Wie immer gilt: Red Bull sucht mit seinem Juniorprogramm nicht bloß nach Formel-1-Fahrern. Gesucht werden Sieger und Weltmeister. Der nun für 2026 bei den Racing Bulls gesetzte erst 18-jährige Arvid Lindblad hat genau dieses Format. Motorsport-Magazin.com stellt den neuesten F1-Piloten aus dem Red-Bull-Universum vor und erklärt, warum er selbst mit unauffälligeren Nachwuchs-Ergebnissen auf der Überholspur unterwegs ist.

Wer nur auf die diesjährige Formel-2-Ergebnistabelle geblickt hätte, der hätte Lindblad schließlich kaum befördert. Mit zwei Siegen ist er ein Wochenende vor Schluss auf einem unauffälligen sechsten Platz. Aber Ergebnisse müssen nicht alles sein. So begann Lindblads Weg in die Formel 1 schon viel früher mit nachdrücklichen Erlebnissen.

Teenager Arvid Lindblad: Mit viel Reife Dr. Helmut Marko beeindruckt

Zuerst einmal ist Lindblad unglaublich jung. Geboren wurde er am 8. August 2007 in Großbritannien, mit einer indischen Mutter und einem schwedischen Vater. Vater Stefan, im Investment-Geschäft tätig, ist Motocross-Fan und schenkte seinem Sohn schon zum dritten Geburtstag ein Motocross-Motorrad.

Die wirkliche motorsportliche Begeisterung keimte bei Lindblad aber zwei Jahre später bei den ersten Versuchen im Kart auf. Anfangs mit Landsmann Lewis Hamilton als Vorbild. (Heute will er keine Vorbilder mehr nennen: "Ich bewundere, respektiere sie alle.") Die Familie unterstütze und förderte die Interessen, aus denen schnell immer größere Erfolge entstanden, erst in Großbritannien, dann auf der europäischen Bühne. Das weckte Interesse bei Red Bull.

Am Rande des Portugal-GPs 2021 traf sich Red-Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko mit den Lindblads. Das Gespräch mit dem 13-Jährigen verließ er tief beeindruckt, wie er Jahre später gegenüber 'Inside Track' beschrieb: "Als wir ihn unter Vertrag genommen haben, hat er die ganzen Entscheidungen getroffen, hat alle wichtigen Fragen gestellt."

Arvid Lindblad gewinnt in der Formel 3 in Silverstone
Lindblad schaffte 2024 in Silverstone das F3-Doppel - gewann Sprint und Hauptrennen, Foto: IMAGO / Panoramic by PsnewZ

Arvid Lindblads Formel-Karriere im Schnelldurchlauf - mit Makel?

"Ich denke, das hängt teilweise damit zusammen, wie ich aufgewachsen bin", meint Lindblad selbst. "Als ich sieben war, bin ich schon regelmäßig mit dem Kart-Team weg, mit den Mechanikern, und war tagelang von meinen Eltern getrennt. Das zwang mich, sehr schnell zu reifen." Frühe Reife ist sicherlich eine der Qualitäten, die Marko an jungen Fahrern schätzt. Auch wenn er über sein erstes Treffen mit Max Verstappen spricht, ist das stets eine von den Qualitäten, welche er hervorhebt.

Der andere wichtige Faktor ist da aber natürlich die Pace. Und die zeigte Lindblad nach seinem Schritt in den Formelsport Ende 2022 im Übermaß. In seinem ersten vollen Jahr in der Formel 4 gewann er 2023 sofort 6 seiner ersten 12 Starts in der italienischen F4. Marko und Red Bull fackelten nicht lange und bahnten gleich den nächsten Schritt mit dem Aufstieg in die Formel 3 an.

Auch in der Formel 3, und ein Jahr später in der Formel 2, brauchte Lindblad nicht viel Anlaufzeit für Erfolge. Sein allererstes F3-Rennen gewann er, insgesamt feierte er 2024 vier Siege. 2025 holte er seinen ersten F2-Sieg im fünften Anlauf, sein erstes Hauptrennen gewann er in Barcelona.

Red-Bull-Junior Arvid Lindblad feiert auf dem F2-Podium von Jeddah
Lindblad feiert den Sieg im F2-Sprintrennen von Jeddah, Foto: Dutch Photo Agency / Red Bull Content Pool

Einen Makel haben seine Nachwuchs-Ergebnisse allerdings. In allen drei Jahren zeigte er einen unschönen Absturz zum Saisonfinale hin. In der italienischen Formel 4 verspielte er damit den Titel. In der Formel 3 punktete er in den letzten drei Wochenenden kein einziges Mal. In der laufenden Formel-2-Saison holte er seit seinem Barcelona-Sieg nur mehr in 5 von 14 Rennen Punkte. Davor hatte er in 10 von 12 gepunktet.

Lindblad überzeugt Red Bull auch bei Formel-1-Debüt im Training

Lindblad ist auch ehrlich, dass diese Hänger teils an ihm lagen, wenngleich er teilweise auf technische Umstände außerhalb seiner Kontrolle verweist. Aufseiten Red Bulls ließ man sich in den letzten zwei Jahren jedenfalls nicht davon abschrecken. 2025 in Silverstone gab man Lindblad zum ersten Mal eine Chance in einem 1. Freien Training, musste dafür sogar eine FIA-Ausnahme beantragen - denn Lindblad war da noch nicht 18 und durfte damit eigentlich noch nicht Formel 1 fahren.

Lindblads erste F1-Trainings festigten den Eindruck des Teams, dass er die nötige Reife für eine Formel-1-Beförderung hat. "Toller Job, nachdem ihm jeder gewarnt hat, keinen Kratzer reinzumachen", so Marko nach Lindblads zweitem FP1 in Mexiko, dort im Auto von WM-Anwärter Max Verstappen. In einem Mexiko-FP1, in dem auch andere Teams Rookies einsetzten, war Lindblad auf P6 klar der Schnellste von ihnen.

Das bestärkte Marko nur weiter: "Die haben alle schon mehr Kilometer. Technisch macht er klare Aussagen, ist pragmatisch, ohne irgendwo hektisch zu werden. Das war eine Empfehlung." Die hat nun tatsächlich zur Chance geführt, 2026 im Racing Bull an der Seite von Liam Lawson zu zeigen, dass er schon bereit ist für die Formel 1.