In Ungarn hat sich wieder einmal gezeigt, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Am Samstag jubelte Charles Leclerc über die erste Pole Position in der Formel 1-Saison 2025, am Sonntag folgte ab Rennmitte ein frustrierter Funkspruch nach dem anderen. "Das ist so frustrierend. Wir haben jegliche Wettbewerbsfähigkeit verloren. Ihr hättet mir einfach zuhören müssen. Ich hätte einen anderen Weg gefunden, diese Probleme zu lösen", explodierte Leclerc, als er in Runde 51 von Oscar Piastri überholt wurde.
Wie unsere Grafik zeigt, brachen Leclercs Rundenzeiten im letzten Stint ein. Der Ferrari-Pilot verlor vor allem im mittleren und letzten Sektor auf Piastri.
Zu diesem Zeitpunkt kämpfte Charles Leclerc nicht nur mit einem, wie er sagte "unfahrbaren" Auto, sondern bekam auch von Ferrari die Anweisung Sprit zu sparen. In Runde 62 kam es wie es kommen musste - ging auch George Russell an ihm vorbei. Damit war nicht nur der Traum vom ersten Sieg seit Texas 2024 geplatzt, sondern auch ein möglicher Podestplatz. Seinen Frust über die Situation ließ er eine Runde zuvor im Zweikampf mit Russell raus. Als der Mercedes-Pilot versuchte ihn in Turn 1 zu überholen, schmiss Leclerc ihm die Tür zu – beide entgingen nur knapp einer Berührung. Ein fuchsteufelswilder Russell forderte über Funk eine Strafe, die der Ferrari-Pilot auch bekam.
Hier auch noch ein Vergleich der Rennpace von Charles Leclerc und George Russell, der gegen Rennende an ihm vorbeiging.
Leclerc: Russell-Manöver war okay
Für Leclerc war das Manöver in Ordnung. "Ich hatte das Gefühl, dass ich mich vor dem Bremsen bewegt habe. Dann habe ich gebremst und dabei natürlich mein Auto in Richtung Scheitelpunkt gelenkt, wie ich es normalerweise tue. Aber ich kann mir vorstellen, dass George über Funk ziemlich laut war", konnte er sich einen Seitenhieb gegen Russell nicht verkneifen. Die Stewards gaben Russell Recht und brummten dem Ferrari-Piloten eine 5-Sekunden-Strafe auf. Da es auf sein Ergebnis keinen Einfluss hatte, nahm Leclerc die Strafe gelassen hin.
"Es macht mir nichts aus. Wenn es am Ende des Rennens ein Safety-Car gegeben hätte und ich eine 5-Sekunden-Strafe bekommen hätte, dann wäre ich wahrscheinlich viel frustrierter, aber das war nicht der Fall." Strafe hin oder her – am Ende verfolgte Leclerc auf dem Bildschirm, wie Andere in Ungarn am Podium feierten und den Champagner spritzten. Überraschenderweise folgte nach dem Rennen keine weitere Frustrede des Monegassen, sondern eine Entschuldigung an sein Team. Der Grund: Es gab ein Problem am Chassis des SF-25, Leclerc hatte allerdings ein anderes Problem während des Rennens vermutet.
Leclerc entschuldigt sich bei Ferrari
"Ich habe voreilig das Team kritisiert, weil ich dachte, dass es um etwas anderes ginge, und zwar um etwas, das wir im Vorfeld besprochen hatten, aber leider betraf es das Chassis", erklärte Leclerc. Das Problem trat laut ihm bereits in Runde 40 auf, entsprechend hatte er 30 Runden lang zu kämpfen. "Wir müssen das genau untersuchen, um sicherzustellen, dass das Problem nie wieder auftritt, denn das Auto war unfahrbar", stellte Leclerc klar. Die Erkenntnis, dass es am Chassis lag und nicht an dem von ihm vermuteten Problem, war für den Ferrari-Piloten allerdings kein großer Trost.
"Es ist sehr frustrierend, wenn man alles unter Kontrolle hat, weiß, dass das Auto das Tempo zum Sieg hat, und dann am Ende nichts erreicht. Wir haben einen Podiumsplatz verloren, daher bin ich sehr enttäuscht", so Leclerc. Mit Blick auf die zweite Saisonhälfte – die Formel 1 verabschiedet sich nach Ungarn in eine dreiwöchige Sommerpause – verdunkelt sich Leclercs Stimmung nochmals. "Das war wahrscheinlich unsere einzige Siegeschance in der Saison, aber leider konnten wir aufgrund dieses Problems nicht viel ausrichten", so Leclerc.
Ferrari-Teamchef Fred Vasseur verstand die Frustration seines Fahrers. "Ich kann seine Frustration vollkommen nachvollziehen. In der ersten Rennhälfte konnten wir mit McLaren mithalten konnten und hatten 15 Sekunden Vorsprung auf Russell." Trotzdem versucht er das Positive aus dem Rennen mitzunehmen. "Zumindest haben wir die Punkte für den vierten Platz geholt, denn es gab sogar Zweifel, ob Charles das Rennen beenden könnte", sagte Vasseur.



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