Im Sprint-Qualifying von China wiederholt sich bei Ferrari das, was man schon eine Woche zuvor beim Auftakt der Formel 1 in Australien zu sehen bekam: Im Qualifying-Trimm ist der SF-26 meilenweit von Mercedes weg. Wieder verpasst man die Top-3, und der viel gehypte Macarena-Flügel wird sogar davor wieder abgebaut. Bei Lewis Hamilton läuten nun die Alarmglocken.

Hamilton war mit Platz 4 im Sprint-Qualifying am Freitag noch der besserplatzierte Ferrari, aber bereits mit einem Rückstand von 0,641 Sekunden auf Pole-Mann George Russell. Charles Leclerc wurde mit über einer Sekunde Rückstand gar nur Sechster, und war danach sauer: Bei ihm hatte das Energie-Management in SQ3 sich selbstständig gemacht.

"Aus irgendeinem Grund habe ich eine halbe Sekunde auf der zweiten Runde in SQ3 verloren", ärgert sich Leclerc. Die Telemetrie-Daten zeigen, dass sein Auto auf dem ersten Versuch über Gebühr langsam hin zu Kurve 11 war. Auf dem zweiten Versuch war es dann über Gebühr langsam auf der langen Geraden. Obwohl Leclerc in beiden Fällen voll am Gas stand.

Der Verdacht eines Problems beim Laden und Entladen der Batterie liegt nahe. Hamilton konnte auf jeder seiner Runden nämlich an beiden Stellen schnell fahren. "Wir werden die Daten im Detail analysieren", verspricht Teamchef Fred Vasseur. Aber Leclerc wäre ohne dem höchstens in die Hamilton-Region vorgestoßen. Selbst ohne Problem war der Ferrari - wie Hamilton zeigt - viel zu weit weg. Das macht Sorgen.

Super-Flügel in China? Ferrari rudert zurück: Nur Test!

Dabei hatte man nach dem doch soliden Australien-Auftakt schon für Schlagzeilen gesorgt, indem man den vom Test berühmten "Macarena-Flügel" - bei dem sich das obere Heckflügel-Element beim Aktivieren des Straight Modes auf den Kopf stellt - schon nach China angeliefert hatte. "Er sollte erst so gegen Rennen 4 oder 5 am Auto sein", bestätigt Hamilton am Freitag.

Gefahren wurde er aber nur im Training. Für das Sprint-Qualifying montierte Ferrari wieder die konventionellen Flügel. "Vielleicht waren wir etwas voreilig", beschleichen Hamilton erste Zweifel. "Wir werden dran arbeiten, ihn zurückzubringen, wenn er bereit ist." Mit dem Flügel, der sich vor Kurven zwangsweise langsamer schließt, hatte er sich im Training auch auf der Bremse einmal gedreht.

Vasseur will nach dem Sprint-Qualifying das Thema runterspielen: "Wir wollten zusätzliche Kilometer sammeln, ehe wir ihn einführen." Trotzdem erscheint es ungewöhnlich, dass das Team in der Cost-Cap-Ära gleich zwei Exemplare eines Prototypen-Designs fertigen ließ und sie kurzfristig nach China flog, nur um Daten zu sammeln, und obendrauf im einzigen Training an einem Sprint-Wochenende keines der beiden Autos in der tatsächlichen Renn-Konfiguration zu bewegen.

Mercedes-Defizit für Lewis Hamilton jetzt klar: Es ist der Ferrari-Motor

Aber Hamilton ist schnell dabei hervorzuheben, dass der SF-26 im Sprint-Qualifying mit dem normalen Flügel sich "allgemein großartig" angefühlt hätte: "Wir verlieren bloß auf den Geraden. Richtig viel Zeit. Da haben wir viel Arbeit vor uns."

"Das Auto fühlt sich toll an, in den Kurven können wir mithalten, aber uns fehlt die Leistung", lautet Hamiltons Fazit. Daran hatte er am Vortag noch gezweifelt, doch jetzt scheint es ihm klar: "Wir müssen in Maranello richtig hart pushen, um bei der Leistung nachzulegen. Das war uns denke ich letztes Jahr schon bewusst. Dass Mercedes früher mit dem Entwickeln begann als wir, das haben sie beim letzten Motor auch so gemacht."

Vorerst klammert man sich dafür an bessere Performance im Renn-Trimm fest. Von P4 und P6 ist mit einem Raketen-Start wie in Australien durchaus im Sprint wieder etwas möglich. Leclerc ist sich auch sicher: "Wir finden die Zeit im Qualifying noch nicht, aber im Rennen sind wir näher dran. Hoffentlich können wir uns morgen zurückkämpfen."

Lewis Hamilton ist nicht der erste, der am Freitag von einem Leistungs-Defizit zur Konkurrenz spricht. Auch bei Audi hatte Teamchef Jonathan Wheatley das schon vor dem Sprint-Qualifying eingestanden. Mehr zur Audi-Erklärung gibt es hier: