Lewis Hamilton reist mit gestärktem Rücken zum Formel-1-Wochenende in Japan. In China gelang ihm der heißersehnte Befreiungsschlag: Er holte endlich sein erstes Podium mit Ferrari. Die Erlösung kam nach einem Jahr voller Tiefen und tieferer Tiefen für den Co-Rekordweltmeister. Jetzt fühlt sich Hamilton selbstbewusster denn je und bereit für den Angriff. Dabei will er sich auch nicht vom Gerede in den Medien unterkriegen lassen.

Ferrari-Podium für Hamilton: Ist er wieder der Alte? (22:06 Min.)

"Persönlich ist es für mich keine Erlösung", sagte der Ferrari-Pilot über sein erstes Top-3-Ergebnis in Rot und seinen insgesamt 203. Podestplatz. "Es ist einfach eine veränderte Einstellung. Ich lasse den ganzen Schwachsinn, den die Leute reden, nicht an mich heran. Ich weiß, wer ich bin und was ich kann. Hoffentlich hat man das in den letzten zwei Rennen gesehen, besonders im letzten."

Beim China GP duellierten sich Hamilton und sein Teamkollege Charles Leclerc über mehrere Runden spektakulär. Es war ein Lebenszeichen des siebenfachen Weltmeisters, nachdem in den letzten Jahren immer öfter und lauter diskutiert wurde, ob er seine Magie verloren habe. In dieser Form möchte er das restliche Jahr fortsetzen. "Ich habe nicht verloren, was ich gehabt habe. Egal, was manche von euch schreiben", konfrontierte er die versammelten Journalisten direkt, "ich werde weitermachen und trainiere härter als je zuvor."

Lewis Hamilton: Kein anderer Fahrer trainiert so hart wie ich!

Wie hart er trainiert, veranschaulichte Hamilton mit einer kleinen Anekdote: "Ich war in Tokio zwischen diesem und dem letzten Rennen. Ich bin in etwa 100 Kilometer gelaufen. Ich war im Hotel und die anderen Fahrer sind erst aufgewacht, als ich von meinem Lauf zurückkam." Dass er in seinem Alter noch die Motivation hat, sich selbst so zu pushen, findet der 41-Jährige großartig. "Ich weiß, dass keiner der anderen Fahrer, gegen die ich fahre, so hart trainiert wie ich. Ich gebe alles", so Hamilton.

Der Rekordweltmeister scheint seit dem Start der Saison wie ausgewechselt. Vergangenes Jahr bezeichnete er sich selbst noch als nutzlos und riet Ferrari zu einem Fahrerwechsel. Dass er sein Selbstbewusstsein verlor, gab Hamilton auch jetzt zu, aber das sei nur natürlich: "Das ist ein Teil des Prozesses, wenn du Sportler bist. Wir haben schwere Saisons durchgemacht und einige der schwierigsten Dinge überstanden. Aber das Wichtigste ist, wieder aufzustehen."

Genau das hat Hamilton 2026 gemacht. Mit einem starken Ferrari sammelte er in den ersten zwei Rennen des Jahres bereits mehr WM-Punkte als in den ersten fünf des Vorjahres. Er ist mächtig stolz auf seine Leistung: "Niemand hat das für mich getan, das war ich selbst. Das ist der ultimative Test für einen Athleten, wenn du wieder zurück zu deiner besten Form gelangst und es weiterhin versuchst. Du musst weitermachen, trotz der Missgeschicke."

Trotz Selbstbewusstsein: Hamilton weiß, dass Ferrari harte Saison bevorsteht

Doch bei all dem Stolz und dem Selbstbewusstsein weiß Hamilton auch, dass noch ein steiniger Weg vor ihnen liegt. Mercedes ist der Scuderia zumindest in Sachen Motor weit voraus. Der Abstand zu den Silberpfeilen sei sogar noch größter, als der Anschein vermuten lässt, denkt Charles Leclerc.

Doch bei Ferrari mache man sich keine falschen Hoffnungen. "Wir sind uns bewusst, dass es eine harte Saison wird", sagte Hamilton in Suzuka. Seine neu gefundene mentale Stärke helfe ihm aber dabei, sich auf das lange Jahr vorzubereiten, um seine Performance der letzten Rennen aufrechtzuerhalten.

Der Rekordweltmeister arbeitet nicht nur an sich selbst, sondern verbringt auch viel Zeit mit den Ingenieuren in Maranello. "Ich versuche, das Team zusammen mit Charles in die richtige Richtung zu lenken, damit wir die Lücke schließen können und anfangen, um Siege zu kämpfen. Mein Engagement ist präsenter denn je und ich widme alles, was ich habe, dieser Herausforderung und dem Ziel, das ich habe", versprach Hamilton.

Hamilton hat sich einen Sieg als Ziel gesetzt, Aston Martin will nur mit beiden Autos über die Ziellinie kommen. Ist sogar das schon zu viel verlangt? Das Team und die Fahrer sind sich uneinig…