"That’s a P1 baby" [Das ist Platz 1, Baby] tönte es aus dem Funk als Lewis Hamilton auf dem Shanghai International Circuit über die Ziellinie fuhr. Vor einem Jahr holte der Formel 1-Rekordchampion seinen ersten Sieg mit Ferrari – zwar nicht im Grand Prix, aber immerhin im Sprint. Von der Pole Position startend, zog er am Start hart nach rechts und schnitt Max Verstappen den Weg ab.
Auf dem 100 Kilometer langen Sprint unterstrich Hamilton einmal mehr seinen Ruf als Reifenflüsterer und hielt sich 19 Runden lang die Konkurrenz vom Leib. Am Ende überquerte er mit knapp sieben Sekunden Vorsprung auf Oscar Piastri die Ziellinie. Als er sich nach dem Sprint von der tosenden Menge in China feiern ließ, ahnte er nicht, dass das sein einziger Triumph in Rot 2025 bleiben sollte.
Hamilton bezeichnet sich als nutzlos
Zwei Monate und sieben Rennen später erinnerte nichts mehr an den Lewis Hamilton aus China. Der Blick leer, die Stimme tonlos. Die Fragen der Journalisten prallten an Hamilton ab wie Regentropfen auf Carbon. Nach dem Spanien GP, den er selbst als das schlechteste Rennen seines Lebens bezeichnete, stand ihm die Resignation ins Gesicht geschrieben. Hamilton fehlten durchschnittlich drei Zehntel auf Teamkollege Charles Leclerc – eine Welt im letzten Jahr des bestehenden Reglements, in dem die Abstände zwischen den Autos so gering waren wie selten zuvor.
Auch im Rennen gelang es dem 105-fachen GP-Sieger in den seltensten Fällen, Leclerc auf den Fersen zu bleiben. Schlussendlich beendete Hamilton seine erste Ferrari-Saison ohne Podestplatz – ein Novum in seiner 19-jährigen Formel-1-Karriere. Über die Saison hinweg versuchte er, das Unerklärliche zu erklären. Als er auf dem Hungaroring den zwölften Startplatz einfuhr – auf einem Kurs, auf dem er neunmal auf der Pole Position stand und achtmal auf dem Siegerpodest – platzte es aus ihm heraus: "Ich bin nutzlos, absolut nutzlos! Ferrari muss wahrscheinlich den Fahrer wechseln."
Ferrari-Marketing-Projekt
So hart wie Hamilton urteilten auch andere über ihn. Der frühere F1-Boss Bernie Ecclestone meinte sogar, Hamilton sei bei Ferrari nur "ein finanzielles Marketing-Projekt". Als Hamilton in Zandvoort in der überhöhten Hugenholtz-Bocht die Kontrolle über seinen SF-25 verlor und in die Wand einschlug, titelte die Corriere dello Sport "Ferraris Albtraum-Wochenende. Lewis Hamilton ist zu schlecht, um wahr zu sein, das ist die traurige Wahrheit."
Die Gründe für Hamiltons desaströses erstes Ferrari-Jahr sind vielschichtig – die Ground-Effect-Autos im Allgemeinen und Ferraris Entscheidung, das Konzept der Vorderradaufhängung von Pushrod- auf Pullrod umzustellen, im Speziellen. Auch Hamiltons Alleingang nach Maranello war nicht der klügste Schachzug. Mit seinem neuen Renningenieur Ricardo Adami war er hörbar nicht auf einer Wellenlänge. Zudem räumte Hamilton bei den Wintertests in Bahrain ein, dass er "vergessen hatte, wer er ist." Im selben Atemzug stellte er klar: "Das wird eine verdammt gute Saison."
F1-Saison 2026 als Wendepunkt?
Beim Saisonauftakt vergangene Woche in Australien zeigte sich Hamilton nicht nur außerhalb des Autos wie gewandelt, sondern auch im Cockpit. Auf Platz vier liegend gab er bis zum Ende Gas und überquerte die Ziellinie mit sechs Zehntel Rückstand auf Leclerc. "Hätte das Rennen noch ein paar Runden länger gedauert, hätte ich Charles eingeholt. Wir sind nicht so schnell wie Mercedes, aber wir sind im Kampf", betonte Hamilton. Ob sich der Kreis mit dem Sprint-Wochenende in China schließt und Hamilton endgültig das 2025er Drama abschütteln sowie Mercedes den Sieg streitig machen kann, wird sich zeigen.
Australien-Sieger George Russell, der mit Hamilton gemeinsam nach Shanghai fliegt, rechnet auf jeden Fall mit jeder Menge Diskussionen um den aktuell dominanten Mercedes-Motor. "Ich bin überzeugt, dass ich mir die ganze Zeit anhören muss, wie gut unser Motor ist und dass unser Verdichtungsverhältnis illegal ist und so weiter. Ich werde ihm (Lewis) einfach sagen: Halt die Klappe und kümmere dich um deine Angelegenheiten", meinte Russell nicht ganz ernst gemeint.



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