Was erwartet uns von der neuen Autogeneration? Diese Frage brennt der gesamten Formel-1-Welt unter den Nägeln, seit das Reglement vor zwei Jahren vorgestellt wurde. Bereits nächste Woche fahren die neuen Boliden ihre ersten Testkilometer, leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Doch das Haas-Duo Esteban Ocon und Oliver Bearman gab einen ersten Einblick in das Fahrgefühl der 2026-Boliden. Eines ist klar: Alles wird anders.

"Das Auto selbst hat sich ziemlich gut angefühlt. Die Balance und der Grip waren in Ordnung", verriet Ocon im Rahmen der Auto-Präsentation von Haas. Die ersten Simulator-Runden im neuen VF-26 drehte er bei einem Seat-Fitting kurz vor Weihnachten. "Es ist eine sehr spezielle Art des Fahrens. Es wird viel mehr Management auf Motoren- und auf Hybrid-Seite geben. Aber es war nur ein Vorgeschmack im Simulator. Wir müssen noch sehen, wie es in der Wirklichkeit ist."

Die Reglementänderungen in Bezug auf Motor und Chassis sind 2026 so enorm, dass sich die Formel-1-Piloten nicht mehr auf ihre langjährige Erfahrung verlassen könnten. "Es wird sehr anders als bisher. Wir können komplett vergessen, wie es davor war. Wir müssen vergessen, wie wir seit dem Kart-Fahren gelernt haben, schnell zu sein. Es wird eine spannende Herausforderung, einen neuen Fahrstil zu lernen und damit hoffentlich Speed zu finden", zeigte sich Ocon optimistisch.

Bearman will Blick in die Glaskugel werfen: Ungewissheit ist schrecklich!

Für den Haas-Fahrer ist es die größte Regeländerung in seiner elfjährigen Karriere. Ocons erste Fahrt in einem Formel-1-Auto absolvierte er 2014 in einem zwei Jahre alten Lotus mit V8-Motor. Für die Rookie-Tests in Abu Dhabi stieg er auf den im selben Jahr eingeführten Hybrid-Motor um. Der damalige Unterschied sei vergleichbar mit dem jetzigen. "Wir müssen alles neu lernen. All unsere Sinne müssen sich erst darauf einstellen. Unsere Erfahrung wird uns dabei helfen, uns umzugewöhnen. Aber wir müssen beim Fahren viel mehr mitdenken, was wir tun müssen, um schnell zu sein", beschrieb Ocon.

Sein Teamkollege Oliver Bearman kann sich nicht auf elf Jahre Formel-1-Erfahrung stützen. In seiner zweiten Saison ist der Welpenschutz vorbei, vor der großen Reglementänderung schreckt er aber nicht zurück: "Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich in einen neuen Regelzyklus starte. Das ist für mich mit viel Vorfreude verbunden. Letztes Jahr haben wir von Anfang an gewusst, dass wir um Punkte kämpfen konnten, wenn wir das Auto ins richtige Fenster bekommen."

Dieses Jahr wird das anders sein. Niemand kann wirklich sagen, wie die Hackordnung aussehen wird. Die Ungewissheit bereitet dem 20-Jährigen Sorgen. "Ich würde gerne sechs Monate in die Zukunft schauen, um zu sehen, wo wir stehen. Wir könnten gleich am Anfang einen guten Eindruck machen, aber es ist schrecklich, es nicht zu wissen. Was ich bisher vom Team gesehen habe, ist positiv. Wo wir uns wirklich einreihen, wissen wir wohl erst nach dem Qualifying in Australien", so Bearman.

Vermutlich wird sich auch nach dem Saisonstart in Melbourne Anfang März noch kein klarer Titelfavorit etabliert haben. "Es wird Teams und Fahrer geben, die mit diesen neuen Regeln Fehler machen. Vor allem in den ersten Rennen wird Zuverlässigkeit ein großer Faktor werden", meinte Bearman. Auch Ocon zweifelt daran, dass sich die Rangordnung früh festlegt: "Es wird viel Entwicklungsarbeit geben, besonders im ersten Jahr. Wir sollten definitiv so viele Punkte so früh wie möglich mitnehmen. Aber es gibt auch in der Saisonmitte viel zu holen, wenn Teams Updates bringen. Jetzt müssen wir von Rennen zu Rennen denken, den Rest sehen wir später."

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