Max Verstappen liebt es, im Nassen zu fahren. Sein Können bei unbeständigem Wetter ist bestens bekannt. Doch selbst für den Regenmeister waren die Bedingungen beim Formel-1-Qualifying in Las Vegas zu viel des Guten. "Es ist hier schon im Trockenen rutschig, aber im Nassen macht es gar keinen Spaß. Es hat sich angefühlt wie auf Eis. Ich musste sehr vorsichtig sein", schilderte er nach der Zeitenjagd. Trotz der erschwerenden Umstände startet Verstappen den Las-Vegas-GP von Platz zwei – hinter seinem WM-Rivalen Lando Norris. Hat Verstappen dennoch Chancen auf den Sieg?

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Die Pole Position wäre sich womöglich ausgegangen, wäre er – wie Norris – eine finale Runde gefahren. Verstappen startete seinen letzten Versuch eineinhalb Minuten vor dem Ende des Qualifyings. Bei einer Rundenzeit von fast zwei Minuten im Nassen blieb nicht genügend Zeit, um auf der auftrocknenden Strecke noch einmal anzusetzen. Norris fing seine finale Runde eine halbe Minute vor Schluss an und hatte damit die besten Bedingungen. Drei Zehntelsekunden trennten die beiden Titelrivalen schließlich voneinander.

"Es war unser Fehler, dass wir nicht mehr draußen waren, als Norris seine letzte Runde fuhr. Das Timing mit dem Abkühlen der Reifen haben wir nicht optimal hinbekommen", gestand Red-Bull-Berater Dr. Helmut Marko gegenüber ServusTV ein. Verstappen ist dennoch zufrieden mit der ersten Startreihe. Dass er die Bestzeit holen würde, hatte er ohnehin nicht geglaubt: "Wenn du dir Q3 anschaust, dann waren wir nie im Kampf um die Pole Position. Natürlich ist es Pech, dass wir nicht noch eine Runde gefahren sind. Aber wir waren nie schnell genug, deshalb ist der zweite Platz in Ordnung."

Verstappen ohne Zuversicht, aber Marko warnt Norris

In den ersten zwei Qualifying-Abschnitten fuhren noch alle mit den Regenreifen, im Q3 kamen dann die Intermediates zum Einsatz. Auf denen fühlte sich der RB21 nicht mehr so konkurrenzfähig an wie davor, meinte Verstappen. "Ich hatte große Probleme, den Grip zu finden. Auf der letzten Runde habe ich mehr riskiert, aber es war nicht genug für den ersten Platz", sagte der Weltmeister.

Was heißt das nun für den Grand Prix? Das weiß keiner so genau. Aufgrund der Unterbrechungen im zweiten Freien Training fuhr kein Team Longrun-Simulationen. Durch den Regen im FP3 hat bisher auch noch niemand Erfahrung auf dem harten Reifen sammeln können. Alle Teams tappen also datenmäßig im Dunklen. Das Wetter am Sonntag soll beständig werden, doch das galt auch für den Samstag. Das Rennen wird also ein Glücksspiel – passend zum Austragungsort Las Vegas. "Es wird darum gehen, wer die Reifen am besten am Leben erhalten kann. Darin waren wir bisher nicht gut", malte Verstappen den Teufel an die Wand.

Ein Hoffnungsträger ist allerdings der Topspeed des RB21. In den Trainings war der Red Bull eines der schnellsten Autos im Feld, der McLaren reihte sich hingegen am Ende des Spektrums ein. Auf den vielen Geraden des Las Vegas Strip Circuits könnte Verstappen also ordentlich Druck auf seinen WM-Rivalen ausüben. "Wir werden sicher aggressiv vorgehen, wir müssen riskieren. Lando sollte vorsichtig sein", kündigte Marko an. Für den amtierenden Weltmeister steht in Las Vegas mehr als ein Sieg auf dem Spiel: Holt Norris neun Punkte mehr als Verstappen, ist sein fünfter WM-Titel in Folge mathematisch unerreichbar.

Alle Szenarien, wie Verstappen seine Titel-Jagd verlieren könnte, gibt es hier in der Übersicht:

Yuki Tsunodas Q1-Aus erklärt: Red Bull patzt bei Reifendruck

Doch nicht nur Verstappen hat in Las Vegas einiges zu verlieren. Drei Rennen vor Saisonende kämpft Yuki Tsunoda um seinen Verbleib in der Formel 1 – und stellte sich im Qualifying kein Empfehlungsschreiben aus. Er schaffte es nur auf Platz 19, im Q1 war er über drei Sekunden langsamer als sein Teamkollege. "Während meiner Runde gab es eine gelbe Flagge, aber auch der Grip war sehr schlecht. Ich bin wie auf Eis gefahren und meine Räder haben durchgedreht", verteidigte er sein erstes Q1-Aus seit Ungarn.

Beim Japaner gab es viele Fragezeichen nach der Zeitenjagd. "Das letzte Mal, als ich mit den Regenreifen gefahren bin, hat es sich nicht so angefühlt und war ich echt schnell. Irgendetwas hat nicht richtig funktioniert", rätselte Tsunoda. Ein technisches Problem schloss Helmut Marko aus. Später bestätigte Red Bull in der Presseaussendung, dass der Druck in Tsunodas Reifen nicht passte.

"Die Reifendrücke waren ganz anders, als sie hätten sein sollen. Das erklärt die Probleme, die ich in Q1 hatte. Ich habe alles getan, was ich unter diesen Umständen machen konnte. Es ist schade, weil ich schon das ganze Wochenende eine starke Pace hatte, wahrscheinlich die beste, seit ich zum Team gestoßen bin", lamentierte Tsunoda. Für das Rennen möchte er nun so viel aus seinem 19. Platz holen wie möglich.

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