Die McLaren-Disqualifikation und die daraus resultierende WM-Chance für einen Verstappen in Überform rückte die Leistung von Kimi Antonelli in Las Vegas in den Hintergrund. Dem 19-Jährigen gelang es auf dem Las Vegas Strip Circuit seine wirklich schlechte Startposition (P17) in ein Top-Ergebnis (P4) zu verwandeln, das durch die Disqualifikation von Lando Norris sogar zu einem Podiumsplatz wurde.
Nachdem er als einziger Pilot im Formel 1-Feld auf Soft gestartet war, wechselte er unter Virtuellen Safety Car in Runde 2 auf Hard und absolvierte auf diesem einen Monster-Stint von 48 Runden. Während George Russell seinen Reifen direkt nach dem Boxenstopp zu hart rannahm und dadurch das restliche Rennen zu kämpfen hatte, fand Antonelli mit Unterstützung des Teams einen Weg, das Graining der Vorderreifen zu überwinden. Dabei nutzte er einen Fahrstil, der stärker auf ein übersteuerndes Heck ausgelegt war.
Bereits ein Rennen zuvor, beim Großen Preis von Sao Paulo, wusste Antonelli zu überzeugen, indem er Max Verstappen hinter sich hielt und als Zweiter sein bis dato bestes Saisonergebnis einfuhr. Während Toto Wolff seine starken Leistungen darauf zurückführt, dass er auf Strecken, die er nicht kennt, weniger Druck verspürt, liefert Antonelli eine ganz andere Erklärung für seine späte Formexplosion. Erstmals verriet der 19-Jährige, wie sehr das Hick-Hack um die Mercedes-Hinterradaufhängung seine Rookie-Saison beeinflusst hat.

Formel-1-Rookie um Monate zurückgeworfen
"Ich denke, das hat mich zwei oder drei Monate an Entwicklung gekostet. Ich hatte größere Schwierigkeiten als George, mich anzupassen und meinen Fahrstil entsprechend umzustellen. Ich bin extrem verkrampft gefahren", erzählte Antonelli. Rückblick: Mercedes begann nach dem ersten Rennen mit der Entwicklung einer neuen Hinterradaufhängung. Dass diese bereits in Imola ihr Debüt feierte, lag daran, dass man kein neues Getriebegehäuse entwickelte, sondern versuchte mit geringfügigen Modifikationen das zu nutzen, was man bereits zur Verfügung hatte.
So wurde der Chassis-seitige Aufnahmepunkt für den vorderen Arm des oberen Querlenkers um einige Zentimeter tiefer gelegt. "Es war einfach der beste Kompromiss, der zu diesem Zeitpunkt möglich war", erklärte Mercedes' stellvertretender Technik-Direktor Simone Resta in der aktuellen Ausgabe des Motorsport-Magazin - übrigens ist unser Magazin das ideale Weihnachtsgeschenk. Gleich hier Gutschein kaufen.
Formel-1-Experte Christian Danner erklärt, warum Antonelli den F1-Drucktest bestanden hat: weniger Fehler, mehr Stabilität – und ein klarer Schritt nach vorn.
Die neue Anordnung der Querlenker führte allerdings dazu, dass sich die Kinematik der Hinterachse in Richtung Anti-Lift verschob. Das bedeutet, dass die Hinterachse beim Anbremsen nicht so stark ausfedert, die Bodenfreiheit also konstanter bleibt. Doch von Beginn an beklagten sich die Fahrer über das Fahrgefühl des W16, weshalb Mercedes zwischen der alten und neuen Variante hin- und herwechselte. Erst nach dem Ungarn GP entschied sich der Rennstall das neue Konzept endgültig zu verwerfen.
Antonelli musste Vertrauen ins Auto wieder aufbauen
"In dieser Phase hatte ich wirklich große Probleme, mich als Fahrer weiterzuentwickeln. Als wir dann wieder zur alten Aufhängung zurückgingen, musste ich mein Vertrauen erst wieder neu aufbauen", erinnert sich Antonelli ungern an die Zeit zwischen Imola und Belgien, in der er nur einmal Punkte holte. "Hätten wir früher auf die alte Aufhängung zurückgegriffen, wäre es vermutlich anders gelaufen. Dann hätte ich schon gegen Ende der Europa-Saison oder zur Saisonmitte Momentum aufbauen können. Aber im Nachhinein ist das natürlich immer leicht zu sagen", so Antonelli.
Allerdings hat der junge Italiener seit dem Ungarn GP in jedem Rennen mit Ausnahme von Zandvoort gepunktet. "Wenn man das Gefühl hat, die Situation aufgrund der gewonnenen Erfahrung besser unter Kontrolle zu haben sowie das Auto besser im Griff zu haben, fährt man auch viel entspannter und kann die Leistung einfacher abrufen", erklärte Antonelli, der in den noch verbleibenden Rennen in Katar und Abu Dhabi das Momentum fortführen will.
Gerade erst teilte Mercedes mit, dass George Kurtz 15 Prozent an der von Toto Wolff kontrollierten Holdinggesellschaft erworben hat, die ein Drittel des Mercedes-Teams hält. Mehr dazu hier:



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