"Nutzlos", "Fahrerwechsel nötig", "Albtraum", "nur schlechte Wochenenden". Aussagen wie diese häufen sich in Lewis Hamiltons erster Ferrari-Saison. Der Formel-1-Rekordweltmeister hat nicht nur in puncto Performance, sondern auch mental den Tiefpunkt erreicht. Der Katar-GP war ein weiteres Kapitel im Hamilton-Ferrari-Trauerspiel. Zweimal hintereinander blieb er im ersten Qualifying-Segment stecken. Das ist vor ihm noch keinem Vollzeit-Ferrari-Fahrer passiert. Was anfangs noch als Traumpaarung begann, ist zu Saisonende zur regelrechten Katastrophe geworden.
Doch so schlecht, wie Hamiltons Aussagen und Ergebnisse vermuten lassen, soll die Stimmung gar nicht sein. Das behauptet zumindest Ferraris Chefingenieur Matteo Togninalli im Rahmen des Katar-GPs. "Was man von außen sieht, wirkt viel schlimmer, als es wirklich ist. Die Frustration und die Resultate malen ein schlechtes Bild, aber das ist nicht die Realität. Die Beziehung, die wir mit Lewis aufbauen, ist sehr positiv. Nach zehn Monaten haben wir bereits eine starke Verbindung im Team", erklärte der Italiener.
Er betont, dass die aktuelle Saison von Hamilton im Kontext gesehen werden muss: Hamilton war über zehn Jahre bei Mercedes, bevor er 2025 zu Ferrari wechselte. In Maranello ticken die Uhren anders als in Brackley. "Jedes Team arbeitet unterschiedlich. Du bist bestimmte Leute gewohnt, bestimmte Arbeitsweisen. Das ist für das Team und den Fahrer eine schwierige Umstellung. Das braucht Zeit und das hat das Team und Lewis bereits mehrmals gesagt", betonte Togninalli.
Wie ein Teamwechsel besser verlaufen kann, beweist Hamiltons Ferrari-Vorgänger Carlos Sainz. In Katar holte er das zweite Podium für Williams. Mehr dazu hier:
Ferrari-Chefingenieur erklärt Hamiltons Frust: Wir haben Ziele nicht erreicht
Vor allem die fehlenden Resultate würden das Narrativ von Hamiltons Tief unterstützen. Nach 23 von 24 Grands Prix sieht die Bilanz mager aus: Kein Podium, in der WM auf Platz sechs weit hinter dem Teamkollegen und mit nur zwei Punkten Vorsprung läuft Hamilton Gefahr, von seinem Rookie-Nachfolger Kimi Antonelli überholt zu werden. Dazu ist Ferrari vom Konstrukteursvizeweltmeister 2024 auf Platz vier abgerutscht.
"Lewis' Ziel war es, eine Meisterschaft zu gewinnen. Es ist ein Fakt, dass wir dieses Ziel nicht erreichen konnten. Zusammen mit der harten Arbeit, die Lewis hineinsteckt, kreiert diese Situation eine Menge Frust", erklärte Togninalli die immer besorgniserregenderen Aussagen seines Fahrers. Diese sind für die Medien ein gefundenes Fressen. "Es ist nicht so schlimm, wie ihr [Medien; Anm. der Redaktion] es schreibt, und ich bin sicher, dass es sich noch verbessern wird", beruhigte der Chefingenieur.
Das beste Heilmittel gegen den Frust seien gute Resultate. Bei Hamilton lassen diese noch auf sich warten, während Charles Leclerc mit sieben Podien zumindest Schadensbegrenzung betreiben konnte. "Wir sind Rennfahrer, er [Hamilton] ist ein Rennfahrer. Die Frustration, wenn wir verlieren, ist massiv. Es ist fundamental, dass wir ein performendes Auto und Resultate erbringen", stellte Togninalli fest. In Katar gelang das nicht, da mussten sich beide Ferraris sogar einigen Mittelfeld-Autos geschlagen geben. Für Hamiltons Gemütszustand bleibt zu hoffen, dass zumindest das Saisonfinale in Abu Dhabi keine weitere Katastrophe wird.
Ist an Hamiltons mentalen Belastung mehr dran an als ein Formtief? Ferrari verriet, dass sie die Entwicklungen am aktuellen Auto bereits früh einstellten. Nagt das an der Motivation der Fahrer? Was Ferrari-Teamchef Fred Vasseur dazu sagte, erfahrt ihr hier:



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