"Mühsam." So beschrieb Jan Monchaux den Meeting-Marathon, den die FIA mit ihrem Techniker-Team, den Motorenherstellern und den Formel 1-Teams in der April-Pause absolvierte. Dabei verliefen die Gespräche überraschend konstruktiv - ein krasser Gegensatz zu früheren Sitzungen.
"Es gab schon Meetings, da herrschte pures Bashing. Es war, als würde ich mit meinem Sohn am Tisch sitzen: 'Nein, will ich nicht. Nein, mag ich nicht.' Und auf die Frage nach einem Gegenvorschlag kam nur: 'Weiß ich nicht.' Dieses Mal hatten wir jedoch alle die Pistole auf der Brust. Der Auftrag an die Ingenieure war klar", erklärt Monchaux.
Vor Miami: Monchaux mit ungutem Gefühl
Und dieser lautete: Lösungen für aktuelle Krisenherde wie das Qualifying-Format und Sicherheitsaspekte zu finden. Doch statt politischer Spielchen erschwerte diesmal der Zeitfaktor die Arbeit. Normalerweise benötigt ein Paket, wie es nun für den Miami GP verabschiedet wurde, drei bis vier Monate Vorlauf. Diesmal wurden die umfangreichen Anpassungen im Energiemanagement der neuen Power Units innerhalb von nur drei Wochen durchgepeitscht.
Entsprechend bleibt bei Monchaux vor dem Miami-Wochenende ein ungutes Gefühl zurück. "Die Software, die wir produziert haben, ist nicht so erprobt, wie wir es gern hätten. Es könnte passieren, dass etwas Unvorhergesehenes geschieht, das wir so nicht wollten", gesteht der Franzose, der seit 2024 als Technikchef der Monoposto-Abteilung fungiert und direkt an Direktor Nikolas Tombazis berichtet. Tombazis warnte gerade erst davor, dass die F1 zu einer Geisel der Hersteller wird. Mehr dazu hier:
Formel 1: Weichenstellung für 2031
Obwohl aktuell am Reglement gefeilt wird, ist der Fokus auf die Zukunft gerichtet. "Die Gespräche [für 2031; Anm. der Red.] sind längst im Gange. Wir haben bereits im Vorjahr die Fühler ausgestreckt und ich denke, dass wir in zwei bis drei Monaten den Sack zumachen werden", so Monchaux.
Doch die Wünsche der Motorenhersteller lesen sich wie ein Wunschzettel an den Weihnachtsmann, weshalb so einige befürchten, dass sich die Gespräche deutlich länger hinziehen könnten. "Das glaube ich nicht. Das hoffe ich nicht. Vor Ende des Jahres muss etwas Konkretes auf dem Papier stehen", betont Monchaux. Gleichzeitig ist er sich der Komplexität der Materie bewusst.
"Alle Leute, die meinen, dass die Lösung ganz klar ist, haben keine Ahnung. Wenn es so einfach wäre, hätten wir die Probleme nicht. Es ist keine einfache lineare Gleichung mit einer Lösung, sondern weitaus komplexer." Ohne die sogenannte "Super-Mehrheit" sind der FIA bei Kernpunkten wie der Leistungsverteilung zwischen Verbrenner und Elektromotor oder die Benzindurchflussrate die Hände gebunden.
Wiederholt sich die aktuelle Misere?
"Wir können das nicht über die Köpfe der Hersteller hinweg entscheiden. Das ist auch der Grund, warum diese Punkte nicht Teil des aktuellen Pakets sind", erklärt Monchaux. Auf Nachfrage, ob die Änderungen 2027 oder 2028 kommen könnten, antwortet er knapp: "Die Gespräche laufen weiter, aber am besten fragen sie die Motorenhersteller." Klar ist für ihn nur: Stillstand führt unweigerlich zu neuen Beschwerden der Fahrer über das Energiemanagement.
"Wenn die Aerodynamik enteilt, werden wir spätestens 2027 wieder Aufschreie von den Fahrern hören, weil auf den Geraden massiv Energie gesammelt werden muss", so Monchaux. Ob das Szenario tatsächlich eintrifft, hängt auch davon ab, ob es tiefgreifende Änderungen auf Motorenseite 2027 geben wird. "Das kann dann wieder alles auf den Kopf stellen. Die Formel 1 ist eben sehr dynamisch."
Die Formel 1 kommt mit einem Sprint-Wochenende aus der Aprilpause zurück. Wer überträgt das Rennen in Miami im Free-TV und Livestream?



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