Mercedes dreht sich im Kreis. Das ist vor dem Ungarn GP jetzt ein Fakt. Zum zweiten Mal seit der Einführung wird die angepasste Hinterachse wieder vom aktuellen Formel 1-Auto genommen und mit dem alten Modell ersetzt. Nach einer Woche an Ursachenforschung infolge einer Serie an schlechten Rennen. Der Tausch ist dennoch keine Konsequenz einer klaren Antwort.

"Es ist Teil der Entwicklung, das haben wir auch bei anderen Teams gesehen", meinte George Russell. "Du suchst nach dem letzten Zehntel, und du siehst Gewinne, aber solange du es nicht auf dem Auto hast, weißt du oft nicht, was die Einschränkungen sein werden." Mercedes ist nicht das einzige Team in der Formel 1, das im Laufe dieser Saison die Aufhängung adaptiert hat. Hintergrund dieser Anpassungen ist üblicherweise, das Auto insgesamt zu einer aerodynamisch stabileren Plattform zu machen, indem man etwa im Falle der Hinterachse ein Einknicken bei Lastwechsel versucht zu verhindern (Anti-Squat).

Der Verdacht von Mercedes ist nun, dass die in Imola eingeführte neue Hinterachse das Auto in schnellen Ecken instabiler machte. Tatsächlich war sie schon nach ihrem Debüt sofort in Zweifel gezogen worden - Imola war in Sachen Reifen-Management und Balance ein völliges Desaster gewesen. Infolgedessen fuhr man Monaco und Barcelona wieder mit der ursprünglichen Aufhängung. Nach einem ebenfalls enttäuschenden Barcelona-Wochenende kam aber die neue Version zurück.

Beim Kanada-GP in Montreal, wo Russell prompt gewann. Doch das Ergebnis könnte eine streckenbedingte Illusion gewesen sein, vermutet das Team nun nach den drei darauffolgenden völlig verkorksten Wochenenden. Kanada ist eine ungewöhnliche Strecke, auf der fast nur in geraden Linien für langsame Kurven gebremst wird. "Die neue Aufhängung war richtig gut für Bremsen in geraden Linien und für kombinierte Traktion, das hat uns eine richtig gute kombinierte Traktionsphase gegeben", erklärt Kimi Antonelli.

Die Europa-Saison ist bisher für Mercedes eine zum Vergessen. Christian Danner gehen die Erklärungen für den Problemfall aus: Verstehe es einfach nicht. Diesen Tipp gibt er den Silberpfeilen.

Aufhängung-Wechsel-Dich-Spiel bei Mercedes

Dann aber ging es zurück nach Europa. Reihenweise Strecken mit langgezogenen schnellen Kurven kamen, und in diesen war das Auto deutlich schlechter zu fahren als zu Saisonbeginn. Russell stellte als Grund erst den ebenfalls seit Imola neuen - und regelbedingt versteiften - Frontflügel in den Raum. Doch die Analysen der letzten Woche rückten nun die Aufhängung erneut in den Fokus.

In Ungarn auf die alte Version zurückzurüsten ist jetzt ein Test, um diese Hypothese zu verifizieren. "Solange wir nicht zurück zur Basis gehen und sich die Ergebnisse verbessern, kannst du es nicht kategorisch als Grund sehen", warnt Russell. Schließlich hatte der Mercedes von Saisonbeginn mit hohem Reifenverschleiß in der Hitze zu kämpfen. Das Problem stammt noch aus 2024 und scheint ein fundamentales Feature des Auto-Konzepts zu sein.

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Russell & Antonelli: Lage stabilisieren statt Bäume ausreißen

"Erwartet nicht, dass wir hier Bäume ausreißen werden, aber hoffentlich kommen wir zurück zu dem Punkt, wo wir sicher in den Top-5 mitfahren, anstatt uns um Ausfälle in Q1 oder Q2 zu stressen", hält Russell so erst einmal fest. Es geht darum, die Lage zu stabilisieren, und das Problem zu isolieren. "Die letzten sechs Rennen waren die schlimmsten unserer Saison."

"Und zum Saisonstart hatte ich so viel mehr Vertrauen", bestätigt Russell. "Die Runden kamen locker." Darunter litt Antonelli mit seiner sehr geringen Formel-1-Erfahrung besonders: "Ich habe mich nicht ideal angepasst, weil ich stets versucht habe, meinen Fahrstil zu behalten und das Auto so zu fahren, wie ich wollte. George hat auch einen anderen Fahrstil, aber er konnte sich besser anpassen", meint Antonelli.

Er hingegen machte mit seinem aggressiven Stil das Auto nur noch unberechenbarer, und verlor schließlich ganz das Vertrauen, ob es beim Einlenken in einer schnellen Kurve gutgehen würde oder nicht. "Da habe ich keinen guten Job gemacht. Hoffentlich kommt mit der alten Aufhängung das gute Gefühl zurück." Mehr zu Antonellis Reflexion der letzten Rennen gibt es hier: