Mercedes steckt in der Formel 1 2025 in der Krise. Seit Kanada hatten die Silberpfeile keine Chance mehr, um überhaupt um ein Podium mitzukämpfen. Mit Ausnahme des Rennens in Montreal warten George Russell und Kimi Antonelli schon seit Miami auf ein Top-3-Resultat. Ein Sinnbild für die letzten Jahre in der Ground-Effect-Ära der Königsklasse.

Seit 2022 plagt sich Mercedes mit dem Phänomen herum, dass man an einzelnen Wochenenden wie aus dem nichts siegfähig ist, aber dann genauso schnell und häufig ohne ersichtlichen Grund wieder im Mittelfeld versinkt. Das Rennen in Spa war erneut ein Beispiel aus der letzteren Kategorie, denn das Rennen in den Ardennen schien ihnen nach einem regnerischen Beginn mit kühlen Bedingungen eigentlich in die Hände zu spielen. Stattdessen musste Russell einmal mehr von den Spitzenfahrern abreißen lassen und kam nur wenige Sekunden vor dem ersten Mittelfeld-Piloten ins Ziel.

Mercedes-Rätsel geht weiter - Danner: Russell-Aussage sagt alles

"Man könnte argumentieren, dass diese Bedingungen für uns und für unser Auto ideal wären, und wieder ist es die schlechteste Performance des Jahres", hatte Russell deshalb gerätselt. Für Christian Danner ist es ebenfalls unerklärlich, wieso bei dem Brackley-Team nichts vorangeht. "Die Aussage von George Russell sagt ja alles", findet Danner im AvD Motorsport-Magazin, und blickte aus der Perspektive des Kanada-Siegers auf die jüngste Pleite: "Er sagte ja, das kann doch alles nicht sein. Jetzt ist es kühl, da sollte unser Auto gut sein. Es sind langgezogene schnelle Kurven, da sollte unser Auto gut ein. Und was ist? Wir [Mercedes] sind schlechter denn je."

Danner ist mit Blick auf Mercedes mit seinem Latein am Ende. "Ich verstehe es einfach nicht, dass man nicht in der Lage ist, Dinge so zu analysieren und zu verbessern, dass man zumindest in Schlagdistanz kommt." Technologisch gehören die Silberpfeile zu den am besten ausgerüsteten Teams in der Formel 1. Nicht umsonst drückten sie nach 2014 der Königsklasse ihren Stempel auf und gehörten bis zur Einführung des Budget Cap zu den finanzstärksten Herstellern.

Doch seit 2022 sank ihr Stern ab und es gelang der Mannschaft von Toto Wolff nicht mehr ein konstant siegfähiges Auto herzustellen. Einzelne Siege, wie zuletzt in Kanada oder davor bei dem dominanten Doppelsieg beim Las-Vegas-GP 2024 lieferten immer wieder die Illusion eines Aufwärtstrends, waren aber nie von langanhaltender Natur. "Ich war ja in Brackley. Ich habe mir den ganzen Laden einmal angeschaut, als ich Lewis Hamiltons Auto mal fahren durfte. Den Simulator bin ich gefahren. Das ist unglaublich, was da steht", erinnert sich Danner. "Aber, dass da nichts vorwärtsgeht, ist mir schleierhaft."

Christian Danner gibt Mercedes einen Tipp: Das ist der vernünftigste Weg

Die richtigen Lösungen, um diese Problemphase zu bewältigen, kann auch Danner nicht vorbringen. Er rät Mercedes aber, nicht in blinden Aktionismus zu verfallen und voreilig personelle Auswechslungen vorzunehmen. "Mit dem Austausch von Personal ist es [schwierig]. Das ist immer schön spektakulär. Was allerdings vernünftiger ist, wenn man mit diesen Technikern mal in die Klausur geht und in aller Ruhe konstruktiv darüber spricht, wie sich das lösen lässt."

Der ehemalige Formel-1-Fahrer ist davon überzeugt, dass Russell genau diese Rolle einnehmen kann: "Das muss ich dem George Russell sehr hoch anrechnen. Der sitzt heute garantiert schon wieder in Brackley und spricht mit den Jungs. Das muss man aus Fahrersicht genauestens erläutern und den Ingenieuren die Möglichkeit geben, rauszufinden, wo haben wir hier unseren Wickel."

Danner: Das macht Mercedes besser als Red Bull

Danner sieht in diesem Punkt den großen Unterschied zu Red Bull, wo seiner Meinung nach in der Vergangenheit zu wenig auf das Fahrer-Feedback gehört wurde: "Das geht nur gemeinsam und dazu braucht es die richtige Bereitschaft. Das war bei Red Bull ein bisschen schwierig, da hat [Technik-Chef, d. Red] Pierre Wache gesagt: Ich mache nichts anderes, ich gehe nach den besten Zahlen und wenn die sich damit nicht einstellen können, dann sind die Streckeningenieure schuld. Oder wenn der Fahrer damit nicht fahren kann, dann braucht man einen besseren Fahrer." Der F1-Experte ist überzeugt: "Das ist die falsche Herangehensweise."

Bei Mercedes sieht er diese Tendenzen nicht. Das Team hat sich seit Jahren dem Begriff 'No-Blame-Culture' verschrieben, den Toto Wolff häufig zitierte. Danner sieht darin ein wichtiges Fundament: "Die einzige Hoffnung, die ich habe bei Mercedes. Dort gibt es ja eine sehr gute innerbetriebliche Kultur. Das heißt, wenn der Fahrer sagt, dass etwas Scheiße ist, dann fühlt sich da keiner auf den Schlips getreten." Außerdem geht Christian Danner davon aus, dass sich dank dieser Kultur die verschiedenen Abteilungen nicht die Schuldfrage gegenseitig zuschieben. Sein Schlussfazit zu dem Thema: "Deshalb habe ich da noch nicht ganz aufgegeben, auch wenn es schon ein bisschen lange dauert."

Mit der Misere von Mercedes geht auch die Pleitenserie von Andrea Kimi Antonelli einher. Der Italiener hat nun an den letzten sieben Rennwochenenden ein einziges Mal Punkte gesammelt und das mit seinem dritten Platz in Kanada. Bei Europa-Rennen steht bei ihm noch die Null. Was Danner über Antonelli sagt, könnt ihr in der aktuellen Ausgabe des AvD Motorsport-Magazins nachhören.

Mercedes am Ende? Christian Danner: Ich kapiere es nicht mehr! (37:45 Min.)