Dominanz wie im Vorjahr hatte sich Mercedes in Las Vegas 2025 nicht erwartet, doch nach einem guten Start schien George Russell tatsächlich in einer Position, mit Max Verstappen um den Sieg zu kämpfen. Doch plötzlich brach er nach einer Attacke völlig ein, erhielt nur dank einer McLaren-Disqualifikation den zweiten Platz zurück und wurde fast noch von seinem Teamkollegen Kimi Antonelli geschnappt. Ein Reifen-Fehler, aber wo genau wurde er begangen?
"Die Pace war im ersten Stint nicht schlecht, natürlich nach einem guten Start", hält Russell schließlich selbst ebenfalls fest. Turbulenzen zwischen Verstappen und Lando Norris hatten es ihm ermöglicht, sich auf den ersten Metern direkt den zweiten Platz zu krallen. Dann hängte er sich ran an Verstappen, blieb bis Runde 15 auf unter 2 Sekunden hinter dem Red Bull, und bog dann zu einem aggressiven frühen Stopp ab.
Da sich Verstappen bis Runde 25 mit seinem Stopp Zeit ließ, kam er nur ganz knapp vor Russell wieder auf die Strecke. "Ich dachte, ich hätte mit den kalten Reifen eine Chance, und ich habe richtig, richtig hart gepusht", so Russell, der darin die Quelle des späteren Übels ausmacht: "Dabei habe ich mir einfach die Reifen ruiniert."
George Russell bereut nichts: Ich will Siege
Auf dem kalten, rutschigen Asphalt von Las Vegas ist Graining ein großes Problem. Das verlangt umsichtiges Umgehen mit den Vorderreifen. Erst recht nach einem Boxenstopp, wenn die Reifen noch kalt sind. Da gilt es, sie vorsichtig auf Betriebstemperatur zu bringen. Wer zu stark rutscht, der provoziert das Graining auf der Oberfläche, und dann ist man für den Rest des Stints schon angeschlagen.
"Ich will um Siege kämpfen, und ich sah eine halbe Chance und dachte, dass Max auf seiner Outlap mehr Probleme haben würde", rechtfertigt sich Russell. "Ich musste es versuchen. Wenn ich meine Reifen in diesen Runden schone, dann würde ich immer noch auf dem gleichen Platz hier sitzen und mich fragen, ob ich angreifen hätte können, als die Chance da war. Ich bereue nichts."
"Ich wusste gute 16, oder eher 20 Runden vor Schluss, dass es schwierig werden würde, durchzufahren", beschreibt Russell die Folgen seines erfolglosen Übermutes. Er riss von Verstappen ab, wurde von Norris überholt, und am Ende kam er nur zwei Sekunden vor seinem von P17 losgefahrenen Teamkollegen Kimi Antonelli über die Linie. P2 erhielt er nur mit Glück dank der Norris-Disqualifikation zurück.
Toto Wolff theorisiert: George Russell mit den Reifen zu vorsichtig?
Antonelli hatte andererseits jedoch 48 Runden auf einem Reifensatz geschafft. Obwohl er einen wesentlichen Teil dieser Runden zu Beginn im Verkehr verbracht hatte, sprich seine Reifen nicht wirklich hatte schonen können. Das wirft für Mercedes dann doch Fragen auf.
"Entweder haben wir die Reifen direkt am Anfang im Windschatten von Max überbelastet", meint Teamchef Toto Wolff, ergänzt aber eine zweite Theorie: "Oder - und das würde mich nicht überraschen - wir haben die Reifen tatsächlich zu stark gemanagt. Denn bei Kimi kam das Graining, und hat sich wieder aufgelöst."
Das ist ein bekannter Aspekt von Graining, das man vereinfacht als eine Verunreinigung der Reifen-Oberfläche durch den sich auflösenden Gummi beschreiben kann. Wer in dem Fall noch härter pusht, bei dem mag es erst noch schlechter werden, doch die erhöhte Belastung rubbelt die Reifen-Oberfläche wieder sauber. Und dann ist die Lauffläche plötzlich wieder glatt, bietet wieder Grip, und der Reifen wird sogar noch schneller.
Allerdings war F1-Reifenausrüster Pirelli nicht davon ausgegangen, dass sich dieses "Sauberfahren" in Las Vegas anbot. Das Graining ist hier wegen der kalten Temperaturen sehr eigen. Andererseits fuhr den Hard vor dem Rennen fast niemand, es fehlten also die Erfahrungswerte. Antonellis 48-Runden-Stint, bei dem er gegen Ende eben wieder schneller wurde, könnte durchaus ein Indikator für den Effekt sein.
George Russell auch im Rennen mit Lenkrad-Problem
Also muss Mercedes sich erst das Rennen noch einmal genau anschauen, um herauszufinden, ob man bei Russell einen Fehler begangen hat. Auf der To-Do-Liste von Mercedes stehen aber noch weitere Aufgaben. Vor allem das Problem mit der gelegentlich aussetzenden Servolenkung. Das war bei Russell in Q3 aufgetreten. Im Rennen kehrte es nach gut fünf Runden zurück.
"Nach gut vier Runden schaffte ich es, es zu umfahren", meint Russell, der wie schon im Qualifying in Sachen Pace dann die Auswirkungen begrenzen konnte. "Das Lenkrad dreht sich nicht wieder zurück, wenn man die Lenkung am Kurvenausgang aufmacht", ergänzt Toto Wolff. Die Angelegenheit gilt es dringend zu klären. Über Nacht hatte Mercedes nämlich Lenkrad, Schnellverschluss und Lenksäule vollständig getauscht. "Hat keinen großen Unterschied gemacht."



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