Vor und während dem Formel-1-Qualifying in Ungarn schien alles auf ein McLaren-Duell hinauszulaufen. Die Papayas dominerten die Trainings und machten in Q1 und Q2 mit Bestzeiten weiter. Doch just in jenem Moment als es darauf ankam, platzte Charles Leclerc vollkommen unverhofft die McLaren-Party.
Der Monegasse konnte sein Glück nach dem Qualifying kaum fassen. "Heute verstehe ich gar nichts mehr von der Formel 1", waren die ersten Worte, die er im TV-Interview nach der Qualifikation von sich gab. Zwei Abschnitte lang sah es danach aus, als ob Ferrari nach soliden Trainings, in denen Leclerc jeweils auf dem dritten Platz landete, im Qualifying zur Enttäuschung würde. Aber eben nur bis zu jener letzten Runde von Leclerc.
'Extrem schwieriges' Qualifying endet für Charles Leclerc mit Pole
"Ehrlicherweise war das gesamte Qualifying extrem schwierig und wenn ich 'extrem schwierig' sage, dann ist das keine Übertreibung. Es war schwer für uns, in Q2 zu kommen und es war schwer für uns in Q3 zu kommen", zog Leclerc Bilanz. Lewis Hamilton erwischte es dabei sogar, der Brite blieb im zweiten Qualifying-Segment hängen und ging anschließend sehr hart mit sich selbst ins Gericht.
Anders sein Teamkollege. "In Q1 war ich am Limit und schaffte es gerade so in Q2. In Q2 war ich am Limit. Ich machte dort zwar einen großen Fehler in Kurve 4, aber trotzdem war es nicht einfach in Q3 zu kommen", behauptete Leclerc. Gemessen an den Rundenzeiten eine kleine Übertreibung. In beiden Sessions hatte er mehrere Zehntel Guthaben auf die Ausfallzone, wenn er sich auch jeweils erst im letzten Run aus dem Gefahrenbereich befreite. "Wir dachten, dass wir Probleme haben würden, es überhaupt in die Top-5 zu schaffen", beschrieb er seinen Pessimismus vor dem entscheidenden Segment.
Wind und Wetter stellen alles auf den Kopf: Deshalb war McLaren in Q3 besiegbar
"In Q3 änderten sich die Bedingungen ein bisschen und alles wurde viel kniffliger", erklärte Leclerc. Kniffliger im Allgemeinen, aber nicht unbedingt zum Nachteil des Scuderia-Fahrers. Q1 war bei sehr heißen Bedingungen von über 50 Grad Streckentemperatur noch eine Angelegenheit für McLaren gewesen, in Q2 setzte anschließend leichter Regen ein. Beides keine idealen Voraussetzungen für den SF-25. "Ich bin etwas niedriger im Downforce-Spektrum. Als also der Regen in Q2 begann, hoffte ich einfach, dass er nicht bleiben würde", erklärte Leclerc.
Der Regen blieb nicht. Die Strecken-Temperaturen blieben aber gering. Mehr als zwölf Grad weniger zeigte das Thermometer an als noch in Q1. Das eröffnete Leclerc die große Chance. Dieser rechnete zu diesem Zeitpunkt noch immer nicht mit Reihe 1. "Ich wusste, dass ich eine saubere Runde fahren müsste, um den dritten Platz anzupeilen. Dass es am Ende des Tages Pole geworden ist, das habe ich definitiv nicht erwartet", sprach Leclerc.
Zu den von ihm beschriebenen 'kniffligen Bedingungen' gehört auch der Wind. Oscar Piastri hatte nach dem Qualifying betont, dass dieser um 180 Grad gedreht habe. Ganz so extrem war es wohl nicht. Vielmehr drehte der zuvor vorwiegende Südwind auf Westen – immer noch ein signifikanter Unterschied. Jedenfalls kam niemand damit so gut zurecht wie Leclerc. Er war einer der wenigen Fahrer, die von Q2 auf Q3 nochmal zulegen konnten.
Abgesehen davon, dass McLaren nach wie vor im Mittelsektor die klare Nummer 1 war, lassen sich aus den Daten nur schwer Schlüsselstellen für seine Polerunden herauslesen. Im ersten Sektor legte Leclerc etwa eine Zehntel gegen beide McLarens vor. Wohl ein Effekt seiner Setup-Abstimmung. Kurve 10 und 14 erwischte er deutlich besser als Piastri, vor und in Kurve 11 machte er den größten Unterschied gegen Norris.
Charles Leclerc: Eine meiner besten Poles – Aber was geht im Rennen?
"Es ist wahrscheinlich eine der besten Pole Positionen, die ich jemals hatte. Es ist sicherlich jene, die ich am wenigsten erwartet hätte", so der Ferrari-Mann. Und das muss schon etwas heißen. Denn der achtfache Grand-Prix-Sieger hat mit seinem ersten Startplatz in Ungarn nun schon 27 Poles in seiner Formel-1-Karriere zu Buche stehen.
Der Hungaroring ist eine Strecke, die als überholfeindlich gilt, weshalb die Pole Position in der Theorie mehr Wert haben sollte. Auf der anderen Seite ist es aber auch ein Kurs, der in der Regel verschiedene Strategien erlaubt. Für das Formel-1-Rennen also eine weitere Herausforderung für Leclerc, die McLarens hinter sich zu halten.
Dazu kommt noch die Wetterprognose für Sonntag. Für den Renntag ist nämlich Regen prognostiziert. Die meisten Wetterstationen sind sich einig, dass Schauer am Vormittag sehr wahrscheinlich sind. Aber auch für die Rennzeit liegen die Prognosen zwischen 30 und 50 Prozent. Regen wäre für den mit relativ wenig Downforce abgestimmten Ferrari eine Hiobsbotschaft. Gegen Leclerc spricht auch die Statistik der letzten Jahre: Der letzte Polesetter, der in Ungarn auch das Rennen gewinnen konnte, war Lewis Hamilton 2020.
Am Donnerstag hatte Leclerc noch gemeint, dass der Hungaroring seine schlechteste Strecke im Formel-1-Kalender sei. Ob das immer noch so gilt? Den Artikel dazu könnt ihr hier nachlesen:



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