Neunmal stand er hier auf der Pole-Position, hält den Streckenrekord und ist mit acht Siegen der unangefochtene Meister auf dem Hungaroring. Doch das alles scheint der Vergangenheit anzugehören. Lewis Hamilton musste zum zweiten Mal in Folge eine Qualifying-Niederlage einstecken: Q2-Aus und Startplatz 12 in Ungarn.

Hamilton schlägt Ferrari-Rauswurf vor: Bin absolut nutzlos! (09:48 Min.)

Für einen siebenfachen Formel-1-Weltmeister wäre das schon bitter genug, aber dass sein Teamkollege Charles Leclerc dann auch noch auf die Pole-Position fuhr, machte den Großen Preis von Ungarn bereits vor dem Rennstart zu einem Desaster für Hamilton. Nach dem Qualifying ging er hart mit sich ins Gericht: "Ich bin nutzlos, absolut nutzlos. Ich bin schrecklich gefahren."

Die schlechte Stimmung in der Hamilton-Garage zog sich schon durch das ganze Ungarn-Wochenende. Am Freitag klagte er über eine instabile Balance und konnte - anders als sein Teamkollege - nicht mit den McLarens mithalten. Dasselbe Bild zeigte sich im dritten Freien Training. Leclerc fehlten als Dritter vier Zehntelsekunden auf die Bestzeit von Oscar Piastri, bei Hamilton (P4) waren es acht Zehntel.

Hamilton am Boden zerstört: Ferrari sollte Fahrer wechseln

Lewis Hamilton nach dem Qualifying für den Ungarn GP
Direkt nach dem Qualifying wollte Lewis Hamilton seine Enttäuschung verbergen, Foto: IMAGO / Branislav Racko

Schon im ersten Qualifying-Segment musste Hamilton schwitzen. Sein erster Versuch platzierte ihn zwar auf P5 und damit fast drei Zehntelsekunden vor Leclerc. Doch die Strecke verbesserte sich im Verlauf und Hamilton rutschte im Klassement immer weiter ab. Mit seiner zweiten schnellen Runde rettete er sich noch auf P10.

In Q2 kam er dann gar nicht mehr vom Fleck. Der erste Run auf angefahrenen Soft-Reifen reichte gerade einmal für den elften Platz. Das war zwar nur 0,016 Sekunden hinter Leclerc, doch der zweite Anlauf machte den Unterschied. Auf den neuen C5 gelang Hamilton kein Performance-Sprung, mit 1:15.702 Minuten war er zweieinhalb Zehntel langsamer als Leclerc.

Schlussendlich trennten Hamilton nur 15 Tausendstel vom Einzug ins Q3. Dabei machte er auf seiner finalen Runde keinen offensichtlichen Fehler. "Ich hatte kein Problem in Q2. Das Team hatte kein Problem. Wie du siehst, ist das Auto auf der Pole-Position. Jedes Mal bin ich es", stellte Hamilton klar und fügte niedergeschlagen hinzu: "Ferrari muss wahrscheinlich den Fahrer wechseln."

Den siebenfachen Weltmeister so selbstkritisch und am Boden zerstört zu sehen, gerade auf einer Strecke wie dem Hungaroring, auf der er sich historisch betrachtet sehr wohl fühlt, haben seine Fans wohl nicht gedacht. Aber weil er den 4,381 Kilometer langen Kurs so gut kennt, weiß Hamilton, dass von einem zwölften Startplatz wenig zu erwarten ist.

Die Rennstrecke nordöstlich von Budapest gilt als überholfeindlich und wird auch "Monaco ohne Wände" genannt. Ein Ungarn-Sieger fuhr zwar vom 12. Startplatz weg, aber das war Nigel Mansell im Jahr 1989. Die Frage, ob er beim Rennen wieder eine ähnliche Aufholjagd wie beim Belgien GP hinlegen kann, beantwortete Hamilton kurz und bündig mit: "Nein, das glaube ich nicht."

Bei noch einem Team gehen die Qualifying-Ergebnisse in Ungarn weit auseinander: Sauber-Rookie Gabriel Bortoleto schafft es auf P7, Nico Hülkenberg schied schon in Q1 aus. Die Details gibt es hier: