Die ersten zwei Rennen brachten Ferrari zwei Podien ein, doch diese waren abgeschlagene dritte Plätze hinter Mercedes. Vor dem Japan-GP liefert Charles Leclerc eine ernüchternde Wasserstandsmeldung zum Kräfteverhältnis in der Formel 1, inklusive warnender Worte für sein Team.

"Ich denke nicht, dass es so eng ist, wie die Leute denken", findet Leclerc. Er war in Australien zwölf Sekunden hinter dem besten Mercedes ins Ziel gekommen. Bei Teamkollege Lewis Hamilton waren es in China schon 20 Sekunden. Vielleicht sollten es sogar noch mehr sein, zumindest wenn man nach reiner Pace geht.

"Sobald du mit diesen Autos in einem etwas suboptimalen Fenster bist, verlierst du viel Zeit, also ist unsere einzige Chance, an ihnen dranzubleiben, wenn wir sie in den ersten Runden nerven", macht Leclerc die Feinheiten des Energie-Managements der neuen Formel 1 im Zweikampf für den geringeren Abstand zu Mercedes im Rennen verantwortlich: "Deswegen gibt es viele Positionswechsel, auch weil die Autos dahinter mehr laden dürfen."

"Wegen dieser Dinge ist es schwierig, wegzufahren, wenn du erst einmal in einem Kampf bist", unterstreicht Leclerc. Doch Ferrari kann nur nerven, weil ihre Starts unverhältnismäßig stark sind und es ihnen ermöglichen, zu Rennbeginn in Führung zu gehen. Das bremst Mercedes in den ersten fünf bis zehn Runden unverhältnismäßig, glaubt Leclerc: "Sobald sie in freier Luft waren, haben sie letztes Rennen ihre echte Pace gesehen, und das waren denke ich immer noch diese vier oder fünf Zehntel."

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"Es ist also ein signifikanter Vorteil, aber das zieht mich nicht runter", sagt Leclerc. Ist es aufholbar? "Es ist noch früh in der Saison, also ja, ich glaube es ist möglich." Auch wenn das mehrere Schritte brauchen wird: "Natürlich bei der Optimierung der Power Units. Bei der Power Unit liegt aktuell der größte Unterschied zwischen uns und Mercedes. Allein mit dem Optimieren kannst du einen großen Unterschied machen. Aber das ist natürlich nicht alles."

Charles Leclerc mit wichtiger Warnung an Ferrari

"Reine Leistung fehlt uns relativ zu ihnen", weiß Leclerc. Davor versteckt sich Ferrari auch nicht. Besser sieht es bei Chassis und Aerodynamik aus. "Da ist es eigentlich ein starkes Auto, das ist unsere Stärke." So mahnt Leclerc, dass man sich in diesem frühen Stadium, wo viel des Defizits auf den Motor zurückgeht, nicht mit verzweifelten Schnellschüssen bei der Aerodynamik verrennen darf: "Wir müssen uns auf uns selbst konzentrieren und dürfen nicht versuchen, es zu übertreiben. In solchen Situationen geht das nie gut."

Bei diesem Thema kommt gleich wieder China in den Sinn. Für dort hatte Ferrari die erste Version ihres einzigartigen, im Straight Mode um die eigene Achse rotierenden Heckflügels vorgezogen. Dem Vernehmen nach hätte er wohl erst drei oder vier Rennen später kommen sollen, in einem ausgereifteren Design.

Tatsächlich schien die Erstfassung in China dann die Erwartungen auch nicht zu erfüllen und wurde nach nur einem Training wieder gegen den konventionellen Heckflügel ausgetauscht. Lewis Hamilton hatte danach davon gesprochen, dass man womöglich etwas voreilig gewesen wäre. Dass die Idee in diesem frühen Stadium vielleicht noch nicht einsatzbereit sei. Da riss sich Ferrari also noch einmal am Riemen, war eben genau nicht voreilig.

Was kann Ferrari in Japan erreichen?

Es ist unwahrscheinlich, dass sich am Gesamtbild in Japan, dem letzten GP vor der langen durch die Absagen zweier Rennen bedingten Frühjahrspause, groß etwas verändern wird. "Es gibt immer noch eine lange Gerade, wo Mercedes sehr stark sein wird", meint Leclerc. "Aber es ist ein sehr kurviger Kurs in den ersten beiden Sektoren. Hoffentlich können wir da einen Vorteil aufbauen, um über die ganze Runde schneller zu sein, aber es sieht unwahrscheinlich aus."

Denn auch wenn das Ferrari-Chassis gut ist, so ist es nicht unbedingt besser als der Mercedes, meint Lewis Hamilton: "Ich denke, sie sind in den Kurven ähnlich schnell." Wie Leclerc erwartet er nicht viel mehr, will aber vor dem ersten Training nichts abschreiben: "Hier gibt es nur zwei Straight-Mode-Zonen. Das ist vielleicht ein Plus, denn Mercedes zieht immer weg, wenn sie den Straight Mode aktivieren, und hier können sie das weniger oft. Vielleicht können wir in den schnellen Kurven potenziell länger mithalten."