Wie viel Leid kann ein Mensch ertragen? Das scheint Ferrari an diesem Formel-1-Wochenende zu testen, denn das erfolgreichste Team der Königsklasse versinkt in Katar im Wüstensand und die Fahrer in Depressionen. Jede Session war ein neuer Rückschlag für die Roten, im Grand Prix konnten sie nicht einmal mit den Mittelfeld-Autos konkurrieren. Charles Leclerc und Lewis Hamilton sind nach dem vorletzten Saisonrennen 2025 emotional ausgelaugt und urlaubsreif.
"Ich hatte kein Vertrauen ins Auto, ich hatte keine Pace im Auto, ich hatte nichts im Auto", lautete Leclercs niedergeschlagenes Resümee. "Ich bin so froh, dass dieses Wochenende vorbei ist. Es war so frustrierend, von der ersten Runde bis zur allerletzten." Auch Hamilton hatte keine guten Worte über das Wochenende zu verlieren: "Es hat hervorgehoben, wie unterentwickelt wir im Vergleich zu allen anderen sind. Ich wäre fast von einem Sauber überholt worden und konnte nicht mit dem Williams mithalten."
Hamiltons Albtraum war Leclercs Realität. Der Monegasse wurde als einer der wenigen Fahrer auf der Strecke überholt. In Runde drei ging Nico Hülkenberg in Kurve eins unangefochten an ihm vorbei. Leclerc traute sich nicht, zu verteidigen. Im Sprint konnte er seinen SF-25 dort nicht auf der Strecke halten und sein Qualifying-Dreher war noch frisch im Hinterkopf. "Nach Samstag wusste ich nicht, wie sich das Auto in den ersten Runden verhalten würde. Es gab an diesem Wochenende keine einzige Runde, in der wir konkurrenzfähig waren. Das ist sehr frustrierend", lamentierte Leclerc.
Katar-GP: Safety-Car-Phase zur "schlechtesten Zeit" für Hamilton
Der Ferrari-Fahrer kam erst in die Punkteränge, als Hülkenberg und Pierre Gasly vor ihm kollidierten. Den Großteil des Rennens verbrachte er aufgrund der einheitlichen Strategie des gesamten Feldes im Heck von George Russell. Während Russell in der Schlussphase des Rennens von einem Dreher seines Vordermanns Fernando Alonso profitieren konnte, blieb der Aston-Martin-Pilot für Leclerc eine Nummer zu groß. Er fuhr zweieinhalb Sekunden hinter dem Routinier auf Platz acht über die Ziellinie.
Lewis Hamiltons Rennen war ebenso unaufgeregt. Er startete auf Platz 17 mit Soft-Reifen und machte am Start einige Plätze gut. Doch seinem Plan eines Undercuts gegen das Feld machte das Safety Car in Runde sieben einen Strich durch die Rechnung. "Das ist für mich zum schlechtesten Zeitpunkt gekommen. Ich wollte eigentlich in Runde zehn stoppen", erklärte Hamilton. Zusätzlich musste er wegen des regen Verkehrs in der Boxengasse hinter Leclerc warten, bis dessen Reifenwechsel abgeschlossen war. Dabei verlor er zwei Plätze.
Positionen gewann er nur durch Ausfälle vor ihm. Eine Flucht nach vorne scheiterte an Alex Albon. Hamilton musste hinter dem Williams-Piloten sogar abreißen lassen und kam elf Sekunden hinter ihm auf Platz 13 ins Ziel. Wieso das eigentliche Top-Team Ferrari sich hinter Mittelfeld-Autos abmühte, erklärte Teamchef Fred Vasseur: "Das Setup war von Anfang an falsch und hat uns zurückgeworfen. Dazu hatten wir Probleme mit dem vorgeschriebenen Reifendruck. Wir fuhren wie auf Ballons."
Formel-1-WM-Stand: Leclerc rechnete während des Rennens mit
Nach einem harten Wochenende, an dem Ferrari insgesamt nur vier WM-Punkte mitnahm, sind beide Piloten bereit für die Winterpause. Davor müssen sie aber noch das Saisonfinale in Abu Dhabi überstehen. "Hoffentlich haben wir dort mehr Glück. Ich will das Jahr positiv beenden. Es wäre schon sehr deprimierend, wenn wir nach zwei schweren Wochenenden in den Urlaub gehen", meinte Leclerc. Sein Ziel für das letzte F1-Rennen 2025? "Ich möchte alles aus unserem Auto rausholen und ein letztes Mal aufs Podium kommen. Einen Sieg anzupeilen, ist sehr unrealistisch. Und um ehrlich zu sein, habe ich auch wenig Hoffnung auf einen Podestplatz", so Leclerc.
In den bevorstehenden Dreikampf um die WM will sich der Monegasse nicht einmischen. Mit dem Sieg ist Max Verstappen nur noch 12 Punkte hinter Lando Norris, Oscar Piastri lauert 16 Punkte hinter seinem Teamkollegen. Das hat Leclerc bereits während des Rennens gewusst: "Ich habe auf den großen Bildschirmen mitgeschaut und im Kopf mitgerechnet [, wie die WM steht]. Das war das Spannendste an meinem Rennen." Für seinen Teamkollegen war der WM-Stand nach dem Katar GP große Neuigkeiten: "Wie kann Max nur noch 12 Punkte hinten sein? Er hat gewonnen? Ich habe gedacht, Oscar Piastri hat gewonnen!"
Im Rahmen des Katar-GPs verriet Ferrari, dass sie die Entwicklung des Autos bereits im April einstellten. Das hat das Team demoralisiert. Obendrauf kommt noch die mediale Negativität, wegen der Hamilton sich große Sorgen um sein Team macht...



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