Formel 1 in Ungarn - Die Gewinner
Lando Norris
Lando Norris schrieb die Aufstiegsgeschichte des letzten Formel-1-Rennens vor der Sommerpause in Ungarn. Von P3 startend wollte er den WM-Führenden Oscar Piastri attackieren. Doch nichts da: Norris fiel innerhalb von einer Kurve um zwei Positionen hinter Fernando Alonso zurück und schien seine Siegeshoffnungen früh begraben zu müssen. Ein Notfallplan musste her.
In der Not entschieden sich McLaren und der Brite für eine Zweistopp-Strategie, in die beide nur wenig Hoffnung und schon gar keine Siegesambitionen setzten. Der Notfallplan ging auf. Von Runde zu Runde vertraute Norris mehr der Einstopp-Variante, wusste allerdings genau, was ihn in der Schlussphase erwarten würde. Mit 14 Runden älteren Hard-Reifen wehrte der 25-Jährige Teamkollege Piastri erfolgreich ab und schaffte es, fünf Runden lang so in den letzten Kurven zu beschleunigen, dass ihn der WM-Führende trotz DRS-Unterstützung nicht mehr einfing.
Aston Martin
Unglaublich, aber wahr: Hinter der McLaren-Dominanz avancierte Aston Martin zum zweitbesten Team auf dem Hungaroring. Der zuvor Achtplatzierte in der Konstrukteurswertung verzeichnete mit 16 WM-Punkten die Rekordausbeute des Jahres und sprang um zwei Positionen in der Teamwertung nach oben. Weder sein 44. Geburtstag vergangene Woche noch seine Rückenschmerzen am Ungarn-Wochenende hinderten Fernando Alonso daran, den AMR25 sensationell auf Rang fünf zu stellen.
Mit seinem siebten Platz setzte Lance Stroll der Aston-Torte das Sahnehäubchen auf. Zweimal in dieser Saison sammelte das Silverstone-Team 8 Punkte, auf der Strecke nordöstlich von Budapest sprangen plötzlich 16 Zähler heraus. Das Ergebnis hat für Aston Martin nur einen Haken: Niemand konnte sich das Formhoch nach dem Rennen erklären.
George Russell
Mercedes muss sich nach dem Ungarn-Wochenende ein wenig an die eigene Nase fassen. In Imola brachten die Silberpfeile eine neue Hinterachse und hatten sie in den vergangenen sieben Rennen ab-, an- und für den Hungaroring wieder abgebaut. George Russell führte seinem Team mit dem dritten Platz nun vor: In Brackley wurde mit aller Kraft in eine falsche Richtung entwickelt.
Mit alter Hinterachse war sogar die Pole Position in Reichweite. Mit nur 0,053 Sekunden musste sich Russell entsprechend ärgerlich mit dem vierten Platz zufriedengeben. Der Podest-Traum war allerdings nicht ausgeträumt. Bei kühlen Temperaturen holte der 27-Jährige alles aus dem W16 heraus und hielt im ersten Stint sogar Lando Norris hinter sich. Im hart umkämpften Duell mit Charles Leclerc, für das der Monegasse bestraft wurde, behielt George Russell die Oberhand und fuhr das erste Mal seit dem Kanada-GP wieder in die Top-3.
Gabriel Bortoleto
In den letzten Schritten vor der Sommerpause beginnt sich der Sauber-Rookie noch zum fehlerlosen Vollstrecker zu mausern. Dreimal in den letzten vier Qualifyings erreichte Bortoleto Q3 und glänzte auf dem Hungaroring mit Platz sieben - Karrierebestleistung. Im Rennen setzte der 20-Jährige noch einen drauf, wurde Sechster und hielt auch Max Verstappen hinter sich - Karrierebestleistung. Ganz nebenbei gewann er zudem unser Fahrer-Ranking.

Gabriel Bortoleto (Sauber) erhält nach dem Qualifying Glückwünsche von seinem Manager und Konkurrenten Fernando Alonso (Aston Martin) im Parc Ferme
"So schlecht bin ich noch nie in ein F1-Wochenende gestartet", haderte der Brasilianer. Am nun mittlerweile 14. Rennwochenende drehte er die Dinge zu seinen Gunsten. Im Qualifying erreichte er um 0,007 Sekunden geradeso Q2 und um 0,003 Sekunden war er schneller als Verstappen in Q3. Am Sonntag holte er das Maximum aus dem C45-Paket heraus und wurde verständlicherweise zum Fahrer des Tages gewählt.
Formel 1 in Ungarn - Die Verlierer

Ferrari-Pilot Charles Leclerc
Charles Leclerc
So sehr Norris die positiven Schlagzeilen an sich zog, so sehr waren es bei Charles Leclerc die negativen. "Ihr hättet mir einfach zuhören müssen", schrie der Monegasse am Funk seinem Kommandostand entgegen. Von der Überraschungs-Pole ging es zurück auf den undankbaren vierten Platz. Entsprechend frustriert waren Fahrer und Team.
Mit Medium-Reifen behauptete Leclerc seine Führung gegen Oscar Piastri, doch auf den harten Reifen ging die Performance in die Knie. Hinzu kamen Sprit-Sparmaßnahmen und ein ominöses Chassis-Problem, über das keiner im Detail reden wollte. Das Sonntags-Drama gipfelte im Duell um Platz drei gegen George Russell, in dem sich Leclerc mit allen Mitteln wehrte und von den Stewards eine 5-Sekunden-Strafe sowie seinen ersten Strafpunkt seit 2022 aufgebrummt bekam.
Red Bull
Zu Red Bulls Glück bot das Ungarn-Rennen genügend andere Gesprächsthemen, um vom sportlichen Debakel der Mannschaft aus Milton Keynes abzulenken. Nur zwei WM-Punkte bleiben unter dem Strich nach Max Verstappens neuntem Platz stehen. Fast wäre der WM-Dritte noch vom WM-Zweiten Lando Norris überrundet worden und kam mit über 72 Sekunden Rückstand ins Ziel.
Auch für Yuki Tsunoda wird die Abreise wohl das Schönste am Ungarn-Wochenende gewesen sein. Seit sieben Rennen hat der Japaner nicht mehr gepunktet. Red Bull versuchte alles, um seinen und Verstappens RB21 doch noch in ein gutes Arbeitsfenster zu bringen. Doch alles Drehen und Wenden half nicht. Wie bei Verstappens neuntem Rang war auch Tsunodas P17 nicht die Folge einer schlechten Strategie, sondern das Ergebnis fehlender Performance - Aufbruchsstimmung? Fehlanzeige für die Sommerpause.
Nico Hülkenberg
Bei Nico Hülkenberg ist die Ursache für ein punkteloses Ungarn-Wochenende schnell gefunden. Mit Platz 19 im Qualifying verbaute sich der Deutsche bereits am Samstag jegliche Punktehoffnungen. Hülkenbergs Stärke, eine schnelle Runde abzuliefern, ist in den vergangenen Wochen zur Baustelle mutiert. In den letzten vier Rennen stand Rookie-Teamkollege Bortoleto jeweils weiter vorn in der Startaufstellung.
Als Dreizehnter machte Hülkenberg immerhin einige Positionen im Rennen gut, doch Taktik-Geniestreiche wie bei seinem ersten Formel-1-Podium in Silverstone kann es nicht am laufenden Band geben. Trotz aggressiver Zweistopp-Strategie hing der Routinier auf jener Strecke im Verkehr fest, die nicht ohne Grund den Beinamen 'Monaco ohne Mauern' trägt. Zusätzlich handelte sich Hülkenberg wegen eines Frühstarts eine 5-Sekunden-Strafe ein, die das i-Tüpfelchen auf sein misslungenes Rennwochenende setzte.
Alpine
Franco Colapinto ist der einzige des französischen Rennstalls, der etwas Positives vom Ungarn-Wochenende mitnehmen konnte. Erstmals in seiner Alpine-Karriere erreichte der Argentinier Q2 und qualifizierte sich auf P14 drei Positionen vor Pierre Gasly. Allerdings kannte das Rennen auf dem Hungaroring für die Mannschaft aus Enstone nur eine Richtung: nach hinten.
Weder Gasly noch Colapinto hatten ihren Mittelfeld-Konkurrenten etwas entgegenzusetzen. Dazu kamen noch zwei langsame Boxenstopps bei Colapinto und eine Strafe gegen Gasly. Der Letzte der Konstrukteurswertung kam nur aufgrund der Aufgabe von Haas-Pilot Oliver Bearman auf den Plätzen 18 und 19 ins Ziel.
Lewis Hamilton
Es war der Rekord-Champion selbst, der sich bereits am Samstag nach der nächsten Qualifying-Pleite als Verlierer darstellte. "Ich bin nutzlos, absolut nutzlos", überschüttete sich Lewis Hamilton mit Selbstkritik nach Platz 12 und dem vorzeitigen Aus in Q2. Die Pole Position von Teamkollege Charles Leclerc tat ihr Übriges und verdeutlichte, was möglich gewesen wäre.
Auch seine acht Formel-1-Siege auf dem Hungaroring halfen Hamilton im Rennen nicht, sich aus dem Mittelfeld-Verkehr zu manövrieren. Anstatt gegen George Russell um das Podest zu kämpfen, fand Hamilton im Kampf um die Punkteränge in dessen schwächelnden Mercedes-Teamkollegen Kimi Antonelli seinen Meister. Als Zwölfter musste Hamilton in Ungarn sein erstes punkteloses F1-Wochenende mit Ferrari hinnehmen.
Der Ungarn-GP war für Lewis Hamilton die nächste Enttäuschung. Ist seine Karriere bald vorbei? Für Formel-1-Experte Christian Danner spielt in der Frage auch der Rennstall Ferrari eine große Rolle. Mehr dazu hier im Video:



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