
Paul AronMexiko (für Gasly)
Paul AronAbu Dhabi (Für Gasly)
HaasRyo HirakawaBahrain (für Bearman)
Ryo HirakawaSpanien (für Ocon)
Ryo HirakawaMexiko (für Bearman)
Ryo HirakawaAbu Dhabi (für Ocon)
Racing BullsAyumu IwasaMexiko (für Lawson)
Ayumu Iwasa Abu Dhabi (für Lawson)
Isack HadjarAustralien (selbst Rookie)
Isack HadjarChina (selbst Rookie)
WilliamsLuke BrowningBahrain (für Sainz)
Victor MartinsSpanien (für Albon)
Luke BrowningMexiko (für Sainz)
Luke BrowningAbu Dhabi (für Albon)
SauberPaul AronSilverstone (für Hülkenberg)
Paul AronUngarn (für Hülkenberg)
Gabriel BortoletoAustralien (selbst Rookie)
Gabriel BortoletoChina (selbst Rookie)

Einige dieser Fahrer könnten am Dienstag erneut in Abu Dhabi zu sehen sein. Dann fährt die Formel 1 dort nämlich den ganztägigen Abschluss-Test. Jedes Team setzt dort zwei Autos ein. Einmal umgebaute Testträger, die schon mit den Stammfahrern am Steuer die neuen 2026er-Reifen ausprobieren. Aber gleichzeitig darf auch ein aktuelles Auto im Rahmen des "Young Driver Tests" mit Rookies eingesetzt werden.

Fest steht schon, dass Ferrari F2-Fahrer Dino Beganovic ins Auto setzt, Mercedes Simulatorfahrer Fred Vesti, bei Aston Martin fährt erneut Jak Crawford, bei Alpine teilen sich Paul Aron und Ersatzfahrer Kush Maini das Auto und Williams lässt wieder Luke Browning ran. Der Rest der Teams hat seine Fahrerwahl noch nicht bestätigt.