Ferrari fährt für das Formel-1-Rennen in China am Wochenende die schweren Geschütze auf. Viel früher als erwartet bringt das Team den bei den Testfahrten für 2026 in Bahrain erstmals gezeigten klappbaren Heckflügel. Das Debüt der im Paddock auf den Namen "Macarena-Flügel" getauften Aerodynamik ist vor allem Lewis Hamilton ein wichtiges Zeichen. Der Rekordweltmeister sieht in Maranello einen ganz anderen Spirit als im Vorjahr. Charles Leclerc erwartet nach dem Auftritt in Australien aber auch wegen der Rennstrecke in Shanghai mehr Druck auf Mercedes.

"Eigentlich sollte das erst später kommen, aber sie arbeiten wirklich in der Entwicklung und haben es schon hierher gebracht", freut sich Lewis Hamilton über das frühe Upgrade beim zweiten von 24 Saisonrennen im diesjährigen Kalender. Der um 180 Grad rotierende Heckflügel von Ferrari hatte in der zweiten Woche der Wintertestfahrten erstmals für Furore gesorgt.

"Wir haben einen Tag oder so damit getestet. Aber wir haben alle Runs damit hinbekommen, die wir brauchten", so Hamilton, der sich mittlerweile weniger über den Einfallsreichtum seiner Ingenieure als über den der Öffentlichkeit wundert. "Ich weiß nicht, ob es einen offiziellen Namen dafür gibt. Irgendjemand hat ihn Macarena genannt - ich habe absolut keine Ahnung, warum. Aber ja, es ist einfach der Flip-Flop-Flügel."

Lewis Hamilton relativiert Kritik am Formel-1-Team von Ferrari

Viel wichtiger ist für Lewis Hamilton das vorgezogene Debüt des Heckflügels, und zwar nicht nur vor dem Hintergrund der Peformance auf der Rennstrecke. Diese frühe Entwicklung in der Saison vernimmt er als ein positives Zeichen: "Für mich ist es großartig, dieses kämpfende Team zu sehen. Ein Team das Druck macht und in der Fabrik wirklich Überstunden abreißt, um diese Upgrades zu bringen - denn das ist es, worum es hier geht."

Nach seinem Wechsel von Mercedes zu Ferrari äußerte der siebenfache Weltmeister im Jahr 2025 mehrfach seine Unzufriedenheit über die Prozesse in seinem neuen Team. "Ich denke, letztes Jahr habe ich, oder haben wir, das volle Potenzial des Teams in dieser Form nicht gesehen, weil wir alle schon so auf das diesjährige Auto fokussiert waren", relativiert der 41-Jährige seine Kritik ein wenig.

Ferrari für Mercedes in China schon gefährlicher

Beim Saisonauftakt in Melbourne machte Ferrari den scheinbar überlegenen Mercedes zu Beginn des Rennens ordentlich Druck, bis die Strategie-Entscheidungen der Scuderia den Kampf an der Spitze vorzeitig beendeten.. Charles Leclerc denkt, dass der Vorteil von George Russell und Kimi Antonelli an diesem Wochenende allein wegen dem Charakter des Shanghai International Circuit kleiner ausfallen sollte.

"Ich denke nicht, dass wir im Qualifying jetzt schon auf ihrem Level sein werden. Aber es wird sicher enger als in Melbourne, denn wir hatten dort viele Dinge noch nicht optimiert, und da war noch viel Rundenzeit drin. Wir sind definitiv noch nicht auf ihrem Niveau, aber im Rennen denke ich, dass es enger wird", prognostiziert der 28-Jährige. Und auch die Lernkurve der Fahrer wird einen Unterschied machen: "Es ist nicht wie letztes Jahr, als du leicht verstehen konntest, dass ein Auto einen großen Vorteil hat. Zwischen George und Kimi waren im Qualifying allein drei Zehntelsekunden. Da liegt also viel im Fahrstil."

Ferrari wieder mit Fehler! Danner übt Strategie-Kritik (05:14 Min.)

Mercedes ist Ferrari im Straight Mode noch überlegen

Technisch sieht Lewis Hamilton den größten Vorteil des Mercedes mittlerweile nicht mehr auf Seite der Power Unit, wie er in Melbourne noch mutmaßte . "Es scheint hauptsächlich auf den Geraden der Fall zu sein. Wenn sie den Straight Mode aktivieren, machen sie einen enormen Schritt. Was auch immer in dieser Phase stattfindet, diesen Bereich müssen wir verstehen. Und dann scheinen sie natürlich auch noch etwas mehr Deployment zu haben."

Ferrari hat den technischen Vorteil in Australien dafür im technischen Ablauf des Rennstarts gehabt. Beim Erlöschen der Ampeln preschte Leclerc von der vierten auf die zweite Position vor, Hamilton fuhr in der Startrunde von der siebten auf die dritte Position. Doch Charles Leclerc rechnet damit, dass Mercedes längst aufgewacht ist. "Leider denke ich nicht, dass wir diesen Vorteil behalten werden", so der Monegasse. "Sobald die Motoren im optimalen Bereich abgestimmt sind, wird es zwischen den Autos am Start keine großen Unterschiede mehr geben. [...] Ich erwarte nicht, dass es lange dauern wird, bis sie [Mercedes] auch im optimalen Fenster sind."