Das Formel-1-Rennen in Ungarn hätte für Lando Norris nicht bescheidener beginnen können - nach der ersten Kurve fiel er von P3 auf P5 zurück. 70 Runden später jubelte er vom Siegerpodest. "Ich habe alles gegeben", freute sich ein sichtlich erschöpfter Norris nach dem insgesamt 200. Sieg für McLaren in der Königsklasse. "Ich habe nicht an einen Sieg gedacht, sondern daran, Zweiter zu werden."

Am Start ging nicht nur George Russell, sondern auch noch Aston-Martin-Pilot Fernando Alonso an ich vorbei. Alonso war für Norris kein größeres Hindernis, doch an Russell war kein Vorbeikommen. Um überhaupt die Chance auf das Podium zu wahren, entschied sich die Norris-Mannschaft für eine ungewisse Einstopp-Strategie.

"Wir haben am Anfang nicht mit einer Einstopp-Strategie geplant, aber nach der ersten Runde war es unsere einzige Option, zurückzukommen", erklärte Norris. Die Rechnung ging überraschend gut auf. 31 Runden lang hielt der 25-Jährige auf dem Medium-Reifen durch. Die verbleibenden 39 Runden waren auf der harten Mischung machbar.

Formel-1-Showdown in Ungarn: Lando Norris übertrumpft Oscar Piastri

McLaren-Pilot Lando Norris
Lando Norris weist Oscar Piastri auf dem Hungaroring in die Schranken, Foto: IMAGO / ANP

In Sachen Rennpace war McLaren insbesondere auf den harten Reifen einsame Spitze. Nur Oscar Piastri konnte seinem Teamkollegen den Sieg noch streitig machen. Dank seiner Zweistopp-Strategie flog Piastri mit frischeren Reifen über den Hungaroring und war fünf Runden vor Schluss an Norris dran.

In der Schlussphase des Rennens lieferten sich die Papaya-Piloten einen erbitterten Kampf. Norris verteidigte im Rahmen seiner Möglichkeiten und profitierte vom Streckenlayout des Hungarorings, der auch als 'Monaco ohne Mauern' bezeichnet wird. Nur in der ersten Kurve bietet sich mit DRS-Unterstützung die einzige realistische Überholmöglichkeit. Für Norris galt die Devise, möglichst gut auf die Start-/Zielgerade einzubiegen, um Piastri weit genug zu distanzieren. Das gelang dem WM-Zweiten, indem er den Scheitelpunkt der letzten Kurve 14 früher setzte, um schneller wieder herausbeschleunigen zu können. Das ist gut in der folgenden Grafik zu erkennen:

Piastri versuchte es mit aller Gewalt und hätte seinen Teamkollegen in der vorletzten Runde fast in Kurve 1 abgeräumt. Im McLaren-Lager kam allerdings kein Ärger auf. "Es [Manöver; d. Red.] war definitiv innerhalb unserer Prinzipien", verteidigte Teamchef Andrea Stella seinen Schützling. "Wir hatten einen Verbremser bei Oscar. Gleichzeitig hat Lando Platz gelassen, weil er wusste, dass Oscar am Limit bremsen würde."

Norris und die Einstopp-Strategie hielten Stand. "Die beiden Strategien haben sich als gleichwertig erwiesen", stellte Stella zu seiner Überraschung im Nachhinein fest. "Selbst als wir Lando länger draußen ließen, haben wir immer noch nicht gedacht, dass eine Einstopp-Strategie möglich wäre. Respekt an Lando. Er ist sehr starke Rundenzeiten mit relativ verbrauchten Reifen gefahren."

Durch den Ungarn-Sieg steht Lando Norris nach 14 Rennen bei 275 Punkten und nimmt in die Sommerpause einen Rückstand von neun Zählern auf Oscar Piastri mit, der die Fahrerwertung mit 284 Punkten anführt. Liegt das Momentum nun beim WM-Verfolger? "Wir haben so eng gekämpft, dass es schwer ist zu sagen, ob das Momentum auf irgendeiner Seite ist", stapelt Norris tief. Eines sei allerdings sicher, wie McLaren-Boss Zak Brown meint: "Jeder wird heute Nacht gut schlafen. Eine großartige Art, um in die Sommerpause zu gehen."

Im Gegensatz zum Belgien-GP fand das Ungarn-Rennen bei trockenen Bedingungen statt. Doch auch auf dem Hungaroring hätte es leicht regnen können. Hätte das Rennen bei Regen erneut unterbrochen werden müssen? Formel-1-Experte Christian Danner meint: Früher sind wir gefahren. Mehr dazu hier im Video:

Nie mehr F1-Regenrennen?! Danner: Früher sind wir gefahren (13:31 Min.)