So hatten sich die dominanten Vorjahressieger von Mercedes die Angelegenheit nicht vorgestellt. Im verregneten Qualifying von Las Vegas blieb George Russell blasser Vierter, während es Kimi Antonelli nicht einmal aus dem Q1-Keller schaffte. Ergebnis-Maximierung sieht nach einem Fahrfehler und einem technischen Defekt anders aus.
"Da schätze ich mich noch glücklich, dass ich mich auf P4 qualifiziert habe, aber es fühlt sich natürlich wie eine verpasste Chance an", meint ein merklich frustriert klingender Russell, der nach dem Qualifying einen in Q3 plötzlich auftretenden Schaden an seiner Servolenkung enthüllt. "Richtig bitter. Ich war Erster in FP3, Erster in Q1, Erster in Q2, und auf meiner zweiten Q3-Runde dachte ich schon, ich müsste auf der Strecke stehenbleiben, weil ich das Lenkrad nicht drehen könnte."
Mercedes-Servolenkung setzt aus: Russell rechnete in Q3 mit dem Schlimmsten
Weil Formel-1-Autos für Fahren mit Servolenkung entwickelt werden, ist es praktisch unmöglich, sie am Limit zu bewegen, wenn sie ausfällt - so schwergängig wird die Lenkung dann. "Sie hat ungleichmäßige Unterstützung geliefert", ergänzt Mercedes-Chefingenieur Andrew Shovlin nach dem Qualifying Details. Daher konnte Russell zwar weiterfahren, aber einfach war das nicht.
"Das war echt nervig, um die Kurven zu kommen war richtig schwierig", ärgert sich Russell. Weil er Angst hatte, dass die Lenkung jeden Moment komplett den Geist aufgeben könnte, fuhr er am Ende von Q3 auch zwei aufeinanderfolgende Runden, anstatt zwischendrin noch eine langsame Runde einzuschieben, um seine bei der abtrocknenden Strecke überhitzenden Intermediates abzukühlen.
"Deshalb waren seine Reifen zu Beginn seines letzten Versuchs zu heiß", erklärt Shovlin. Mit 0,869 Sekunden Rückstand reihte sich Russell trotzdem noch auf P4 ein, doch im Regen war der Mercedes sowieso nicht so gut: "Ich denke nicht, dass wir Pole geholt hätten. Das Gefühl im Auto war nicht so toll."
Kimi Antonelli patzt auf entscheidender Qualifying-Runde
Allein der Regen erwischte hingegen Kimi Antonelli im zweiten Mercedes, und zwar schon im ersten Qualifying-Segment. Der Rookie fuhr zum ersten Mal mit den echten Regenreifen ein Qualifying und konnte dabei immer wieder mit guten Zwischenzeiten aufzeigen, doch wie so oft gilt bei sich langsam bessernden Bedingungen: Die letzte Runde zählt.
Die verpatzte Antonelli. Am Ende des Strip blockierte hin zu Kurve 14 sein rechtes Vorderrad. "Wir müssen die Gründe noch verstehen, denn ich ließ mir zum Vermeiden von bösen Überraschungen Puffer auf der Bremse, weil ich wusste, dass es die letzte Runde war", schwört Antonelli. Doch nach mehr als einem Fahrfehler sah es nicht aus. Wohl war es weniger ein zu spätes Bremsen, und mehr ein Bremsen etwas zu weit rechts, auf einem noch nasseren Teil der Strecke.
"Schade, die Runde war gut genug, um weiterzukommen", ärgert sich Antonelli, der stattdessen in die Auslaufzone rutschte und damit Startplatz 17 besiegelte. Mercedes hofft dennoch auf bessere Rennpace im Trockenen, auch wenn sich das mangels Longruns nur schwer belegen lässt. Zumindest Russell meint: "Könnte viel schlimmer sein. Das ist ein starker Platz, um zu kämpfen."



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