Änderungen am aktuellen Formel 1-Reglement erfordern ein Skalpell und keinen Baseballschläger. Dieser Auffassung von Toto Wolff scheint sich auch die FIA anzuschließen. Entsprechend wird das neue "Low Power Start Detection"-System zuerst evaluiert, bevor es endgültig grünes Licht erhält. Erstmals kommt die Technologie in Miami zum Einsatz.
Das System erkennt automatisch, wenn ein Bolide nach dem Lösen der Kupplung unnatürlich langsam beschleunigt. In diesem Fall wird die MGU-K aktiviert, die sofort elektrische Energie einspeist, um das Auto in Gang zu bringen. "Wenn die Ampeln auf Rot stehen und der Start erfolgt, beobachten wir für eine zusätzliche Sekunde die Beschleunigung und ein, zwei weitere Parameter im Hintergrund. Rutscht die Beschleunigung unter einen definierten Wert, greift das Sicherheitsnetz", erklärt Jan Monchaux.
Die FIA reagiert damit auf gefährliche Szenen am Start wie beim Saisonauftakt in Melbourne. Als die Lichter der Startampel im Albert Park ausgingen, wäre Franco Colapinto fast ins Heck von Liam Lawson gekracht, der beim Start nahezu stehen blieb. Nur durch eine haarscharfe Ausweichbewegung des Alpine-Piloten konnte ein schwerer Unfall verhindert werden.
Als weitere Maßnahme wird in Miami die Energie-Messung zu Beginn der Formationsrunde zurückgesetzt, nachdem man hier ein Problem im System ausgemacht hat. Auch optisch wird nachgebessert: "Wir werden den Fahrern visuelle Signale geben. Im Falle eines schlechten Starts wird das Auto wie ein Weihnachtsbaum leuchten", so Monchaux. Der Franzose folgte 2024 Tim Goss als Technikdirektor der Monoposto-Abteilung.
Seine Expertise im Bereich der Aerodynamik sammelte er nach dem Studium zwischen 2002 und 2009 bei Toyota F1 in Köln. Anschließend leitete er drei Jahre lang die Aerodynamik-Abteilung bei Ferrari, ehe er Audis LMP1-Projekt auf der aerodynamischen Seite verantwortete. Von 2018 bis 2023 war er schließlich in verschiedenen Funktionen bei Sauber tätig.
F1-Start: Keine Chance für Trickserei
Um zu verhindern, dass die Piloten das System als illegale Starthilfe missbrauchen, hat die FIA vorgesorgt. "Das ist auch einer der Gründe, warum wir das System vorab testen wollen", verrät Monchaux. "Es soll ein reines Sicherheitsnetz sein, das maximal alle vier Rennen zum Einsatz kommt. Der Fahrer soll uns keine lange Nase machen. Er soll trotz des Systems fünf bis zehn Startplätze verlieren, sprich es soll ein vergeigter Start bleiben."
Auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com , ob es sich bei den aktuellen Regel-Anpassungen nur um Kompromisse handelt, gibt sich Monchaux realistisch: "Hätte man mehr machen können? Zu 100 Prozent! Aber das wäre eine naive Betrachtung." Die Formel 1 sei keine lineare Gleichung mit nur einer Lösung. Entsprechend erwartet Monchaux, dass in den kommenden Monaten weiter "nachgedreht" werden muss - allerdings nur im Bereich der Software.
"Es gibt immer ein paar Leute, die unzufrieden sind und diese nutzen ihre verschiedenen Kommunikationskanäle - entweder direkt zu uns oder durch die Medien - um Druck zu erzeugen", weiß der Franzose. Anpassungen an der Hardware, etwa am Verbrennungsmotor oder der MGU-K, sind hingegen ausgeschlossen. "Das würde einen Rattenschwanz an Folgen nach sich ziehen: Kühlung, Budgetgrenze und so weiter. Das geht nicht", stellt Monchaux klar. "Die Zeit rast. Für die Motorenhersteller ist 2027 schon morgen."
Für die Ex-F1-Piloten David Coulthard, Patrick Friesacher und Christian Klien ist die Regelreform lediglich ein Tropfen auf dem heißen Stein. Mehr dazu hier:



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