Lange stand die Formel 1 in Belgien am Sonntag im Regen still. Nachdem kurz vor dem um 15:00 Uhr angesetzten Start ein kurzer, aber starker Regenschauer über die Strecke gezogen war, wurde nach nur einer Formationsrunde unterbrochen und erst um 16:30 Uhr nach langen Verzögerungen freigegeben. Doch die sofort nach dem Regen kommende scharfe Kritik von Max Verstappen teilen die meisten seine Fahrerkollegen überhaupt nicht.
Die FIA-Rennleitung war in Spa auf jeden Fall vorsichtig, das streitet nach dem Rennen niemand ab. Um 15:00 Uhr ließ sie nur eine Formationsrunde fahren, blies dann den Start wegen schlechter Sicht ab. Dann wartete sie bis 16:10 Uhr - als schon die Sonne schien und es auftrocknete - um den Start für 16:20 Uhr anzusetzen. Dann fuhr man noch vier Runden hinter dem Safety Car, ehe es um 16:30 Uhr losging. Für Verstappen völlig unnötig, seine harte Kritik gibt es hier:
Tatsächlich war das Thema schon in weiser Voraussicht am Freitag im Fahrer-Briefing ausführlich mit Rennleiter Rui Marques besprochen worden. Hintergrund war der frühe Restart beim vorangegangenen Rennen in Silverstone, bei dem es in der Gischt vor Copse zwischen Kimi Antonelli und Isack Hadjar zu einem Auffahrunfall kam.
Formel-1-Fahrer nehmen FIA in die Pflicht - die handelt wie gefordert
"Respekt für die Entscheidung", lobt daher Carlos Sainz, einer der Direktoren der Fahrer-Gewerkschaft GPDA, nach dem Rennen. "Er hat uns nach den Unfällen von Silverstone gesagt, dass wir hier vorsichtiger sein würden. Das waren wir. Besser auf Nummer Sicher gehen als einen Unfall provozieren."

Noch deutlicher wird der zweite aktive GPDA-Direktor George Russell: "Ich liebe Fahren im Regen. Aber Fakt ist: Wenn du mit über 300 aus Eau Rouge kommst und nichts siehst, dann kannst du gleich eine Augenbinde aufziehen. Das ist kein Racing, das ist einfach dumm. Nachdem es klar war, dass es ab vier Uhr trocknen würde, war das die richtige Entscheidung."
Eine lange Liste an Fahrern schließt sich am Sonntagabend dieser Meinung an. Fundamental geht es um die Sicht, die einfach nicht zu managen ist. Erst recht für die Fahrer im Hinterfeld. "Anfangs war es nicht fahrbar", stellt Fernando Alonso (letzter Platz am Start) klar. Nico Hülkenberg (14. Platz am Start) ergänzt: "Die Pfützen waren nicht schlimm, aber die Sicht war auf den Geraden schwierig. Anfangs konntest du da kein Rennen fahren. Selbst als wir dann starteten und es auftrocknete, war die Sicht immer noch eine Herausforderung."
Sicht macht Spa für die Formel 1 im Regen viel zu gefährlich
Grundsätzlich schon ist die Sicht in der Formel 1 ein Problem, weil Regenreifen und Aerodynamik sehr viel Gischt produzieren. In Spa ist das Problem aber noch viel schlimmer. Zum einen hängt die Gischt auf den langen Geraden, weil die Strecke dort von Bäumen eingerahmt ist. Zum anderen sind das extrem schnelle Stellen, wie von Russell angesprochen kommt man ausgangs Raidillon oder in Blanchimont mit über 300 km/h an.

"Zu Beginn konnten nicht einmal Lando und ich etwas sehen", erinnert Oscar Piastri, der auf dem zweiten Startplatz nur Lando Norris und das Safety Car vor sich gehabt hatte. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es für die Leute weiter hinten gewesen wäre."
So haben die Fahrer auch die zahlreichen schweren Unfälle in Raidillon und Blanchimont im Kopf, die es über die Jahre gab. "Mit dieser Geschichte in Spa ist es besser, auf Nummer sicher zu gehen", findet Sainz die Verzögerung da überhaupt nicht verwerflich.
Auch McLaren-Teamchef Andrea Stella lobt die Rennleitung: "Wenn du auf so einer Strecke die Entscheidungen spät triffst, kann es zu spät sein, und du könntest ... schwierige Konsequenzen haben. Vorauszudenken ist da der richtige Ansatz. Die Verzögerung hat es uns auch erlaubt, noch im Nassen zu fahren." Zumindest acht Runden lang war es Intermediate-Wetter.
Größte nennenswerte Gegenstimme nach dem Rennen: Lewis Hamilton. "Sie haben wohl überreagiert, weil wir sie nach dem letzten Rennen gebeten haben, bei schlechter Sicht nicht zu früh neu zu starten. Dieses Wochenende ging es ein bisschen zu weit in die andere Richtung."



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