Das Rennen der Formel 1 in Spa begann erst um 16:20 Uhr. Dabei war der Start eigentlich wie üblich bei Grands Prix in Europa auf 15 Uhr angesetzt. Der Grund für diese Verschiebung war ein starker Regenguss vor dem Rennstart, der dazu führte, dass die Rennleitung den Start während der Formationsrunde abbrach und anschließend über eine Stunde abwartete.

Eine Entscheidung, die nicht allen schmeckt. Vor allem bei Red Bull ist der Ärger darüber groß. Die Bullen hatten ihre Autos aufgrund der Wettervorhersage für den Renntag voll auf ein Regenrennen getrimmt. Durch den späten Start ging gerade einmal das erste Rennviertel bei nassen Bedingungen über die Bühne, danach war es trocken.

Red Bull ärgert sich über Formel-1-Verspätung: Hätten sofort fahren können

Max Verstappen gab sich nach dem Rennen verstimmt. "Wir haben unsere Entscheidung mit dem Setup getroffen und dann erlaubten sie uns erst zu fahren, als die Bedingungen schon fast trocken sind", sagte er über die Rennleitung. Red Bull hatte sich ausgerechnet, dass man unter regnerischen Bedingungen die dominanten McLarens angreifen könnte, im Trockenen sah sich die Mannschaft des Weltmeisters als machtlos gegen die Pace von Oscar Piastri und Lando Norris.

So spielte Verstappen dann auch keine Rolle im Kampf um den Sieg. Red-Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko sah die Schuld für die Red-Bull-Niederlage auch bei der Rennleitung: "Mit dem richtigen Renndirektor hätten wir die richtigen Einstellungen gehabt."

Die lange Wartezeit kam nicht vollkommen ohne Ankündigung. Nach dem Regenrennen in Silverstone, bei dem es zu einer Reihe an Unfällen unter fragwürdigen Bedingungen gekommen war, war dieser Aspekt Thema eines Fahrermeetings. In diesem hatte Renndirektor Rui Marques eine vorsichtigere Handhabe in Aussicht gestellt. Verstappen glaubt, dass Marques deshalb übervorsichtig reagiert habe: "Wir haben nach Silverstone geredet, dass wir ein bisschen vorsichtiger sind, aber das war das andere Extrem", schlussfolgerte er.

Laut Verstappen gab es zur geplanten Rennzeit keinen Grund für die Unterbrechung. "Um 15 Uhr direkt [hätten wir fahren können]. Zwischen Kurve 1 und 5 war ein bisschen Wasser, aber wenn wir zwei Runden hinter dem Safety Car fahren, dann wäre es schon deutlich klarer gewesen und der Rest der Strecke war ohnehin schon bereit."

Lewis Hamilton unterstützt Verstappen: Wir sind zu spät gestartet

Unterstützung erhält Verstappen ausgerechnet von seinem ehemals größten Widersacher. Lewis Hamilton ist ebenfalls der Ansicht, dass das Rennen viel zu spät freigegeben wurde. "Ich stimme ihm zu. Wir haben das Rennen ein bisschen zu spät gestartet. Ich habe die ganze Zeit geschrien, dass wir bereit sind zu fahren und wir sind trotzdem [hinter dem Safety Car] weiter und weiter gerollt."

Ferrari-Pilot Lewis Hamilton überholt Liam Lawson im Racing Bull
Lewis Hamilton fühlt sich ebenfalls von der Entscheidung der Rennleitung benachteiligt, Foto: Getty Images / Red Bull Content Pool

"Wahrscheinlich reagierte [die Rennleitung] über, denn im letzten Rennen haben wir sie gebeten, das Rennen nicht zu früh neu zu starten, weil die Sicht zu schlecht war. An diesem Wochenende gingen wir ein bisschen zu weit in die andere Richtung." Hamiltons Kritik kommt nicht ohne Kontext. Sein Ferrari war vor dem Start ebenfalls voll auf Regen abgestimmt worden. Nach dem verpatzten Qualifying am Samstag wurde er dafür extra aus Parc Ferme genommen und Ferrari nahm einen Start aus der Boxengasse in Kauf.

Max Verstappen: Dann gibt es bald gar keine Regenrennen mehr

Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies zeigte sich ebenfalls erstaunt über die späte Entscheidung: "Ich denke wir alle waren überrascht, wie spät wir das Rennen gestartet haben." Der ehemalige FIA-Mann wollte den Weltverband und dessen Vertreter nicht in die Kritik nehmen, brachte aber sein Unverständnis zum Ausdruck: "Ich bin mir sicher, die FIA hatte ihre Überlegungen, aber uns als Team hat es überrascht. Denn wir haben im Prinzip nicht nur gewartet, bis der Regen aufgehört hat, sondern auch bis die Sonne rauskam und dann hatten wir immer noch viele Runden hinter dem Safety Car."

Verstappen fürchtet, dass das Beispiel Spa Mode machen könnte und 'echte' Regenrennen der Vergangenheit angehören. "Ich finde es ein bisschen schade für uns alle, dass wir diese Art von Regenrennen nicht mehr sehen werden. Ich denke, dass sie noch immer möglich wären, auch der Regen nachher war handhabbar, falls wir Runden gefahren wären", ärgerte sich der vierfache Formel-1-Champion.

Er ist überzeugt: "Wir wussten nach Silverstone, dass wir ein bisschen vorsichtiger sein würden, aber das hat auch keinen Sinn gemacht. Dann ist es besser, wenn wir sagen: 'Lasst uns warten bis es komplett trocken ist und dann starten wir auf Slicks', weil das ist für mich kein echtes Regenrennen."

Im Formel-1-Paddock stehen Hamilton und Verstappen mit der Ansicht, dass das Rennen zu spät gestartet wurde, relativ isoliert da. Nur Alex Albon erklärte auch, dass man zu lange gewartet habe. "Als wir gestartet sind, war es schon fast Zeit für die Slicks", so der Williams-Fahrer. Verstappens Teamkollege Yuki Tsunoda gehört nicht zu den Kritikern der Rennleitung. "Richtige Entscheidung", sagte der Japaner kurz angebunden.

Von vielen Fahrern erntete Verstappen für seine Aussagen Kritik. Hier die Details: