Mitte November traf sich die Formel-1-Komission in London und diskutierte über kleine Reglement-Änderungen. In diesem Rahmen wurde beschlossen, dass mit der kommenden Saison mindestens 55 Prozent der Fahrzeugoberfläche lackiert oder beklebt sein muss. Denn die FIA befürchtet, dass die Teams wegen des sinkenden Mindestgewichts auf die Fahrzeugfarbe verzichten und alle nur noch in Karbon-Schwarz unterwegs sein werden. Hier alle Details dazu:

Für Haas-Teamchef Ayao Komatsu ist diese Vorgabe nicht das Allheilmittel: "Das ist keine fundamentale Lösung. Es geht darum, die Autos unterscheidbar zu halten. Das hat aber nichts mit der Menge an gefärbter Oberfläche zu tun." Seit dem Inkrafttreten des aktuellen Reglements nehmen die ungefärbten Flächen auf den F1-Boliden zu, was das Unterscheiden der verschiedenen Teams erschwert. Der Farbverzicht ist ein einfacher Weg, Gewicht zu reduzieren. Die Lackierung eines Autos wiegt mehrere Kilo.

Mit 2026 werden die Autos um rund 30 Kilogramm leichter. Diese Gewichtsreduktion wird vor allem zu Beginn der Regelperiode eine Herausforderung für die Teams sein. Aber einem Rennen mit 22 schwarzen Autos, die sich nur durch Sponsoren-Aufkleber und Fahrernummern unterscheiden, zu folgen, wäre für Fans unzumutbar. Schon gar nicht bei einem Nachtrennen. Aber dass eine Farb-Pflicht dagegen hilft, bezweifelte der Haas-Teamchef: "Das wird das visuelle Problem nicht lösen."

Nicht nur die Lackierungs-Richtlinien stoßen dem Haas-Teamchef sauer auf - auch die verpflichtenden zwei Reifenwechsel in Katar sind ihm ein Dorn im Auge.

Kuriose Lack-Regel als Friedensstifter

Zumindest einen Vorteil hat die Vorgabe laut Komatsu: Es wird für weniger Konflikte zwischen den Ingenieuren und dem Marketing-Team sorgen. "Nächstes Jahr werden alle Probleme mit dem Gewicht haben. Ohne Regeln gäbe es einen großen Streit zwischen dem Technik- und dem Werbe-Department. Jetzt haben sie eine Prozentzahl für die Lackierung. Das ist gut für die kommerzielle Seite", meinte der Japaner. Denn ein schön lackiertes Auto sehen sich die Fans gerne an - und dadurch auch die Sponsoren-Logos, die darauf verteilt sind.

Sponsorenplatzierungen auf dem Auto sind wichtige Einnahmequellen für Formel-1-Teams. Schon ein kleiner Sticker auf der Nase oder dem Spiegel ist kostspielig. Schätzungsweise verlangen McLaren und Co. dafür ein bis zwei Millionen US-Dollar. Ein großer Schriftzug auf dem Seitenkasten, wie der Mineralölkonzern Petronas als Titelpartner auf dem Mercedes-Boliden gebucht hat, kann im Jahr bis zu 100 Millionen US-Dollar kosten.

Esteban Ocon im Haas-Boliden beim Post-Season-Test in Abu Dhabi
Wenn Haas wie 2024 ein größtenteils schwarzes Auto möchte, darf das nicht nur Karbon sein, Foto: IMAGO / NurPhoto

Könnte Lackierungs-Strafe in WM-Kampf eingreifen?

Doch wie wird gemessen, ob die Teams wirklich 55 Prozent des Autos in Farbe getunkt haben? "Mein Verständnis ist, dass sie das nicht am realen Auto abmessen, sondern dass wir unsere geplanten Lackierungen digital abgeben", erklärte Komatsu. Laut Angabe bezieht sich der Wert auf die Ansicht von der Seite und oben.

Aber was, wenn sich jemand nicht an die Vorgabe hält? Gibt es dann eine Strafe für zu wenig Farbe am Auto? Könnte die Lackierung im WM-Kampf genutzt werden, um dem anderen ein Bein zu stellen? Der Haas-Teamchef beruhigt: "Sie wollen nicht, dass sich das in eine Art Protest oder Strafgrund entwickelt. Sie werden kein System in der Garage haben, mit dem sie das kontrollieren können. Also solange niemand den anderen verarschen möchte, sollte alles gut sein."

Noch kann Red Bull dem McLaren-Duo mit einer Lack-Anklage kein Bein im WM-Kampf stellen. Braucht das Team von Max Verstappen auch nicht, das macht die Papaya-Mannschaft schon selbst. In Las Vegas wurden beide disqualifiziert! Warum? Das erklärt Christian euch im Video:

Erklärt: Beide McLaren disqualifiziert - Verstappen profitiert (16:59 Min.)