Nach dem Rennen der Formel 1 in Belgien diskutierten die Fans, aber auch die Fahrer über die Entscheidung der Rennleitung, den Rennstart wegen des Regens in Belgien um 80 Minuten zu verschieben. Max Verstappen oder Lewis Hamilton beschwerten sich über die lange Wartezeit. Andere dagegen gingen konform mit der Entscheidung der FIA. Zu diesen zählt auch Formel-1-Experte Christian Danner im Gespräch mit Motorsport-Magazin.com

Christian Danner: FIA und FOM wollen keine Katastrophen

Der Circuit de Spa-Francorchamps ist gefährlich. Das zeigte die Vergangenheit immer wieder. Besonders das Wetter spielte einige Male verrückt. Das zeigte zum Beispiel der Belgien GP 2021, in dem nur drei Runden gefahren wurden. Seither passte die Formel 1 das Regelwerk an, um besser auf Regensituationen reagieren zu können.

Das Problem war besonders die Sicht auf der Kemmel-Geraden. In den vergangenen Jahren produzierten die Autos immer mehr Gischt, wodurch die Sicht der Piloten im Auto deutlich schlechter als in früheren Reglement-Perioden ist. Dazu wurde sich im Fahrerbriefing am Freitag in Spa nach dem Regenrennen in Silverstone auf eine vorsichtigere Herangehensweise geeinigt.

Daher denkt Christian Danner: "Das hat schon gepasst. Man kann immer über die eine oder andere Runde reden, aber ich glaube, wir müssen uns mit einem Thema mal anfreunden: Man will sowohl von der FIA-Seite als auch von der FOM-Seite, genauso wie von kommerzieller Seite, keine Katastrophen. Und diese Katastrophen können in Spa, einfach relativ schnell in sehr intensiver Art passieren. Ich verstehe, dass die Rennleitung das so geregelt hat und das war dann auch in Ordnung."

Danner: Fahrer dürfen nicht in Entscheidung einbezogen werden

Und die Meinung der Fahrer? Piloten wie Max Verstappen und Lewis Hamilton sind alles andere als unerfahren im Regen, doch Christian Danner sieht hier insbesondere die Eigeninteressen der Piloten eine Rolle spielen. "Die objektive Beurteilung der Situation, die muss außerhalb des Cockpits passieren. Wenn ich im Cockpit sitze, sage ich immer, für mich wäre es jetzt besser gewesen, wenn ich losgefahren wäre. Und deswegen muss man das streng voneinander trennen", so Danner.

Die Sicht der beiden mehrfachen Weltmeister versteht er dennoch. Besonders Verstappen opferte Qualifying-Performance, um im Regen konkurrenzfähiger zu sein. "Ich verstehe das und ich kann ihm als alter Rennfahrer natürlich nur Recht geben. Es wäre früher gegangen. Aber man darf nicht vergessen: Ich bin Max Verstappen, ich habe ein Auto, was im Regen perfekt ist. Ich habe das Ding abgestimmt für Nässe - und jetzt warten die, bis es trocken ist. Da bin ich angefressen, das ist ja überhaupt gar keine Frage", erklärt Danner.

Deswegen bleibt das Fazit: "Der Fahrer denkt immer nur an sich, was völlig in Ordnung ist, es muss so sein. Aber wenn ich eine Entscheidung treffen will, die für alle, also nicht nur die Fahrer, die Teams, sondern auch für die Sponsoren richtig ist, gehört einfach alles dazu. Dann darf ich die Fahrer um Gottes Willen nicht einbeziehen."

Warum fahren die F1-Teams nicht mit dem Regenreifen?

Eine Frage, bei der Danner beruhigen kann, ist die nach Regenrennen allgemein. Ein Verschwinden dieser sieht er in der nahen Zukunft nicht. Ein Hindernis für diese sind allerdings die noch immer nicht perfekten Regenreifen. "Die Vollregenreifen sind gar nicht so schlecht. Sie sind nur langsamer. Also die Chance auf Aquaplaning ist beim Vollregenreifen natürlich viel, viel geringer als bei einem Intermediate", so Danner.

Doch warum sträuben sich die Teams so gegen den Reifen? "Der schnellere Reifen - und jetzt kommen wir zum Thema - ist der Intermediate. Dazu kommt noch, dass die Strecke, absehbar trockener und schneller wird. Da bist du mit dem Regenreifen innerhalb von ein paar Runden komplett aufgeschmissen. Das Fenster, wie man so schön sagt: Also wie lange kann ich auf den Reifen fahren, ohne dabei zu viel Zeit zu verlieren, im Vergleich zu einer Alternative, ist beim Intermediate viel besser", so Danner.

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